7. März 2010, 11:05 Uhr
Mare Radio
Strand an der Ostsee
Die Ostsee, auch baltische See, im Vergleich zu den Ozeanen nur eine flache Pfütze und doch das größte Brackwassermeer der Welt, ist gleichermaßen beliebt bei Zugvögeln und Touristen, auch wenn der Strandkorb zum Sonnenuntergang gen Südwest gedreht werden muss. An ihren Ufern wuchsen jahrhundertealte Handelsstädte, und in ihren Fluten findet sich nicht nur das Gold der See, der Bernstein, sondern auch die sagenumwobene, versunkene Stadt Vineta, dazu Schiffswracks, Munition vieler Kriege und demnächst wohl eine viel umstrittene Pipeline. Die Ostsee inspirierte Dichter zu Geschichten von Meerjungfrauen, hässlichen Entlein und stolzen Schwänen, hier war der Likedeeler Störtebecker unterwegs und Künstler suchten die Ruhe der Abgeschiedenheit. Die See war aber auch Schauplatz großer menschlicher Tragödien wie der Untergang der Wilhelm Gustloff und die Versenkung der Cap Arcona. Mare Radio nimmt Sie mit auf die Reise zu bekannten und unbekannten Ufern, zu Küsten und Inseln, ihren Bewohnern und ihren Besuchern und malt ein akustisches Panorama rund um ein Meer, das erst am Ausgang der letzten Eiszeit geboren wurde.
Produktion: Radio Bremen 2010
Moderation: Stefan Pulß
Redaktion: Dr. Lore Kleinert
Musik: Harald Mönkedieck
Die "baltische Pfütze" hat Günter Grass respektlos die Ostsee genannt. Dabei ist sie eine echte Besonderheit unter den Weltmeeren. Sie ist eines der größten Brackwasser-Meere der Erde und mit einem Alter von nur 10.000 Jahren noch ausgesprochen jung. Ihr Salzgehalt liegt deutlich unter dem marinen Durchschnitt. Dafür ist allerdings auch der Schadstoffgehalt deutlich höher als in den meisten anderen Ozeanen. Einer der besten Kenner des Ökosystems Ostsee ist Professor Bodo von Bodungen, Direktor des 1992 gegründeten "Leibniz-Instituts für Ostseeforschung" in Warnemünde. Eine wissenschaftliche Einrichtung, die sich der interdisziplinären Meeresforschung in Küsten- und Randmeeren widmet. Warum das "baltischen Meer" so anders ist als die übrige maritime Welt, darüber gibt er Auskunft im Gespräch mit Stefan Pulß.
Gespräch mit Bodo von Bodungen, [7:35]
Bernstein
In früheren Jahrhunderten war Bernstein das wertvollste Handelsgut der Ostsee-Anrainer. Bis auf den heutigen Tag hält die Suche nach dem legendären Bernsteinzimmer, das einst der Preußenkönig Friedrich Wilhelm I. dem russischen Zaren Peter dem Großen schenkte, die Jäger verlorener Schätze aus aller Welt in Atem. Seit der Bronzezeit wird im Ostseeraum Handel getrieben mit jenem zähflüssigen Baumharz, das in einem langwierigen Prozess über Jahrmillionen hart geworden ist. Über Jahrtausende hinweg ist die Faszination des Bernsteins als Schmuck- oder Kunstgegenstand ungebrochen. Welch wichtige Rolle der Bernstein in bestimmten Ostsee-Orten noch immer spielt, das hat Birgit Johannsmeier beispielhaft im litauischen Palanga herausgefunden.
Der Bernstein von Palanga, [4:42]
"Nach Rügen reisen heißt nach Saßnitz reisen" schrieb Theodor Fontane, ein Bewunderer der zweitgrößten Stadt auf der größten deutschen Insel. Für einen anderen Reisenden dürften die landschaftlichen und städtebaulichen Reize keine Rolle gespielt haben. Im Jahr 1917 kam Wladimir Iljitsch Lenin nach Saßnitz. Damals war er gerade aus der Schweiz kommend auf dem Weg nach Russland, um dort die Revolution auf Vordermann zu bringen. Jürgen Werth hat sich für Mare-Radio in Rügen auf Spurensuche begeben, um herauszufinden, was heute noch den revolutionären "Umsteiger" des denkwürdigen Jahres 1917 erinnert.
