24. April 2013, 7:10 Uhr
Nordwestradio Journal
Woher kommen die Millionen, die Uli Hoeneß angeblich auf seinem Schweizer Konto liegen hatte? Nach Informationen der Süddeutschen Zeitung hat ihm der damalige Adidas-Chef Robert Louis-Dreyfus im Jahr 2000 fünf Millionen Mark für Börsenspekulationen gezahlt. Wenig später stieg der Konzern bei dem Fußballklub ein. Wir haben mit dem "Ressortleiter Investigative Recherche" bei der Süddeutschen Zeitung gesprochen.
Uli Hoeneß
Uli Hoeneß ist ins Visier der Staatsanwaltschaft geraten. Es geht um Steuerhinterziehung in Millionenhöhe. Der Fall hat auch eine politische Komponente. SPD und Grüne sehen sich darin bestätigt, das Steuerabkommen mit der Schweiz zu Fall gebracht zu haben. Per Selbstanzeige hatte der 61-Jährige die Untersuchungen persönlich angestoßen. Die Selbstanzeige hänge "mit einem Konto von mir in der Schweiz" zusammen, erklärte Hoeneß im Magazin "Focus". Wirksamkeit und steuerliche Folgen würden derzeit von den Behörden geprüft.
Nach Informationen der Süddeutschen Zeitung hat der damalige Chef von Adidas, Robert Louis-Dreyfus, im Jahr 2000 dem mit ihm befreundeten Hoeneß auf einem Konto der Schweizer Privatbankgruppe Vontobel 20 Millionen Mark für Spekulationsgeschäfte zur Verfügung gestellt. Zu diesem Zweck soll Louis-Dreyfus einen Betrag von fünf Millionen Mark auf das Konto überwiesen und für Hoeneß einen Kredit von weiteren 15 Millionen Mark durch eine Bürgschaft abgesichert haben.
Mit diesen umgerechnet zehn Millionen Euro sollen zunächst sowohl Louis-Dreyfus als auch Hoeneß an der Börse und anderswo spekuliert haben. Nach ein oder zwei Jahren soll der Bayern-Manager die fünf Millionen Mark sowie den Kredit zurückgezahlt haben
Die Hoeneß-Adidas-Connection, [4:17]
Gespräch mit Hans Leyendecker
Die Steueraffäre von Bayern-Präsident Hoeneß befeuert auch die politische Debatte über mögliche Konsequenzen. Vielfach kritisiert wird die strafbefreiende Wirkung einer Selbstanzeige. Darüber sprach Nordwestradio-Moderator Tom Grote mit Heribert Prantl von der Süddeutschen Zeitung. Er meint, die Selbstanzeige sei eine Art Notlandung für Steuerhinterzieher. Sie stamme aus der Steuer-Steinzeit.
Wie ungerecht die geltende Regelung ist, veranschaulicht Prantl mit einem Beispiel: So könne etwa ein Bankräuber nicht lange Zeit nach seiner Tat einfach das Geld zurückgeben und damit alles wieder gut machen. Der Steuerstraftäter sei dagegen ein privilegierter Straftäter. Prantl fordert die Gleichbehandlung der Straftäter.
Strafbefreiende Selbstanzeige abschaffen?, [5:22]
Mit Selbstanzeigen besteht für Steuerhinterzieher grundsätzlich die Möglichkeit, nachträglich Straffreiheit zu erlangen, wenn dies dem Fiskus bislang verborgene Steuerquellen erschließt. Haben die Ermittler allerdings erst mal die Fährte aufgenommen und sind einem Verdächtigen schon auf der Spur, ist es nach einer Entscheidung des Bundesgerichtshofs aus dem Jahr 2010 zu spät dafür.
Hoeneß sagte laut "Focus", dass er die Angelegenheit ursprünglich über das von der schwarz-gelben Bundesregierung angepeilte Deutsch-Schweizer Steuerabkommen habe regeln lassen wollen, das dann nicht zustande gekommen sei.
Die Doppelmoral des Uli Hoeneß, [5:23]
Gespräch Uwe Dolata, Wirtschaftskriminalist
Uli Hoeneß: Stürzt das Denkmal?, [2:52]
Ein Beitrag von Bernd-Uwe Gutknecht
Mit dem Steuerabkommen zwischen Deutschland und der Schweiz sollten Geldanlagen von Bundesbürgern in der Schweiz aus den vergangenen zehn Jahren von 2013 an pauschal mit 21 bis 41 Prozent besteuert werden. Die Opposition ließ das bereits von Finanzminister Schäuble (CDU) ausgehandelte Abkommen letztlich im Bundesrat durchfallen, weil es ihr nicht weit genug ging.
Immer häufiger versuchen die Behörden nun, über den Ankauf von Steuer-CDs an die Daten möglicher Steuerhinterzieher heranzukommen – um gegen diese Ermittlungen aufnehmen zu können. Zuletzt erst hatte Rheinland-Pfalz neue Datensätze angekauft, bereits kurz darauf gingen Fahnder mit Hunderten Hausdurchsuchungen in ganz Deutschland gegen mutmaßliche Steuerbetrüger vor. Bei Steuerhinterziehung drohen Strafen von bis zu fünf Jahren. In besonders schweren Fällen könne es sogar bis zu zehn Jahre sein.
Die Juristin Sylvia Schenk, Sportbeauftragte der Anti-Korruptions-Organisation Transparency International, sieht Uli Hoeneß nach dessen Steuer-Selbstanzeige in erheblicher Erklärungsnot.
"Die Glaubwürdigkeit von Hoeneß ist extrem erschüttert. Es wird sicher ganz schwer sein für ihn, da wieder herauszukommen", sagte Schenk im Nordwestradio. Der Fall Hoeneß sei ein Schlag gegen den ganzen Sport, der gerade auf verschiedenen Gebieten um seine Glaubwürdigkeit kämpft. Schenk zog einen Vergleich zum umstrittenen FIFA-Präsidenten Blatter, den Hoeneß auch angesichts der Korruptionsaffäre beim Fußball-Weltverband oft kritisiert hatte.
"Wenn er Blatter angreift und fordert, dass dieser den FIFA-Saustall endlich aufräumen soll, aber selbst Geld an der deutschen Steuer vorbeibringt, dann schmeißt Uli Hoeneß hier mit Felsbrocken aus dem Glashaus."
Der Fall Uli Hoeneß, [3:25]
Hilke Theessen im Gespräch mit Sylvia Schenk
Die Steuer-Affäre von Uli Hoeneß sorgt fünf Monate vor der bayerischen Landtagswahl und der Bundestagswahl für politischen Zündstoff. SPD und Grüne werfen Schwarz-Gelb vor, Steuerflüchtlinge zu begünstigen.
Die Oppositionsparteien sehen sich bestätigt, das geplante Steuerabkommen zwischen Deutschland und der Schweiz im Bundesrat zu Recht verhindert zu haben. "Es zeigt sich, worum es CDU/CSU beim Steuerabkommen mit der Schweiz ging, nämlich Steuerbetrüger sozusagen zu schützen", sagte der SPD-Vorsitzende Gabriel. Grünen-Spitzenkandidat Trittin sprach von einem "Geldwaschabkommen".
Info: Nordwestradio Journal
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