7. Januar 2012, 19:05 Uhr
Mare Radio
Schiffschronometer
Warum ist das Zeitgefühl auf den Meeren eigentlich so anders als an Land? Wie schnell vergeht die Zeit bei Flaute? Wie schnell in Seenot? Und kommt sie einem auf Kreuzfahrten nicht endlos vor? Vorausgesetzt man ist nicht dafür verantwortlich, dass die Reisenden eine unvergessliche Zeit haben.
Mare Radio schippert durch alle Zeitzonen, folgt den Rhythmen der Gezeiten und prüft die Chronometer, die man zum Navigieren brauchte, bevor das GPS sie überflüssig machte: denn die Zeiten ändern sich, auch in der Seefahrt!
Moderation: Stefan Pulß
Musik: Harald Mönkedieck
Redaktion: Mechthild Müser, Stefanie Pesch
Dem Gewinner des Mare-Rätsels winken attraktive Preise: ein Jahresabo des mare-Heftes und Bücher aus dem mare-Verlag.
Der Engländer John Harrison hat durch die Erfindung des Chronometers im 18. Jahrhundert die genaue Bestimmung der Längengrade ermöglicht und damit das Navigationswesen revolutioniert.
Schon 1714 hatte Englands Parlament ein Preisgeld von bis zu 20.000 Pfund für die Lösung dieses Problems ausgelobt. Wohin ging die erste Probefahrt mit Harrisons Schiffsuhr im Jahr 1741?
Das legendäre Schiff von Kapitän Jack Sparrow im Film "Fluch der Karibik" heißt "Black Pearl".
Queen Elizabeth 2
Wie in einem Film auf der Suche nach ihrer Rolle fühlte sich Gudrun Boch während einer Weltreise an Bord der "Queen Elizabeth II". Tatsächlich ist die QE2 das letzte Traumschiff aus der goldenen Ära der Luxusliner. Gebaut wurde das 300 Meter lange und 70.000 BRT schwere Schiff 1965 und war bis zum Stapellauf der "Queen Mary 2" im Jahr 2004 das Flagschiff der britischen Cunard-Reederei. Gudrun Boch hat als Passagierin eine der legendären Weltreisen der QE2 mitgemacht und auf dieser Fahrt zahlreiche Menschen getroffen, die in der splendid isolation eines schwimmenden Luxushotels ein ganz eigenes Gefühl von Zeitlosigkeit entwickelt haben – weit entfernt von der Hektik des Alltagslebens.
Von Hafenromantik und La-Paloma-Stimmung ist im Containerterminal Lübeck-Travemünde nichts zu spüren. Hier taucht man ein in eine emotionsfreie High-Tech-Welt, die aus einem Leitstandbüro per Computer mit einer eigens entwickelten Software gesteuert wird. Oberstes Gebot ist die schnellstmögliche Entladung der eingelaufenen Schiffe, die bereits nach wenigen Stunden Liegezeit den Hafen wieder verlassen sollen.
Hier dreht sich einfach alles um die Zeit, die bares Geld ist. Man arbeitet nach der Taktfrequenz, die aus der Kommandozentrale via Mausklick vorgegeben wird. Im "Hafen ohne Seeleute" bewegen 135 Mitarbeiter auf 669.000 Quadratmetern pro Jahr 18 Millionen Tonnen Ladung – also 365 Tonnen pro Kopf jeden Tag! Holger Janssen hat sich in dieser technischen Wunderwelt umgesehen.
Was eine Seefahrt für den Seemann erst so richtig lustig macht, ist der ausgiebige Landgang, sind die durchzechten Nächte in den Hafenkneipen und der Intensivkontakt zu den leichten Mädchen. So etwa lauten gängige Klischees über das Leben der Matrosen, wenn sie in den Hafenstädten von Bord gelassen werden.
Die Realität von heute sieht freilich völlig anders aus. Freizeit ist zu einem Fremdwort an Bord geworden und bei immer kürzer werdenden Liegezeiten bleibt den Mannschaften allenfalls noch Zeit für Kurzbesuche an Land. In Begleitung von Thomas Reinhold von der Bremerhavener Seemannsmission hat sich Nadja Sundmacher auf die Suche nach der verlorenen Zeit der Fahrensmänner begeben.
