4. Dezember 2011, 11:05 Uhr
Mare Radio
Karibik, schon das Wort schmilzt auf der Zunge und löst Glücksgefühle aus. Die Inselketten, Wiege vieler Musiktrends, Tänze und köstlicher Drinks, tragen für Europäer den Beigeschmack von "don’t worry, be happy", von leichtem Leben und großer Freiheit in warmen Gefilden, wo die üppige Natur ihr Füllhorn ausgießt. Auch das Meer lädt ein zu Vergnügungen aller Art, Genuss pur für Touristen.
Doch die Natur ist nicht nur freundlich. Tropenstürme, Fluten, Erdbeben und Vulkanausbrüche suchen die Inseln heim und werfen die Menschen ins Elend, wie 2010 auf Haiti. Auch das koloniale Erbe hat seine Spuren hinterlassen, auf den Straßen, in den Herzen, in der Literatur. Mare Radio zieht um die Inseln, legt Tauchgänge ein, landet in diesem oder jenem Hafen, streift durch schöne Ecken und späht in finstere, und erzählt vom Leben der Menschen, den Armen und den Reichen.
Moderation: Silke Behl
Redaktion: Mechthild Müser, Stefanie Pesch
Musik: Harald Mönkedieck
Dem Gewinner des Mare-Rätsels winken attraktive Preise: ein Jahresabo des mare-Heftes und Bücher aus dem mare-Verlag.
Wie heißt das legendäre Schiff des Piratenkapitäns Jack Sparrow alias Johnny Depp in dem Blockbuster "Fluch der Karibik"?
Die Farbe von Krakenblut ist bläulich-grün.
Kaum eine Weltregion ist so vielfältig wie die Karibik mit ihren zahlreichen Inseln und Inselgruppen. Im karibischen Raum sind in einzigartiger Weise eine Vielzahl von Kulturen und Ethnien versammelt, deren Musik, Kunst und Literatur die ganze Welt fasziniert. Über Jahrhunderte geprägt von der Herrschaft der europäischen Kolonialmächte Spanien, England und Frankreich sowie der Einflussnahme der USA, sind die politischen und sozialen Verhältnisse der einzelnen Staaten von höchst unterschiedlichen Traditionen und Entwicklungen beeinflusst worden. Über die vielen Gesichter der Karibik hat sich Silke Behl mit Bert Hoffmann gesprochen, Politikwissenschaftler und Lateinamerika-Fachmann am German Institute of Global and Area Studies (GIGA) in Hamburg.
Die Geschichte Haitis ist alles andere als die eines karibischen Traums. Seit der Unabhängigkeit von Frankreich im Jahr 1804 beherrschen Gewalt und das Recht des Stärkeren das politische Leben der Insel. Im 20. Jahrhundert wurde Haiti vor allem durch die diktatorische Herrschaft von François Duvalier, genannt "Papa Doc" (1957-1971), und Jean-Claude Duvalier (1971-1986), genannt "Baby Doc", arg gebeutelt. Auch unter den korrupten Nachfolgern kam das Land nicht zur Ruhe und stürzte von einem politischen Chaos ins andere. Seit Haiti im Januar 2010 vom verheerendsten Erbeben seiner Geschichte heimgesucht wurde, dem Hunderttausende zum Opfer fielen, ist die Bevölkerung nur noch durch ausländische Hilfe lebensfähig. Der Berliner Schriftsteller Hans Christoph Buch hat familiäre Bindungen zu Haiti und ist einer der besten Kenner der Geschichte und der sozialen Verhältnisse. Silke Behl hat mit ihm über die Probleme Haitis gesprochen.
Der 1937 in England geborene und in Jamaika aufgewachsene Medienunternehmer und Musikproduzent Chris Blackwell ist ein Mann, der Musikgeschichte geschrieben hat. Seit der Gründung seines legendären Labels "Island Records" im Jahr 1959 hat er mit Kultbands des internationalen Rock und Pop zusammengearbeitet: mit Emerson, Lake and Palmer, Cat Stevens, Jethro Tull, Roxy Music und Tom Waits. Mindestens ebenso bemerkenswert ist seine Pionierarbeit in Sachen Reggae, den er durch seine Aufnahmen mit Bob Marley, Burning Spear oder Black Uhuru in Europa bekannt gemacht hat. Harald Mönkedieck porträtiert den Entdecker des Sounds der Karibik, der einem neuen Lebensgefühl zum Durchbruch verholfen hat.
