10. November 2011, 17:25 Uhr
Nordwestradio Journal
Die vietnamesische Familie Nguyen aus Hoya (Landkreis Nienburg) galt als außerordentlich beliebt, trotzdem lebte sie ständig in Angst vor einer Abschiebung. Viele Menschen haben sich in Hoya für ein dauerhaftes Bleiberecht eingesetzt. Die drei Kinder, von denen zwei in Deutschland geboren wurden, galten als vorbildlich integriert.
Die Familie Nguyen packt ihre Koffer.
Jetzt sind sie abgeschoben worden. Damit endet ein dramatisches Tauziehen um ein Aufenthaltsrecht. Am 8. November gegen drei Uhr in der Früh wurden die Eltern und die beiden Kinder von der Polizei abgeholt und zum Frankfurter Flughafen gebracht.
Eine Abschiebung, die nicht nur in Hoya, sondern auch über die Stadtgrenzen hinaus auf Unverständnis stößt. Die evangelische Kirche erwägt deshalb nun den Austritt aus der Härtefallkommission. Man könne dort nur solange mitarbeiten, wie Fragen des Erbarmens in den Rechtsabläufen einen Platz hätten, sagte der Braunschweiger Landesbischof Friedrich Weber. Kritik kommt auch vom niedersächsischen Flüchtlingsrat. Dieser forderte Niedersachsens Innenminister Schünemann auf, die Familie Nguyen unverzüglich zurückzuholen.
Innenminister Schünemann verteidigte dagegen die Abschiebung in einer Stellungnahme im Landtag. Niedersachsen habe sich strikt an die geltenden Gesetze gehalten, und nach den Entscheidungen der zuständigen Gremiem gar nicht anders gekonnt, als die Familie auszuweisen.
Unsere Reporterin Maren Momsen berichtet.
Abschiebung vietnamesischer Familie Nguyen in Hoya, [2:12]
Die Nguyens "haben nie von Sozialleistungen gelebt"
Die Kinder sind in Deutschland geboren, gingen in Hoya zur Schule und haben deutsche Freunde. Der Vater arbeitete seit 16 Jahren in einer Baumschule. Sozialleistungen haben die Nguyens nach Angaben des Pfarrers der evangelischen Kirchengemeinde nie bezogen - dafür immer Steuern bezahlt. "Das rigorose Vorgehen der Ausländerbehörden ist unbegreiflich", sagte der Pastor.
Schleuserorganisation brachte Vater nach Deutschland
Der Vater war 1992 mit einer Schleuserorganisation aus Vietnam nach Deutschland gekommen. Dieser Umstand ist der Familie jetzt zum Verhängnis geworden: Damals soll er einen falschen Namen angegeben haben. Nach Angaben des Landkreis Nienburg haben mehrere Gerichte ein Bleiberecht abgelehnt. Deswegen habe es keine Alternative zur Abschiebung gegeben. Nur die 19-jährige Tochter darf in Deutschland bleiben, sie hat ein Aufenthaltsrecht bekommen.
Abschiebung drohte bereits 2006
Die Unterstützer der Familie, darunter Freunde, Schulleitung, Arbeitgeber und Gemeinde, werfen dem Land Niedersachsen vor, Menschen willkürlich abzuschieben. Bereits im August 2006 war die Familie von der Abschiebung bedroht. Damals flüchtete sie sich ein halbes Jahr ins Kirchenasyl. Der Unterstützerkreis in der Kirche will nun über Konsequenzen aus dem Fall beraten.
Reaktionen auf die Abschiebung der Familie Nguyen aus Hoya, [3:37]
Fast 20 Jahre hat die Familie Nguyen in Hoya gelebt, jetzt wurden sie abgeschoben. Nordwestradio-Moderatorin Katrin Krämer hat mit Kai Weber vom niedersächsischen Flüchtlingsrat gesprochen und ihn gefragt, ob dieser Abschiebefall eine Ausnahme oder ein Beispiel von vielen ist in Niedersachsen?
Wie human ist die Flüchtlingspolitik in Niedersachsen?, [4:44]
Info: Nordwestradio Journal
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