Als man im amerikanischen Unabhängigkeitskrieg Ende des 18. Jahrhunderts Bedarf hatte an Schnellseglern, die gegen die britische Kolonialmacht als Blockadebrecher verwendet werden konnten, erfand man den "Klipper". Einen Schiffstyp, der sich in der Handelsschiffahrt des 19. Jahrhunderts wegen seiner hohen Geschwindigkeit größter Beliebtheit erfreute. Bis zum endgültigen Siegeszug der Dampfschiffe waren die "Klipper" unschlagbar in der Schnellbeförderung von Waren und Personen, streng nach der Devise: „Time is Money.“ Gerald Sammet blickt für Mare Radio zurück in die legendäre Ära der "Klipper".
Im Hof des "Royal Observatory", der Königlichen Sternwarte im englischen Greenwich, drängeln sich zu jeder Tageszeit die Besucher. Sie alle haben nur einen Wunsch: einmal auf dem Null-Meridian der Welt zu stehen, der sich hier befindet. Auf jenem Punkt, der den Erdball in zwei Hemisphären teilt.
Mindestens genauso sehenswert ist das Museum der Sternwarte, das eine Ausstellung zur Geschichte der Astronomie- und Navigationswerkzeuge beherbergt. Glanzstücke der Sammlung sind die legendären Chronometer des Uhrmachers John Harrison aus dem 18. Jahrhundert, mit deren Hilfe erstmals genaue Positionsbestimmung in der Seefahrt möglich geworden sind. Mechthild Müser hat für Mare Radio diesem "Tempel der Zeitmessung" einen Besuch abgestattet.
The Royal Observatory in Greenwich
Zu keiner Zeit war man so wissenschaftsgläubig wie im 19. Jahrhundert. Im Zeitalter der industriellen Revolution schienen dem Menschen keinerlei Grenzen gesetzt und sein Wissensdrang war schier unbezähmbar. Seinerzeit schossen skurrile Wissenschaftsdisziplinen wie Pilze aus dem Boden – z.B. die "Flaschenpost"-Forschung, deren deutsche Spielart von dem Hamburger Gelehrten Georg Balthasar von Neumayer begründet worden ist.
Neumayer ließ Flaschen mit Datenzetteln ins Meer werfen und wollte mit dieser ungewöhnlichen Methode Meeresströmungen erforschen. Das Hamburger "Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie" verwahrt noch heute hunderte dieser historischen Flaschenposten, die teilweise erst Jahrzehnte nach ihrer Versendung aufgefunden worden sind. Stefanie Pesch hat sich auf die Spuren von Neumayers eigenwilligen Forschungen über die Zeitreisen der Flaschenpost begeben.
Captain Cook alias Hans Helge Ott präsentiert die schönsten Rezepte aus seiner kulinarischen Seekiste.
Für die heutige Mare-Radio-Ausgabe hat er sich intensive Gedanken gemacht über das Thema "Kochen ohne Stress" und gibt ausgewählte Tipps zum Thema "Slow Food".
Über Mare Radio
In Mare Radio wird das kulturbildende Wesen des Meeres zum Programm, das mit Seelust und Entdeckerfreude die Kategorien von Wissenschaft, Literatur, Politik, Kunst und Musik durchkreuzt, immer auf Seeseite.
Sendezeit:
Jeden 1. Samstag im Monat,
19:05 – 21 Uhr
Wiederholung:
Am darauffolgenden Sonntag,
11:05 – 13 Uhr Mehr...
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Sie ist die Königin unter den Streichinstrumenten: die Geige. Komponisten haben durch die Jahrhunderte immer wieder Stücke für sie geschrieben. Musiker wie Gilles Apap spielen sie mit einer Leichtigkeit und verzaubern ihr Publikum. Wir spannen in unserer Sendung den Bogen vom Barock bis zum Jazzmusiker Keith Jarrett. Mehr...
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