Revolutionärer Umsteiger - Lenin auf Rügen, [4:17]
"Eine wunderbare Lektüre, die Lust macht, das nächste Schiff zu entern und unsere Nachbarn entlang der Ostseeküste zu besuchen." So begeistert war der Rezensent des "Wochenspiegel" nach der Lektüre des Buches "Ostsee – Das Meer in unserer Mitte". Ein Buch voll spannender Geschichten über Vergangenheit und Gegenwart eines maritimen Kulturraums von Christoph Neidhart, das im Mare-Buchverlag erschienen ist. In der europäischen Geschichte des letzten Jahrtausends hat die Ostsee immer wieder eine gewichtige Rolle gespielt als verbindendes Element von Handel und Kultur seit den Tagen der Hanse bis in unsere Gegenwart hinein. Für Neidhart hat die Ostsee der Hansezeit geradezu Modell-Charakter für das heutige Europa: als funktionierende Wirtschaftsgemeinschaft eigenständiger und gleichberechtigter Mitglieder, die geprägt ist von einer Balance aus Kleinteiligkeit und Internationalität.
Gespräch mit Christoph Neidhart, [8:09]
Dirk Steffens ist Journalist, Taucher und Tierfilmer. Er moderiert seit 2009 im ZDF die Dokumentar-Reihe "Faszination Erde" und schreibt für Mare-Radio über das Meer und seine Bewohner. Heute beschreibt er ein Phänomen, das jemand mit sehr guten Ohren vielleicht auch an einem Ostseestrand hören könnte.
Pupsende Heringe, [2:28]
Dirk Steffens - Die Homepage
Für viele ist die Darstellung des Meeres in der Kunst gleichbedeutend mit dem Sujet "Mittelmeer". Generationen von Malern haben es in allen erdenklichen Formen und Farben auf die Leinwand gebannt. Zu den großen Gegnern einer schwelgerischen Mittelmeer-Romantik zählten Caspar David Friedrich, Max Liebermann, die Maler der Künstlergemeinschaft "Brücke" oder Lyonel Feininger, die die Küsten des Nordens bevorzugten. Rainer Berthold Schossig unternimmt einen kleinen Rundgang durch eine imaginäre Galerie faszinierender Ostsee-Bilder.
Im März-Rätsel 2010 von Mare-Radio geht es um einen hoch dekorierten deutschen Schriftsteller, der in der Nähe der Ostsee aufgewachsen ist und sich in Nidden auf der Kurischen Nehrung ein Sommerhaus gebaut hat. Über die Ostsee hat er geschrieben: "Die Wellen haben selbst ganz nahe am Strand noch eine Kraft, dass man glaubt, Löwenpranken schlügen auf die Schultern. Im Sog ist schon mancher zu Schaden gekommen. Schwimmt man zu weit hinaus, so gerät man in diesen Sog, der einen immer wieder zurückzieht und gegen den alle Anstrengungen vergeblich sind. Mancher, der in diesen Sog geriet, wurde nachher mit geplatzten Lungen aufgefunden. Man beklagt ihn dann. Aber im Grunde hatte er es sich selbst zuzuschreiben, weil er eben nicht genügend Respekt vor dem Meere hatte." Wer hat diesen Text geschrieben?
Das Lösungswort war "Walrosse".
Captain Cook alias Hans Helge Ott präsentiert die schönsten Rezepte aus seiner kulinarischen Seekiste. Im März 2010 hat er für Sie "Fischertopf mit Dorsch" ausgesucht.
Über Mare Radio
In Mare Radio wird das kulturbildende Wesen des Meeres zum Programm, das mit Seelust und Entdeckerfreude die Kategorien von Wissenschaft, Literatur, Politik, Kunst und Musik durchkreuzt, immer auf Seeseite.
Sendezeit:
Jeden 1. Samstag im Monat,
19:05 – 21 Uhr
Wiederholung:
Am darauffolgenden Sonntag,
11:05 – 13 Uhr Mehr...
Rückblick
Pro musica antiqua 1985: Festliches Barock-Konzert
Für die "Pro musica antiqua" 1985 hatte Radio Bremen den Flötisten Hans-Martin Linde und sein in Basel ansässiges Linde-Consort zu einem Konzert mit festlicher Barockmusik in die Ansgariikirche in Bremen eingeladen. Mehr...
26. Mai, 17:05 Uhr | Nordwestradio
Fontane: Unterm Birnbaum
Der Roman "Unterm Birnbaum" erschien 1885. Das scheinbar abseitigste Werk des alten Fontane wurde kaum beachtet. In zwanzig Kapiteln erzählt Fontane eine Mordgeschichte aus dem Oderbruch, die an ein dörfliches Macbeth-Drama erinnert. Mehr...
Poetry on the Road 2012
Vom 30. Mai bis 4. Juni 2012 ist Bremen mit dem Internationalen Literaturfestival "Poetry on the Road“ kultureller Treffpunkt für 24 Dichter aus 15 Nationen. Etablierte Autoren der Weltliteratur Seite an Seite mit hoch interessanten Neuentdeckungen bringen auf Einladung von Radio Bremen und der Hochschule Bremen die Weltsprache Poesie an die Weser. Mehr...
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