4. Oktober 2009, 11:05 Uhr
Mare Radio
Sandro Boticelli: Geburt der Venus
Seefahrer, Küstenanrainer und Insulaner wissen, dass Götter die Meere bewohnen. Götter, die sich von ihrer guten oder ihrer schlechten Seite zeigen können. Deshalb ist es äußerst wichtig, sie sich gewogen zu machen. Dabei helfen vielfältige Rituale: ein kleiner Schuss Alkohol, über Bord gegossen, besänftigt Rasmus. Die Äquatortaufe schützt vor Neptuns Wüten, Inselvölker veranstalten Prozessionen zu Ehren ihrer Götter und werfen Gaben ins Meer, um in Ruhe leben zu können.
Moderation: Dr. Silke Behl
Musik: Harald Mönkedieck
Redaktion: Dr. Lore Kleinert, Mechthild Müser
Bali ist eine hinduistische Enklave im vorwiegend von Muslimen bewohnten Inselreich Indonesiens. Ein El Dorado für alle, die sich auf die Spuren der Götter begeben wollen. Denn Bali wird auch die "Insel der Götter" genannt. Nirgendwo auf der Welt findet man so viele Tempel wie hier. Die meisten von ihnen liegen an atemberaubend schönen Küstenorten. Zum Beispiel der Tempel Uluwatu (Tempel über dem Felsen), der ganz im Süden Balis in traumhafter Lage über dem Meer thront. Silke Behl hat den Tempelberg von Uluwatu bestiegen und sich im Tempelbezirk davon überzeugt, dass man hier tatsächlich den Göttern Balis ein Stück näher rückt, zum Beispiel dem Dewa Baruna, der Schutzgottheit des Ozeans.
Bei den Göttern Balis, [6:29]
Tempel auf Bali
Missionsraum Ostsee – Die Christianisierung Skandinaviens
Die zentrale Figur der Christianisierung Nordeuropas im Frühmittelalter war der als "Apostel des Nordens" apostrophierte Ansgar (801-865), seinerzeit Erzbischof von Hamburg und Bremen. Im Jahr 829 wurde er von Kaiser Ludwig dem Frommen mit der Missionierung Schwedens beauftragt. Beginn der Ausbreitung des Christentums in den skandinavischen Ländern, die nicht nur kirchliches Machtstreben befördern sollte, sondern auch politischen Zielen diente. Wie eng Religion und Politik im Zeitalter Ansgars miteinander verzahnt waren und in welchem besonderen Spannungsfeld sich die Christianisierung Skandinaviens ereignete, darüber hat sich Silke Behl mit Lutz von Padberg, Professor für mittelalterliche Geschichte an der Universität Paderborn, unterhalten.
Die Missionierung Skandinaviens, [8:39]
Wenn der Schiffer nicht zur Kirche kommt, dann geht die Kirche eben an Bord. So ist es schon gut 300 Jahre Brauch in der christlichen Seefahrt, seit um 1700 die ersten Prediger auf Konvoischiffen ausgesandt wurden, um den Seeleuten die Botschaft der Bibel zu verkündigen. Im Hamburger Hafen existiert bis heute eine "Flußschifferkirche", das einzige Gotteshaus auf Schiffsplanken in Deutschland. Für den mobilen Einsatz dient die Barkasse "Johann Hinrich Wichern", benannt nach dem Gründer der Inneren Mission. Zwei Mal pro Woche sind die Mitarbeiter der Flußschifferkirche auf der Barkasse im Hamburger Hafen unterwegs, um Binnenschiffer aus aller Herren Länder mit seelsorgerischem Service und kleinen Liebesgaben zu beglücken. Jens Schellhass hat für Mare Radio eine Fahrt auf der "Johann Hinrich Wichern" mitgemacht.
Die Flussschifferkirche in Hamburg, [7:07]
Flußschifferkirche in Hamburg
Die Galapagos-Insel Bartholome
Trauriges Tropenparadies – Massentourismus auf den Galápagos
1000 Kilometer westlich von Ecuador liegen mitten im Pazifischen Ozean die Galápgos-Inseln. Ein tropisches Paradies, dem freilich seine Begegnungen mit dem Menschen selten gut bekommen sind. Nach der Entdeckung der Inseln im Jahr 1535 durch Tomàs de Berlanga, dem damaligen Bischof von Panama, wurde die einzigartige Flora und Fauna der Galápagos-Inseln durch menschliche Eingriffe von einer Umweltkatastrophe in die andere gestürzt. Inzwischen ist die Entzauberung der einstigen Trauminseln weiter voran geschritten. Heute geht die größte Bedrohung von Touristenmassen aus, die mit Billigseglern, High-Tech-Katamaranen und Luxusjachten das empfindliche ökologische Gleichgewicht gefährden. Zum Beispiel den Bestand der berühmten Riesenschildkröten, deren Zahl inzwischen um 90 Prozent geschrumpft ist. Ob und wie Galápagos noch zu retten ist, darüber berichtet für Mare Radio Folkert Lenz.
Galapagos Conservancy
Galápoagos – Das letzte Paradies
Mythos Äquatortaufe – Anmerkungen zu einem Seemannsbrauch
Eine Taufe, in der kein Geistlicher die Hauptrolle spielt, sondern der heidnische Gott Neptun, so kennt man den alten Seemannsbrauch der Äquatortaufe. Traditionsgemäß wird sie immer dann fällig, wenn auf einer Seereise ein Besatzungsmitglied zum ersten Mal den Äquator überquert. Inzwischen ist die Äquatortaufe ziemlich aus der Mode gekommen oder sie ist zum bloßen Spektakel verkommen. Der einstige Initiationsritus ist heute faktisch nur noch ein Mythos aus vergangenen Zeiten, als auf den Weltmeeren noch rauhe Sitten herrschten. Anmerkungen zu einem alten Seemannsbrauch von Gerald Sammet.
Die Rätselfrage im Oktober gilt einer Göttin aus der syrischen Mythologie, die im Orient ein Symbol für Lust und Fruchtbarkeit war. Beheimatet ist sie im Mittelmeer-Raum und dargestellt wird sie halb als Mensch, halb als Fisch. Wie heisst diese Göttin?
Auflösung Rätsel September 2009:
Luc Besson
Europäische Reistafel [PDF, 19 Kb]
Info: Mare Radio
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In Mare Radio wird das kulturbildende Wesen des Meeres zum Programm, das mit Seelust und Entdeckerfreude die Kategorien von Wissenschaft, Literatur, Politik, Kunst und Musik durchkreuzt, immer auf Seeseite.
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Jeden 1. Sonntag im Monat,
11.05 - 13 Uhr
Wiederholung:
Am darauffolgenden Montag,
20.05 - 22 Uhr
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