26. Februar 2013, 12:45 Uhr
Nordwestradio Journal
Behinderte Kinder haben in Bremen und demnächst auch in Niedersachsen das Recht, auf eine allgemeinbildende Schule zu gehen. Doch die Realität zeigt, dass dieses Recht oft nur halbherzig gewährt wird. In Bremen kämpft eine Familie seit Jahren darum, dass ihr Kind auf der Regelschule genug Unterstützung bekommt. Wir haben mit der fast schon verzweifelten Mutter gesprochen.
Behinderte Kinder haben in Bremen und demnächst auch in Niedersachsen das Recht, auf eine allgemeinbildende Schule zu gehen.
"Man fühlt sich hilflos und wütend. Man hat ein Kind, das auch Hilfe braucht", sagt Jutta Claussen. Sie ist eine kleine, schmale Person und doch voller Energie. Die 48-Jährige will nicht aufgeben. Ihr autistischer Sohn Lorenz soll – wie jedes andere Kind – an der Ganztagsschule lernen können. Dafür braucht der 15-Jährige eine sogenannte persönliche Assistenz an seiner Seite. Denn nur so bleibt er im Unterricht wachsam.
Unterstützung nur für 20 Wochenstunden
Zurzeit sitzt Sozialpädagogin Karin Plitt nur am Vormittag von 8 bis 12 Uhr an seiner Seite. Im Unterricht stupst sie Lorenz immer wieder am Arm, ermahnt ihn zum Beispiel, die richtige Seite im Buch aufzuschlagen. Die Bremer Bildungsbehörde sagt, 20 Stunden Unterstützung müssen dafür ausreichen. Familie Claussen sieht das anders. Ihr Kind soll auch in den restlichen Stunden nach 12 Uhr gefördert werden.
Dafür aber fehle der Bildungsbehörde das Geld, bekommt sie zu hören und wird zur Sozialbehörde geschickt. Dort gebe es ja noch die sogenannte Eingliederungshilfe für behinderte Menschen.
Seit zwei Jahren rennen die Claussens zwischen diesen beiden Behörden hin und her. Eine Lösung gibt es bisher nicht. Kein Einzelfall. Nun sollen die Schulen die Betreuung koordinieren. "Wir wollen es in eine Hand legen, damit dann auch von einer Hand entschieden wird, wie der zukünftige Bedarf abgedeckt werden kann", sagt Staatsrat Rüdiger Kück von der Bildungsbehörde. Zum Umfang der Assistenz will er aber noch nichts sagen.
Sozialarbeit an Schulen – "Ein Erfolgsmodell"
Solange aber nicht geklärt ist, ob behinderte Kinder weiterhin maximal 20 Stunden Unterstützung bekommen können, solange sind die Probleme vieler Eltern nicht gelöst. Robert Benckert vom Zentralelternbeirat Bremen befürchtet deshalb, dass der Kampf um jede Assistenzstunde weitergehen wird: "Diese Unstimmigkeiten werden auf dem Rücken der Kinder ausgetragen, auf dem Rücken der Eltern und leider auch auf dem Rücken der Schule – denn der Schule fehlt ja auch das im Unterricht hilfreich unterstützende Personal", klagt Benckert an.
Auch Jutta Clausen glaubt noch nicht daran, dass sie ihren Sohn schon bald unbesorgt an die Schule schicken kann. Auf jeden Fall will sie die restlichen zehn Betreuungsstunden weiter einfordern.
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Info: Nordwestradio Journal
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