5. September 2010, 11:05 Uhr
Mare Radio
Moderation: Silke Behl
Redaktion: Lore Kleinert, Mechthild Müser
Musik: Harald Mönkedieck
Das blaue Meer und sein strahlend reiner Widerschein in den Träumen und Sehnsüchten der Menschen sind nicht erst seit der Ölkatastrophe im Golf von Mexiko bedroht. Riesige Mengen von Plastikmüll treiben bereits in einem Strömungswirbel von der Größe Mitteleuropas im Pazifik und setzen Gifte frei, die über den Fisch auch in unsere Mägen gelangen; mit billigem Schweröl betriebene Fracht- und Passagierschiffe erweisen sich als wahre Dreckschleudern; das Treibhausgas Kohlendioxyd verändert den Säuregrad des Meeres und damit die Lebensbedingungen für Organismen. Mare Radio folgt den Spuren der maritimen Giftmischer, damit nicht länger im Trüben gefischt wird, und auch die Gegenbewegung soll zu Wort kommen: Naturschützer sammeln Plastikmüll aus den Meeren und verarbeiten ihn zu neuen Produkten; sie kämpfen für Landstromanbindung der qualmenden Schiffe in Häfen und waschen ölverschmierte Vögel. Gegen das, was der Mensch anrichtet, fällt das bisschen Gift von Kugelfischen und Quallen kaum ins Gewicht.
Gewinne
Dem Gewinner des Mare-Rätsels winken attraktive Preise: ein mare-Badelaken, ein mare-Buchpaket und ein Jahresabonnement der Zeitschrift mare.
Wenn Sie am Meer auf einen Seeigel getreten sein sollten, dann werden Sie gewiss schwören: jede Menge Toxin war in den Stacheln. Stimmt aber nicht. Es gibt nur einen einzigen Seeigel, der tatsächlich mit Gift unterwegs ist. Wie heißt er?
Thomas W. Lawson
Die Explosion der Bohrinsel "Deepwater Horizon" im April 2010 im Golf von Mexiko war der Beginn der größten Umweltkatastrophe in der Geschichte der Vereinigten Staaten. Hunderte Millionen Liter Erdöl fluteten ungehindert ins Meer und verpesteten die Strände im Süden der USA. Gebannt blickte die Welt auf den Ort des Geschehens und verfolgte fassungslos die monatelangen vergeblichen Bemühungen um eine Eindämmung des Ölflusses. Seit der Schließung des Bohrloches im August 2010 hat das Interesse allerdings deutlich abgenommen. Nach einer Studie befürworten inzwischen wieder 48 Prozent der Amerikaner weitere Tiefseebohrungen. Und auch viele Küstenbewohner möchten am liebsten den Supergau im Golf von Mexiko vergessen machen, um den Tourismus wieder anzukurbeln. Nicole Markwald hat sich nach dem Stand der Dinge umgesehen.
Der ölverseuchte Strand von Alabama in den USA
Während spektakulären Bilder von der Ölpest im Golf von Mexiko die Weltöffentlichkeit monatelang in Atem hielt, ereignen sich tagtäglich Umweltkatastrophen, von denen die Medien keinerlei Notiz nehmen. Allenfalls im hermetischen Bereich der Wissenschaft werden sie zur Kenntnis genommen. Im kanadischen Halifax zum Beispiel arbeiten wahre "Archivare des Schreckens" und stellen Giftlisten zur Umweltbelastung der Meere zusammen. Erste Überschlagsrechnungen lassen nichts Gutes Zukunft hoffen: bis 2048 wird alles Leben aus dem Meer verschwunden sein, wenn die Menschheit so weitermacht wie bisher. Nikolaus Gelpke, studierter Meeresbiologe und "Mare"-Herausgeber, über die düsteren Prognosen für die Zukunft der Weltmeere.
Der Hamburger Hafen ist der Arbeitsplatz der Kommissare Ulf Petereit und Christian Helms von der Wasserschutzpolizei. Sie sind zuständig für die so genannten "Marpol"-Kontrollen in Hamburg. "Marpol" steht für "marine pollution" und ist die Abkürzung für das "Internationale Übereinkommen zur Verhütung der Meeresverschmutzung durch Schiffe", das 1983 in Kraft getreten ist. Nach den Bestimmungen dieses Abkommens überprüfen die Kommissare regelmäßig Schiffe nach dem Besitz von unerlaubtem Müll und illegalen Schadstoffen. Silke Behl hat die Umweltpolizisten auf einem ihrer Kontrollgänge begleitet.
Öl und Industrieabfälle sorgen nicht nur in wachsendem Masse für die Kontamination der Weltmeere, sie bilden auch eine beständige Gefahr für Seevögel auf den viel befahrenen Schifffahrtsrouten. In der Nordsee kommen jedes Jahr hunderte von Trottellummen, Basstölpeln, Möwen und Enten in wandernden Öllachen qualvoll ums Leben. Ein Teil von ihnen kann sich mit stark verschmutztem Gefieder an Land retten und findet unter Umständen Aufnahme in einer Rettungsstation. Eine besondere Form davon existiert in Europa und den USA. Es handelt sich um Auffangstationen, die über so genannte "Vogelwaschmaschinen" verfügen. Die Erfolgsquote ist freilich eher niedrig. Allenfalls 30 Prozent der ölverseuchten Tiere können nach der Behandlung auf hoher See überleben. Remko Kragt hat sich die Arbeit einer "Vogelwaschmaschine" auf der niederländischen Wattinsel Texel angesehen.
Texel: Insel der Vögel – SWR-Fernsehdokumentation
Er ist gleichermaßen zu Hause auf den Weltmeeren wie in den unendlichen Weiten des World Wide Web: David de Rothschild - Abenteurer, Weltbeweger und Umweltretter in einer Person. Von April bis Juli 2010 überquerte er auf einem Floß aus 12.000 Plastikflaschen den Pazifischen Ozean. Mit dieser spektakulären Fahrt wollte der Sproß einer promienten Bankiersfamilie gegen die Überschwemmung der Meere mit Plastikmüll demonstrieren. Eine Fahrt, an der buchstäblich alle teilnehmen konnten, denn David de Rothschild bereiste nicht nur den realen Pazifik, sondern auch das virtuelle Internet. Jens Schellhass ist für Mare radio digital auf große Fahrt gegangen, um zu überprüfen, ob der Umweltschutz solche Gallionsfiguren wirklich braucht.
Plastiki gegen Plastikmüll, [5:17]
Projekt Plastiki
Captain Cook alias Hans Helge Ott präsentiert die schönsten Gerichte aus seiner kulinarischen Seekiste. Diesmal hat er sich heftige Gedanken zu einem echten "Gift-Menü" gemacht.
Info: Mare Radio
![Segelschiffe [Quelle: Radio Bremen] Segelschiffe [Quelle: Radio Bremen]](/nordwestradio/sendungen/mare_radio/segelschiffe100_v-mediateaser.jpg)
In Mare Radio wird das kulturbildende Wesen des Meeres zum Programm, das mit Seelust und Entdeckerfreude die Kategorien von Wissenschaft, Literatur, Politik, Kunst und Musik durchkreuzt, immer auf Seeseite.
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Mein Vater und das liebe Vieh
Rund 50 Milliarden Euro gibt die EU jährlich für die Landwirtschaft aus, doch das Sterben der Höfe geht weiter. Feature-Autorin Julia Schäfer erzählt die Geschichte ihres Vaters, der mit 76 Jahren trotz aller Widrigkeiten asl Milchbauer arbeitet. Mehr...
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