7. Juni 2009, 11:05 Uhr
Mare Radio
Produktion Radio Bremen 2009
Moderation: Silke Behl
Musik: Harald Mönkedieck
Redaktion: Lore Kleinert
Playliste [PDF, 7 Kb]
Die Musik der Sendung
"Nur über dieses Meer hinweg findet Austausch statt… Setzen Sie einen Kontinent an seine Stelle, und in Arabien hätte sich nichts Griechisches zugetragen, in Spanien nichts Arabisches, nichts Orientalisches wäre in die Provence gelangt und nichts Römisches nach Tunis. Aber seit Tausenden von Jahren wurden über diese Wasser Mord und Liebe ausgetauscht."
Seit frühesten Zeiten gehört die mediterrane Welt zu den zentralen Kulturregionen, geprägt von interkulturellem Austausch und von großen internationalen Traditionen. Hier wurde die klassische Philosophie entwickelt, die frühen Ideen von Demokratie und Republik geboren. Weltberühmte Bibliotheken und Universitäten entstanden und Architektur und Künste brachten Weltwunder hervor. Auch Abenteuerlust und politischer Eroberungsdrang ließen diesen Raum aufblühen und in der Zeit des römischen Reichs zum zusammenhängenden Kulturraum werden. Die glanzvollen Zeiten wurden vom Abstieg abgelöst, als sich das Zentrum der Welt mit der Entdeckung Amerikas zum Ozean verlagerte. Ein Gespräch mit dem Mittelmeerkenner und Professor Dieter Richter, Literaturwissenschaftler (Uni Bremen).
Kulturregion Mittelmeer, [8:47]
Venedig nachbauen, eine italienische Piazza, mediterranes Flair – Versuche dieser Art gab es viele. Misslungene wie in Las Vegas oder spektakuläre wie im Pariser Hotel "Ritz", wo ein Champagnermillionär Anfang des 20. Jahrhunderts einen ganzen Seitenflügel fluten ließ, venezianische Pappkulissen und Gondeln bestellte und den Startenor Caruso einlud – alles für eine Party unter Freunden. In Bremerhaven lockt jetzt das Mediterraneo mit dem Versprechen, Mittelmeersehnsüchte zu stillen – mit zweifelhaftem Erfolg. Burkhard Scherer hat das Mediterraneo in Bremerhaven besucht.
Monem, dessen Geschichte in der Sendung erzählt wird
Touristen wollten Monem im Auto nach Europa schmuggeln. Aber in Tanger kehrte er um und fuhr zurück nach Essaouira. Für Menschen wie ihn erzählt Tahar Ben Jelloun in seinem Roman "Verlassen" von den Migrationstragödien unserer Tage. Von der Sehnsucht, von den gefährlichen Reisen übers Mittelmeer und vom Scheitern in der Fremde.
Infos zum Buch:
Tahar Ben Jelloun, "Verlassen", Berlin Verlag 2006, 256 Seiten, 19,90 EUR
Migrationstragödien unserer Tage, [6:29]
Ein Besuch beim marokkanisch-französischen Dichter Tahar Ben Jelloun in Paris.
Der Ingenieur Herman Sörgel hatte vor dem Ersten Weltkrieg eine Vision. Er studierte in München Architektur und muss von seinem Vater ein Händchen für Wasserkraftwerke und Talsperren geerbt haben. Nun wollte er zwar nicht das Mittelmeer mit dem Gestein der Alpen zuschütten - aber das Gewässer zwischen Europa und Afrika um 20 % reduzieren. Dabei würde der Wasserspiegel um 200 Meter absinken. All das wäre nur möglich durch den Bau einer gewaltigen Staumauer im Atlantik, die westlich von Gibraltar die 14 km breite Meerenge verschließen würde. Sörgel träumte von einer transkontinentalen Eisenbahnfahrt: In Bremen einsteigen, in Kapstadt den Zug verlassen. Von Sizilien bis Tunesien wäre es ja nur ein Katzensprung über eine Brücke. Der Ingenieur litt nicht unter einem Tunnelblick, nein, er hatte auch politische Interessen. Mit Heinrich und Thomas Mann, mit Sigmund Freud und Gustav Stresemann war er ein europabewegter Trommler. Und wenn Hermann Sörgel "Kein schöner Land" anstimmte, dann dachte er nicht an die deutsche Provinz, sondern wurde zum Visionär und sah die Schlagbäume Europas vor sich - von der Axt zersplittert. Jürgen Werth über das "Atlantropa"-Projekt des Architekten Hermann Sörgel, der das Mittelmeer trockenlegen und Afrika und Europa als Kontinente vereinigen wollte.
