5. April 2013, 8:35 Uhr
Nordwestradio Journal
Cannabis-Konsumenten in Niedersachsen können auf einen lockereren Umgang der Justiz mit ihrer Droge hoffen. Denn die neue rot-grüne Regierung plant, die Menge, die man für den privaten Gebrauch besitzen darf, zu erhöhen. Lennart Westermann von der Drogenberatungsstelle "Drobs" begrüßt die Pläne. Er hofft jedoch auf mehr: Eine Legalisierung des Rauschstoffes unter bestimmten Bedingungen.
Dürfen bald mehr als sechs Gramm in der Tasche haben: Kiffer in Niedersachen
In Niedersachsen soll der private Besitz von Cannabis entkriminalisiert werden. Derzeit kann die Staatsanwaltschaft ein Strafverfahren einstellen, wenn die gefundene Menge an Cannabis sechs Gramm nicht übersteigt. Diese Grenze soll nun angehoben werden, hat Niedersachsens neue Sozialministerin Cornelia Rundt (SPD) vorgeschlagen. "Über diese Grenze müssen wir in den kommenden Monaten diskutieren", so Rundt.
Cannabis-Eigenbedarfsgrenze anheben ist ein erster Schritt, [4:56]
Gespräch mit Lennart Westermann, Leiter der Drobs Hannover
Lennart Westermann, Leiter der Fachberatungsstelle Sucht und Suchtprävention "Drobs" in Hannover, begrüßt die Ankündigung der Landesregierung als "längst überfälligen Schritt in die richtige Richtung". Mit derzeitigen Situation würden Konsumenten kriminalisiert und der Weg in Hilfesysteme sei verbaut. Die Erhöhung der sogenannten Eigenbedarfsgrenze kann nach Westermann allerdings nur ein erster Schritt in einem neuen Umgang mit Cannabis sein.
Auch wenn es Sozialministerin Cornelia Rundt nicht um eine Legalisierung geht, sagt Westermann, dass eine Regulierung der Droge, nämlich eine Übernahme in einen legalen Bereich, mehr bringen würde. Eine solche Legalisierung würde auch alle Konsequenzen wie Besteuerung oder Unterstellung unter das Lebensmittelrecht mit umfassen, wie es bei Alkohol oder Nikotin auch der Fall sei. "Eine Regulierung schließt auch Überlegungen mit ein, wo, an wen und unter welchen Umständen so ein Stoff verkauft wird", sagt der Leiter der hannoverschen Drogenberatungsstelle.
Regulierungen im Tabakbereich hätten bereits präventiv gewirkt, wie zum Beispiel die Erhöhung des Preises, das Verbot von Werbung und die Umrüstung von Automaten. "All das sind strukturelle Maßnahmen gewesen, die sehr stark dazu beigetragen haben, dass Tabakkonsum heutzutage bei Jugendlichen praktisch out ist", so Lennart Westermann. Ebensolche Überlegungen müsse man sich für den Alkohol überlegen, wo immer noch geworben werden darf, und genauso für Cannabis. "Und ich möchte nicht, dass Cannabis an jeder Ecke zu kaufen ist".
Mit einer simplen Legalisierung könnten die Probleme, die der Cannabis-Konsum bei Konsumenten verursacht, auch nicht gelöst werden, ist sich der Drobs-Leiter sicher. "Wir müssen ganz klar im Auge haben, dass wir diesen Bereich nur angehen können, wenn wir erheblich mehr in Bildung und Erziehung investieren". Kindern und Jugendlichen müsste auch Genussfähigkeit vermittelt werden, "also nicht ein immer mehr, vom immer gleichen, ist immer besser", so Westermann.
Für den einen gilt Cannabis als vergleichsweise harmlose Droge gilt, für andere ist sie der gefährliche Einstieg auf dem Weg zu härteren Drogen. Letzteres sieht Westermann weniger. In der jetzigen Situation könne Cannabis höchstens ein Einstieg sein, eben weil Cannabis zusammen mit den anderen Drogen auf einem illegalen Markt gehandelt werde, so Westermann.
Info: Nordwestradio Journal
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