6. Dezember 2010, 20:05 Uhr
Mare Radio
Mit James Cooks Südseereise fing alles an: "Ein Morgen war’s, schöner hat ihn schwerlich je ein Dichter beschrieben, an welchem wir die Insel Tahiti zwei Meilen vor uns sahen." Cooks Begeisterung schlug Wellen. Händler, Abenteurer, Maler und Schriftsteller waren unwiderstehlich angezogen von diesem Meer in türkis, diesen Inseln wie Paradiesgärten, bewohnt von edlen Wilden, die frei waren in der Liebe. Von Menschen, die die Last der Arbeit nicht zu kennen schienen, weil ihnen die Früchte in den Mund wuchsen und die Fische scheinbar von allein ins Netz sprangen. Ein Füllhorn. Die Südsee als perfekte Folie für Sehnsüchte, die einen Melville anlockte, einen Stevenson, einen Gauguin.
Doch die Begegnungen mit Europäern, Kolonialisierung und Missionierung hinterließen ihre Spuren bei den Insulanern, ebenso wie Tourismus und globaler Warenhandel heute. Längst hat das Traumbild Risse bekommen, aber Schönheit macht die Augen blind. Das Meer schimmert immer noch Türkis und die untergehende Sonne entzündet Flammen über dem Wasser, wenn Jahr für Jahr mehr Surfer die Wellen reiten und Taucher ihr Herz an die Farbenpracht der gefährdeten Korallenriffe verlieren.
Mare Radio: Südsee - Playlist [PDF, 8 Kb]
Moderation: Stefan Pulß
Redaktion: Lore Kleinert, Mechthild Müser
Musik: Harald Mönkedieck
Stets aufs Neue beflügelt das Zauberwort "Südsee" die Phantasie der Europäer. Seitdem Seefahrer wie James Cook die faszinierende Inselwelt im Südpazifik entdeckt haben, existiert der Mythos vom Tropenparadies am anderen Ende der Welt. Im Zeitalter der Tourismusindustrie ist die Südsee mehr denn je zur Metapher für ein unbeschwertes Leben vor märchenhaften Naturkulissen geworden. Dass die Lebenswirklichkeit der Inselbewohner allerdings wenig mit diesem werbeträchtigen Hochglanzbild gemein hat, dürfte inzwischen kein Geheimnis mehr sein. Einer, der sich bestens auskennt in der vermeintlichen Traumwelt südlich des Äquators, ist der Globetrotter, Tierfilmer und Mare-Kolumnist Dirk Steffens. Mit ihm hat sich Stefan Pulß über die Südsee zwischen Mythos und Realität unterhalten.
Der Mythos vom Südseeparadies, [7:33]
Gewinne
Dem Gewinner des Mare-Rätsels winken attraktive Preise: ein mare-Badelaken und ein mare-Buchpaket.
Rätselfrage Dezember 2010
Woher kommt der Name von Pippi Langstrumpfs Taka-Tuka-Land?
Lösung Rätsel November 2010
Walhaie ernähren sich von Plankton.
"Die glücklichen Bewohner eines unbeachteten Paradieses in Ozeanien kennen vom Leben nichts anderes als seine Süße. Für sie heißt Leben Singen und Lieben." So emphatisch entwarf Paul Gauguin (1848-1903) Ende des 19. Jahrhunderts das Ideal-Bild vom dolce vita im fernen pazifischen Ozean. Immer wieder hat der Maler, der seine letzten Lebensjahre in Polynesien verbracht hat, in seinen späten Gemälden den Zauber der Südsee und ihrer Menschen auf die Leinwand gebannt. Dabei waren es eher "traurige Tropen", die Gauguin in der Südsee kennenlernte. Landschaften und Menschen, die vom Zusammenstoß mit der westlichen Zivilisation schwer gezeichnet waren. Rainer B. Schossig über Paul Gauguin und die Erschaffung eines Künstler-Mythos.
Paul Gauguin und die Südseemythen, [5:38]
Paul Gauguin
Unübersehbar vielfältig ist die Inselwelt der Südsee. Was für ihre Bewohner und ihre Landschaften gilt, ist auch charakteristisch für die Sprachen im pazifischen Raum. Es gibt über fünfhundert von ihnen und für alle ist das Meer das prägende Orientierungselement. Warum das so ist und wie sich die Südsee-Bewohner in der verwirrenden Sprachenvielfalt zurecht finden, darüber gibt der Bremer Linguist Thomas Stolz Auskunft im Gespräch mit Stefan Pulß.