Das Atlantropa-Projekt, [5:24]
Infos über Herman Sörgel und das Atlantropa-Projekt
Ernüchternde aber höchst phantasieanregende Fakten: das Mittelmeer ist das Überbleibsel eines riesigen Ozeans vor 240 Millionen Jahren mit dem Namen Thetis. Aus ihm bildete sich ein gewaltiger Gebirgszug vom Hindukusch bis zum Atlas, der aus maritimen Sedimenten geformt wurde und sich im Verlauf des Zusammenstoßes der Kontinente auffaltete. Das Antlitz der Erde wird so alle 300 Millionen Jahre komplett neu geformt. Noch vor 20 Millionen Jahren war das Mittelmeer eine Wüste, bis in der Höhe von Gibraltar der Großkontinent auseinanderbrach. Die Wüste wurde geflutet und es entstand das heutige Meer – dieser Zustand ist zumindest für die nächsten Millionen Jahre gesichert! Ein Gespräch mit Professor Kay Emeis, Institut für Meereschemie, Uni Hamburg.
Geologische Geschichte des Mittelmeeres , [8:15]
Gespräch mit Prof. Kay Emeis
Paul Cézanne: Die Bucht von Marseille, von L'Estaque aus gesehen (um 1885)
Blau in allen Nuancen – nur in der mediterranen Welt wetteifert das Meer so überwältigend mit den Farben des Himmels. Le Grand Bleu inspiriert seit jeher die Maler. Auf der Suche nach dem kristallinen Strahlen, nach dem Spiel der Farben und der Schatten zog es sie immer wieder in den Süden. Berühmte Bilder haben die Leuchtkraft des Südens aufgefangen: von Cézanne bis August Macke, von Picasso wie von Edvard Munch – gerade die Maler aus dem Norden haben hinreissende Mittelmeer-Bilder gemalt, weil die Sehnsucht ihnen den Pinsel führte. Rainer B. Schossig über die Sehnsucht von Malern aus dem Mittelmeerraum und den graueren Gefilden der Welt.
Mare-Rätsel
Rätselfrage für "Mare Mittelmeer" am 7. Juni: 1864 veröffentlichte der französische Schriftsteller Jules Verne seinen Roman "Reise zum Mittelpunkt der Erde", zehn Jahre später erschien der Roman auf Deutsch. Diese Reise begann mit einem Einstieg in den Krater des isländischen Vulkangletschers Snaefellsjökull. Unsere Frage: Wo war der Ausstieg, durch den die Reisenden wieder auf die Erdoberfläche gelangten?
Gewinn: Ein Mare-Jahresabonnement und Bücher
Auflösung Mai 2009: "Leopold Ziegenbein" (Die Frage lautete: Wie hieß der Kapitän, der der "Bremen" zum blauen Band verhalf?)
Info: Mare Radio
![Segelschiffe [Quelle: Radio Bremen] Segelschiffe [Quelle: Radio Bremen]](/nordwestradio/sendungen/mare_radio/segelschiffe100_v-mediateaser.jpg)
In Mare Radio wird das kulturbildende Wesen des Meeres zum Programm, das mit Seelust und Entdeckerfreude die Kategorien von Wissenschaft, Literatur, Politik, Kunst und Musik durchkreuzt, immer auf Seeseite.
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