5. Februar 2011, 19:05 Uhr
Mare Radio
Die Welt steht vor einem neuen Goldrausch. Seit es möglich ist, in die tiefsten Tiefen der Ozeane vorzudringen, arbeiten Wissenschaftler und internationale Konzerne an Strategien und Techniken, wie die Schätze der Tiefsee zu bergen sind. Tausende Meter unter der Wasseroberfläche und buchstäblich unseren Augen entzogen, hat der Wettlauf um die Rohstoffquellen der Zukunft längst begonnen.
Noch fehlt eine rechtliche Klärung der Besitzansprüche: wem gehört der Meeresboden in den Weiten der Ozeane? Staaten versuchen heute, ihre Claims abzustecken und möglichst weiträumige Flächen unter ihre Regie zu bringen. Bislang waren die mysteriösen, kalten Abgründe der Tiefsee der letzte Lebensraum, der von Menschen unberührt blieb. Das wird sich ändern. Mare Radio geht der Frage nach, wer die Gewinner und Verlierer sind, wo die Umwelt auf der Strecke bleibt und welche Risiken die waghalsigen Unternehmungen bergen.
Moderation: Silke Behl
Musik: Harald Mönkedieck
Redaktion: Silke Behl, Mechthild Müser
Produktion: Radio Bremen 2011
Dem Gewinner des Mare-Rätsels winken attraktive Preise: ein mare-Badelaken und ein mare-Buchpaket.
Viel ist in der heutigen Mare-Sendung die Rede von Edelmetallen, seltenen Erden und so genannten "Schwarzen Rauchern". Weil den Menschen auch unter dem Meer noch vieles schwarz-weiß erscheint, haben die Wissenschaftler einem anderen Tiefsee-Phänomen den Namen "Weiße Raucher" verpasst. Was verbirgt sich hinter dieser Bezeichnung?
Glaukos
In Zeiten knapper werdender Ressourcen tobt der globale Kampf um die Schätze der Meere so heftig wie nie zuvor. Und nicht von ungefähr erinnert der Wettlauf von Konzernen und Regierungen um die Rohstoffe unter Wasser an die Aufteilung der Welt zur Zeit des Frühkolonialismus im 15. und 16. Jahrhundert. Auch Deutschland besitzt inzwischen ein 17. "Bundesland" in 5000 Meter Tiefe – ein auf 15 Jahre gepachtetes Areal im Pazifik, größer als Bayern, mit reichen Vorkommen an metallhaltigen Manganknollen.
Eine der besten Darstellungen des Themas bietet das Buch "Der Kampf um die Tiefsee. Wettlauf um die Rohstoffe der Erde" von Sarah Zierul. Ein rasanter "Wissenschaftskrimi" über die Jagd nach Öl, Gold, Kupfer & Co. in den Weltmeeren. Silke Behl hat mit der Autorin gesprochen.
Sarah Zierul: Der Kampf um die Tiefsee. Wettlauf um die Rohstoffe der Erde; Hoffmann & Campe; 352 Seiten; 22,00 €
Kampf um die Tiefsee - Gespräch Sarah Zierul, [7:47]
Im Jahre 1952 konstruierten Auguste und Jacques Piccard die "Trieste". Ein U-Boot, mit dem die beiden Meeresforscher am 23. Januar 1960 den damaligen Weltrekord im Tauchen aufstellten, als sie im westpazifischen Marianengraben eine Tiefe von 10.916 Metern erreichten.
Was damals als Jahrhundert-Sensation galt, ist heute zum Alltag in Forschung und Wissenschaft geworden. Jens Schellhass hat die Geowissenschaftlerin Andrea Koschinsky an der Bremer Jacobs-University besucht, die ganz spezifische Methoden entwickelt hat, um den Tiefseemuscheln ihre Geheimnissen zu entlocken. Im Gespräch erklärt sie, inwiefern diese eher unscheinbaren Tiere entscheidende Indikatoren für wertvolle Edelmetalle tief auf dem Boden der Ozeane sind.
Muscheln und Meeresschätze, [6:34]
Seit 1996 ist Hamburg Sitz des Internationalen Seegerichtshofes (International Tribunal for the Law of the Sea) der Vereinten Nationen. Er schlichtet Streitfälle der 161 Mitgliedsstaaten über die Auslegung und Anwendung des Seerechtsübereinkommens aus dem Jahr 1982.
Auf das Gericht könnte in den nächsten Jahren eine regelrechte Antragsflut zurollen. Denn, je deutlicher die Bedeutung der riesigen Rohstoffvorkommen in den Weltmeeren wird, umso mehr wachsen die Begehrlichkeiten von Staaten und Unternehmen nach den unerschlossenen Ressourcen, die immense Profite und ökonomische Zukunftsperspektiven verheißen. Silke Behl hat in Hamburg den Völkerrechtler Rüdiger Wolfrum, einen der 21 Richter am Internationalen Seegerichtshof, getroffen und sich mit ihm über die Rolle des Gerichtshofs in der aktuellen Auseinandersetzung über die Aufteilung der Weltmeere unterhalten.
Der Internationale Seegerichtshof in Hamburg, [8:30]
Der große literarische Klassiker über die Erforschung der Tiefsee ist Jules Vernes Science-Fiction-Roman "20.000 Meilen unter dem Meer". Seitdem das Buch 1869/70 unter dem Originaltitel "Vingt mille lieues sous les mers" in zwei Bänden erstmals in Frankreich erschienen ist, hat die Geschichte vom elektrisch angetriebenen U-Boot "Nautilus" und seinem geheimnisumwitterten Kapitän Nemo die Phantasie von Generationen von Lesern beflügelt.
