22. Oktober 2012, 7:15 Uhr
Nordwestradio Journal
Biogasanlagen boomen in Deutschland. Viele Bauern versprechen sich einen satten Gewinn, wenn sie in solche Anlagen investieren. Im Landkreis Rotenburg gibt es mittlerweile 140 Biogasanlagen. Jetzt soll in der Nähe von Sittensen eine weitere Großanlage gebaut werden. Dagegen protestierten am Wochenende viele Bürger.
6000 Biogasanlagen wurden bislang in Deutschland gebaut.
In der Gemeinde Groß Meckelsen im Landkreis Rotenburg plant die Biomethan Sittensen GmbH, den Bau einer solchen Anlage – ausgerechnet im Wasserschutgebiet. Sie wird eine der größten in Norddeutschland sein. Etwa 60 Landwirte aus der Region um Groß Meckelsen sollen den Mais für den Betrieb anbauen.
Doch gegen die Pläne formiert sich Protest. Die Bürgerinitiative Netzwerk Sauberes Trinkwasser Sittensen hatte für den 20. Oktober zu einer Demonstration aufgerufen. Es kamen etwa 300 Gegner des Großprojektes.
Die Bürgerinitiative fürchtet um die Qualität des Grundwassers. Dieter Höper vom Netzwerk Sauberes Trinkwsasser sagt, die Werte der örtlichen Wasserverbände hätten schon jetzt eine doppelt bis vierfach erhöhte Nitratbelastung von Böden und Gewässern bestätigt. Eine noch höhere Belastung sei nicht mehr hinnehmbar, sagt Höper. Außerdem würde der Betrieb der Anlage in Groß Meckelsen für ein Verkehrschaos sorgen. Viele Tausend Tonnen Mais und Gülle müssten über die Straßen angeliefert werden.
Auf ihrem Demonstrationszug von Groß Meckelsen nach Sittensen sind die Protestierer nicht allein. Auf dem Acker, an dem sie vorbeiziehen, haben sich Landwirte aus Groß Meckelsen versammelt, mit Traktoren und Transparenten: "Wir wollen günstige Wärme" oder "Diese Anlage fördert die bäuerliche Landwirtschaft". Auch Dirk Detjen der Bürgermeister von Groß Meckelsen gehört zu den Befürwortern der Biogasanlage.
Die geplante Mega-Anlage hat die Region ist in zwei Lager gespalten. Die Demonstranten wollen weiter kämpfen. Sollte die Anlage von den Behörden Anfang November genehmigt werden, dann auch vor Gericht. Für das Nordwestradio berichtet Katrin Höcherl.
Proteste gegen Biogasanlage in Groß Meckelsen, [3:19]
Ein Grund für den Biogasanlagen-Boom in Deutschland sind die Subventionen für erneuerbare Energien. Denn Biogasanlagen bilden einen zentralen Baustein bei der Versorgung mit grüner Energie.
Allerdings gebe es "massive Fehlentwicklungen", sagt Dorothea Steiner, umweltpolitische Sprecherin der Bundestagsfraktion von Bündnis90/Die Grünen im Nordwestradio-Gespräch.
Es werde nicht – wie geplant – ein Mix organischer Stoffe und Abfälle für die Biogasanlagen verwendet. Faktisch sei es dank der Subventionspolitik der Bundesregierung nur Mais, der für den Betrieb der Anlagen angebaut wird.
Es müsse dringend gegengesteuert werden, so Steiner. "Wir müssen regulieren bei der Herstellung von Energie aus Biomasse." Allerdings sei die Energieerzeugung durch Biogasanlagen ein "wichtiger Baustein des Energiemixes". Nordwestradio-Moderatorin Nicole Nelhiebel hat mit Dorothea Steiner gesprochen.
Erneuerbare Energien: Subventionspolitik ändern!, [3:46]
Gespräch mit Dorothea Steiner (Bündnis90/Die Grünen)
Info: Nordwestradio Journal
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