30. April 2013, 6:35 Uhr
Nordwestradio Journal
Eigentlich sollte in der Ellhornstrasse in Bremerhaven-Geestemünde nur eine neue Kindertagesstätte entstehen. Nachdem der Bagger allerdings die oberste Lage Boden abgeschaufelt hatte, gab es eine kleine Sensation: Historiker entdeckten Spuren von Häusern. Der Stadtteil Geestendorf ist damit mindestens offenbar 300 Jahre älter, als bisher belegt.
Die Archäplogen haben Bauspuren früh- und hochmittelalterlicher Pfostenhäuser freigelegt.
Gleichmäßig schabt Grabungshelfer Ricklef Andreae mit einem langstieligen Kratzer über den Boden. Dabei schaut er auch schon, ob ihm irgendwelche Steine oder Scherben auffallen. Eigentlich geht es aber um etwas anderes. "Im Prinzip wird der Boden einfach glatt gezogen, um diese dunklen Flecken, die man hier so sieht in unterschiedlichen Größen, erstmal frei zu legen und um Befunde zu erkennen", so Andreae.
Rund 150 sogenannte Befunde haben die Grabungstechniker schon markiert, sagt Dieter Bischop von der Landesarchäologie Bremen. Er ist dabei, die vielen schwarzen Flecken im sonst hellen, sandigen Lehmboden zu interpretieren. Die kleineren sieht er als ehemalige Vertiefungen für Pfosten und Wände aus Weidengeflecht. "Die Großen sind Reste von zugefüllten Brunnen. Und deswegen bin ich froh, dass wir hier in Geestendorf überhaupt graben können", so Bischop.
Die älteste Erwähnung von Geestendorf datiert auf das Jahr 1139, sagt der Landesarchäologe. Die Siedlung, die nun gefunden wurde, ist mindestens noch 300 Jahre älter und hat erstaunlich viele Brunnen. Vermutlich, weil immer wieder Brunnen durch Sturmfluten unbrauchbar wurden, meint Bischop. Einige datiert er auf das spätere Mittelalter. Die Begründung dafür holt er aus einem Plastiktütchen.
"Das sind glasierte Scherben von irgendwelchen kleinen Dreibeintöpfen, die man an die Herdstelle gestellt hat. Das ist 17. Jahrhundert", schätzt er.
Während Bischop mit seinem Team an dieser Stelle noch mehrere Wochen graben und schaben wird, ist nebenan schon ein Teil der gefundenen Siedlung mit einem weißen Flies abgedeckt worden und Sand für den Untergrund der Kindertagesstätte aufgeschüttet worden.
"Diese weißen Matten unter dem Füllsand schützen einen Brunnen und die anderen archäologischen Dinge, die tiefer liegen, als die Bausohle der neuen Kita", so Bischop. Er hofft dass damit die Stelle für eine lange Zeit in der Zukunft gesichert und geschützt ist. Und er hofft, dass seine Nachfolger eines Tages noch bessere Methoden haben, die gefundenen Spuren im Boden zu deuten.
Schon jetzt gibt es erstaunliche chemische Möglichkeiten, um Aussagen über den Inhalt verfüllter Löcher zu machen. Zum Beispiel wenn dort mal eine Toilette war. Aus dem Fund lässt sich ablesen, was einmal durch den Verdauungstrakt der Menschen vor 1000 Jahren gegangen ist, sagt Bischop.
Ein Feldsteinbrunnen des 17. Jahrhunderts und eine Keramik des 9./10. Jahrhunderts wurden freigelegt.
"Daraus kann man eben nachvollziehen, was die angebaut haben, was die eingehandelt haben, an Lebensmitteln oder so etwas". Mittels der Radiocarbonmethode können die Archäologen Holzreste, auch die kleinsten Holzkohlestücke, analysieren und herausfinden in welchen Jahrzehnten dieses Holz gewachsen ist.
Auch viele Tierknochen sind in Geestendorf schon aufgetaucht. Hier standen also einmal typische Wohn-Stall-Häuser, die sich Mensch und Tier geteilt haben. In einer Grube haben die Grabungshelfer sogar Feuerstein gefunden. "Das ist eine 4000 Jahre alte, aus Feuerstein zurecht geschlagene Flint-Sichel, die man nutzte, um eben das Korn abzusäbeln. Das bedeutet aber nur, dass zu der Zeit hier Acker war", so Bischop.
Man muss hier also auch Ackerbau betrieben haben, überlegt der Archäologe. "Und so nah an der Küste oder an der Wesermündung ist das eben auch schon verblüffend". Offensichtlich haben hier schon sehr sehr viel länger Menschen gelebt, als man dachte, glaubt er.
Brunnen und Scherben in Geestemünde, [3:48]
Archäologen finden in Bremen Wehrturm aus dem Mittelalter
Info: Nordwestradio Journal
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