ZEIT.de: Jamaika und der Reggae
Vodou-Devotionalien
Von allen guten Geistern waren sie verlassen – die schwarzen Sklaven, die man Jahrhunderte lang in die Karibik verschleppte. Ausgebeutet, zum christlichen Glauben gezwungen, gelang es ihnen dennoch, ihre westafrikanische Religion und Identität über die schweren Zeiten zu retten. Bis heute ist die Magie des Vodou-Kultes in Haiti ungebrochen. Fast hundert Prozent der Bevölkerung bekennen sich dort zu ihm – und bringen dennoch das Kunststück fertig, ganz selbstverständlich der christlichen Glaubensgemeinschaft anzugehören. Martin Polansky über die rätselvolle Welt des Vodou in Haiti.
Skulpturenkreis im Underwater Sculpture Park Grenada
Jason deCaires Taylor ist ein Bildhauer der ganz besonderen Art – und der Ort, wo er seine Skulpturen ausstellt, ist einer der ungewöhnlichsten weltweit. Wenn man ihn erreichen will, benötigt man als Minimalausstattung ein Boot und eine Schnorchelausrüstung. Rund einen Kilometer vor der mexikanischen Küste, versenkt der Künstler seine Skulpturen im Meer und hat für Taucher eine einzigartige Unterwasser-Galerie eingerichtet. Mechthild Müser über Jason deCaires Taylor und seine "Underwatersculptures".
Jason deCaires Taylor: Underwatersculpture
Wenige Kilometer westlich der geschichtsträchtigen Schweinbucht Kubas, wo im Jahr 1961 eine von den USA unterstützte Invasion von Castro-Gegnern kläglich scheiterte, liegen die "Cayos Blancos del Sur", die "weißen Inseln des Südens". Eine davon trägt seit fast vierzig Jahren den Namen „Cayo Ernest Thaelmann”, nach dem deutschen Kommunistenführer Ernst Thälmann. Ein Kuriosum, das seine Entstehung einem Staatsbesuch von Fidel Castro in der DDR im Jahr 1972 verdankt.
Damals präsentierte Kubas "Maximo Líder" die Umbenennung der Insel als "Gastgeschenk" an DDR-Staatsoberhaupt Erich Honecker. Kurze Zeit später wurde zudem eine Ernst-Thälmann-Büste auf der Thälmann-Insel feierlich enthüllt. Die ist zwar seit 1998, als ein Hurrican über die Insel fegte, kopflos, aber immerhin hat sie als Torso die DDR um mehr als ein Jahrzehnt überlebt. Stefanie Pesch über einen Treppenwitz der deusch-kubanischen Geschichte.
Dirk Steffens auf Tauchgang
Vor drei Millionen Jahren kam es zu einem erdgeschichtlichen Ereignis mit weitreichenden Folgen für den karibischen Raum. Damals tauchte das heutige Panama aus dem Meer auf und bildete fortan eine Landbrücke zwischen Nord- und Südamerika. Damit entstanden auch zwei voneinander getrennte Ozeane, der Atlantik und der Pazifik und damit wiederum begann die Entwicklung zweier voneinander unabhängige Ökosysteme unter Wasser. Dirk Steffens mit einem Schnellkurs durch drei Millionen Jahre karibische Geschichte.
Captain Cook alias Hans Helge Ott präsentiert die schönsten Rezepte aus seiner kulinarischen Seekiste. Diesmal unternimmt er eine Exkursion in tropische Küchengefilde und erzählt alles, was man wissen muss für die Zubereitung eines "Karibischen Hühnertopfes".
Über Mare Radio
In Mare Radio wird das kulturbildende Wesen des Meeres zum Programm, das mit Seelust und Entdeckerfreude die Kategorien von Wissenschaft, Literatur, Politik, Kunst und Musik durchkreuzt, immer auf Seeseite.
Sendezeit:
Jeden 1. Samstag im Monat,
19:05 – 21 Uhr
Wiederholung:
Am darauffolgenden Sonntag,
11:05 – 13 Uhr Mehr...
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