Die Sprachen der Südsee, [7:47]
Als europäische Seefahrer im 18. Jahrhundert die Südseeinsel Tahiti entdeckten, glaubten sie das irdische Paradies der Lüste und Glückseligkeiten gefunden zu haben. Das naiv-freizügige Leben der Eingeborenen galt ihnen als Gegenbild zur lustfeindlichen Standes-Gesellschaft der Alten Welt. Ozeanien wurde zum Sehnsuchtsort der Zivilisationsmüden, zum realen Utopia eines neuen Menschheitsideals. Schon damals war die Vorstellung vom "Paradies auf Erden" mehr Wunsch als Realität, am Beginn des 21. Jahrhunderts hat sich jedoch der Traum von einst in einen Alptraum verwandelt. Gerald Sammet über das Ende einer lieb gewordenen Illusion.
Die traurigen Tropen von Tahiti, [6:31]
Seine letzten fünf Lebensjahre hat Robert Louis Stevenson (1850-1894), Autor berühmter Romane wie "Die Schatzinsel" und "Doktor Jekyll und Mister Hyde", auf der Südseeinsel Samoa verbracht. Gekommen war er, um sein Lungenleiden zu lindern. Für den geborenen Geschichtenerzähler, den "Tusitala", wie ihn die Eingeborenen nannten, wurde freiliich seine Trauminsel zum Erfahrungsraum realer Kolonialgeschichte am Ende des 19. Jahrhunderts. Sabine Stahl mit einem Feature über die letzte Lebensphase eines großen Schriftstellers und seine Desillusionierung im Tropenparadies.
Tonga – Der Weg zur Demokratie
Der wohl ungewöhnlichste Staat der Südsee ist der polynesische Archipel Tonga. Eine Gruppe von mehr als 170 Inseln, die seit 1875 von einem konstitutionellen Monarchen regiert werden. Eine internationale Berühmtheit war der vorletzte König Tupou IV. (1918-2006), der jahrelang als "dickster König der Welt" durch die yellow press geisterte. Seit den ersten demokratischen Wahlen vom 25. November 2010 dürften allerdings die Tage der alten Herrlichkeit gezählt sein. Denn Wahlsieger war die "Demokratische Partei der freundlichen Inseln", die Tonga in eine Demokratie umzuwandeln gedenkt und die Machtbefugnisse des amtierenden Königs Tupou V. stark einschränken will. Bernd Musch-Borowska , ARD-Korrespondent in Singapur, berichtet über die aktuelle Entwicklung.
Über Mare Radio
In Mare Radio wird das kulturbildende Wesen des Meeres zum Programm, das mit Seelust und Entdeckerfreude die Kategorien von Wissenschaft, Literatur, Politik, Kunst und Musik durchkreuzt, immer auf Seeseite.
Sendezeit:
Jeden 1. Samstag im Monat,
19:05 – 21 Uhr
Wiederholung:
Am darauffolgenden Sonntag,
11:05 – 13 Uhr Mehr...
Rückblick
Pro musica antiqua 1985: Festliches Barock-Konzert
Für die "Pro musica antiqua" 1985 hatte Radio Bremen den Flötisten Hans-Martin Linde und sein in Basel ansässiges Linde-Consort zu einem Konzert mit festlicher Barockmusik in die Ansgariikirche in Bremen eingeladen. Mehr...
26. Mai, 17:05 Uhr | Nordwestradio
Fontane: Unterm Birnbaum
Der Roman "Unterm Birnbaum" erschien 1885. Das scheinbar abseitigste Werk des alten Fontane wurde kaum beachtet. In zwanzig Kapiteln erzählt Fontane eine Mordgeschichte aus dem Oderbruch, die an ein dörfliches Macbeth-Drama erinnert. Mehr...
Poetry on the Road 2012
Vom 30. Mai bis 4. Juni 2012 ist Bremen mit dem Internationalen Literaturfestival "Poetry on the Road“ kultureller Treffpunkt für 24 Dichter aus 15 Nationen. Etablierte Autoren der Weltliteratur Seite an Seite mit hoch interessanten Neuentdeckungen bringen auf Einladung von Radio Bremen und der Hochschule Bremen die Weltsprache Poesie an die Weser. Mehr...
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