Seit 1907 ist der Roman mehrfach verfilmt worden. Die bekannteste Version stammt aus dem Jahr 1954. Unter der Regie des Hollywood-Regisseurs Richard Fleischer spielen James Mason, Kirk Douglas und Peter Lorre die Hauptrollen. Auch in Hörspielbearbeitungen hat "20.000 Mailen unter dem Meer" für Furore gesorgt. Die spektakulärste Fassung schuf Helmut Peschina 2003 in einer Souround-Produktion des Mitteldeutschen Rundfunks und Radio Bremens mit Ernst Jacobi, Gottfried John und Hermann Lause.
20000 Meilen unter den Meeren - Hörspielausschnitt, [4:25]
Jules Verne: 20.000 Meilen unter dem Meer
Die Seegurke zählt zu den ungewöhnlichsten Meeresbewohnern. Sie sieht aus wie eine Pflanze, ist aber ein Tier. Ungefähr 1.200 verschiedene Arten sind bekannt und ihr Verbreitungsgebiet ist wahrhaft gigantisch. 90 Prozent der bodennahen Biomasse in der Tiefsee besteht aus Seegurken. Von den phänomenalen Eigenschaften der Seegurke und warum sie sogar als Rohstofflieferant für die Medizin von Bedeutung ist, davon erzählt Dirk Steffens in der heutigen Mare-Kolumne.
Mare-Kolumne: Seegurken als Rohstoff, [2:59]
Dirk Steffens - Die Homepage
Expeditionen in die Tiefsee sind mit immensen Kosten verbunden und übersteigen bei weitem die finanziellen Möglichkeiten unabhängiger Forschungsinstitute. Die sind ständig auf der Suche nach neuen Geldquellen und Kooperationen mit einschlägigen Industrieunternehmen. Was aber unweigerlich die Frage virulent werden lässt, wo die Grenzen der Verbindung von Wissenschaft und Wirtschaft liegen und ab wann sich Forschung in unzulässige Abhängigkeit von kommerziellen Interessen begibt. Dagmar Röhrlich hat sich in deutschen Forschungsinstituten umgehört, wie es um das Verhältnis von Industrie und Kommerz derzeit bestellt ist.
Meeresforschung und Kommerz, [6:46]
Zur Zeit überschlagen sich die Meldungen über die aktuellen Vorgänge in Ägypten. Ein ganzes Volk revoltiert gegen Präsident Hosni Mubarak, der seit dreißig Jahren mit diktatorischer Härte regiert. In den Urlaubsgebieten am Roten Meer ist es zwar bisher ruhig geblieben, aber auch hier dürfte sich in nächster Zeit vieles ändern. Noch vor dem Ausbruch der Unruhen in Ägypten hat Jürgen Stryjak das Surfer-Paradies El Gouna am Roten Meer besucht. Bemerkenswert an dem Badeort sind nicht nur seine Traumstrände, sondern auch seine Meerwasser-Entsalzungsanlage, die ein Pilotprojekt für eine Zukunftstechnologie für wasserarme Gebiete werden könnte. Bislang bezieht Ägypten zu 95 Prozent seines Nutzwassers aus dem Nil. Dessen Kapazität ist allerdings begrenzt für den stetig anwachsenden Wasserbedarf. Dem wüstenreichen Land droht eine drastische Wasserkrise. Inwieweit eine neue Entsalzungstechnologie für Abhilfe sorgen kann, hat Jürgen Stryjak am Roten Meer erkundet.
Meerwasserentsalzung in Ägypten, [6:02]
Captain Cook alias Hans Helge Ott präsentiert die schönsten Gerichte aus seiner kulinarischen Seekiste. Beim Thema Rohstoffe ist ihm die Auswahl sichtlich leicht gefallen: Es kann natürlich nur "Rohkost" auf dem Rezeptblock stehen.
Über Mare Radio
In Mare Radio wird das kulturbildende Wesen des Meeres zum Programm, das mit Seelust und Entdeckerfreude die Kategorien von Wissenschaft, Literatur, Politik, Kunst und Musik durchkreuzt, immer auf Seeseite.
Sendezeit:
Jeden 1. Samstag im Monat,
19:05 – 21 Uhr
Wiederholung:
Am darauffolgenden Sonntag,
11:05 – 13 Uhr Mehr...
Rückblick
Pro musica antiqua 1985: Festliches Barock-Konzert
Für die "Pro musica antiqua" 1985 hatte Radio Bremen den Flötisten Hans-Martin Linde und sein in Basel ansässiges Linde-Consort zu einem Konzert mit festlicher Barockmusik in die Ansgariikirche in Bremen eingeladen. Mehr...
26. Mai, 17:05 Uhr | Nordwestradio
Fontane: Unterm Birnbaum
Der Roman "Unterm Birnbaum" erschien 1885. Das scheinbar abseitigste Werk des alten Fontane wurde kaum beachtet. In zwanzig Kapiteln erzählt Fontane eine Mordgeschichte aus dem Oderbruch, die an ein dörfliches Macbeth-Drama erinnert. Mehr...
Poetry on the Road 2012
Vom 30. Mai bis 4. Juni 2012 ist Bremen mit dem Internationalen Literaturfestival "Poetry on the Road“ kultureller Treffpunkt für 24 Dichter aus 15 Nationen. Etablierte Autoren der Weltliteratur Seite an Seite mit hoch interessanten Neuentdeckungen bringen auf Einladung von Radio Bremen und der Hochschule Bremen die Weltsprache Poesie an die Weser. Mehr...
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