17. August 2012, 6:16 Uhr
Nordwestradio Journal
Schläge, Tritte, sogar sexuelle Übergriffe sind keine Seltenheit in Justizvollzugsanstalten. Dies belegt eine neue Studie des kriminologischen Forschungsinstituts Niedersachsen.
Gewalt in Gefängnissen ist keine Seltenheit
Gefängnisse sind sicher – diesen Eindruck vermitteln dicke Mauern, Gitterstäbe und Stacheldraht. Doch innerhalb dieser Mauern sieht es oft anders aus – das belegt eine Studie des kriminologischen Forschungsinstituts Niedersachsen. Demzufolge wird jeder vierte Gefängnisinsasse Opfer von Gewalt. Nordwestradio-Reporter Torben Hildebrandt fasst die Reaktionen auf die Studie zusammen.
Gewalt in Gefängnissen, [3:17]
Neue Studie des kriminologischen Forschungsinstituts Niedersachsen
Die Studie belegt: Schläge, Tritte, sogar sexuelle Übergriffe sind keine Seltenheit in Justizvollzugsanstalten (JVAs). Niedersachsens Justizminister Busemann spricht sogar von Normalität. Der Leiter der Studie, Christian Pfeiffer erklärt die Ergebnisse so: "Im Gefängnis sind nunmal keine Engel untergebracht."
Und trotzdem müssen Reformen her. So appelliert der Kriminologe an die Politik, die Sicherheit in Haftanstalten zu erhöhen.
Eine Möglichkeit wäre, verstärkt Videotechnik einzusetzen. Allerdings könnte dies mit den im Grundgesetz verankerten Persönlichkeitsrechten kollidieren.
Auch Sport könnte helfen, Agressionen abzubauen. Dem Kriminologen Christian Pfeiffer reichen solche Ideen nicht aus. Er setzt auf die Einzel-Unterbringung der Häftlinge, die Quote für Einzelzellen liege in Niedersachsen allerdings schon bei knapp 90 Prozent. Zusätzlich müssen JVA-Angestellte wachsamer werden, es dürfe keinen Stellenabbau geben.
Gespräch mit Professor Christian Pfeiffer, [5:17]
Neben der Statistik finden sich in der Studie viele Beispiele zur Gewalt in bundesdeutschen Gefängnissen: Häftlinge werden gezwungen, Ekel-Cocktails aus Seife und Öl zu trinken, sie werden mit Gürteln ausgepeitscht oder in der Gemeinschaftsdusche von Mithäftlingen vergewaltigt. Und manch ein Selbstmord in den JVAs ist die Reaktion auf erlittene Misshandlungen.
Info: Nordwestradio Journal
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