14. Mai 2013, 7:15 Uhr
Nordwestradio Journal
"Willkommens- und Anerkennungskultur – Zusammenleben in Deutschland": Unter diesem Motto sind in Saarbrücken die Integrationsbeauftragten von Bund, Ländern und Kommunen zusammengekommen, um sich über Strategien und Maßnahmen zur Integration von ausländischen Mitbürgern auszutauschen. Zentrales Thema war auch die Verbesserung der Sprachkenntnisse von Migrantenkindern.
Willkommenskultur statt Zurückhaltung: Der Umgang mit Zugewanderten soll sich ändern
Ein Umdenken ist erforderlich, sagen die Integrationsbeauftragten. Man brauche eine neue Kultur der Anerkennung und des Willkommenheißens. Im ganzen Zusammenleben und auch in der Integrationspolitik müsse man viel stärker darauf achten, anderen ein "Zuhause-Gefühl" mitzugeben, sagt Silke Harth, Ingrationsbeauftragte des Landes Bremen. "Das bedeutet, aufeinander zuzugehen, den Menschen, die hier noch Hürden empfinden, Zugänge zu ermöglichen, und diese Hürden abzubauen", so Harth.
Diese Zugänge müssten vor allem in Kommunen, an Orten der Begegnung, geschaffen werden. Dort wo es unmittelbare Kontakte gibt, gebe es auch vielfältige Möglichkeiten, Türen zu öffnen. Lobend erwähnt Harth das Beispiel der Schwimmkurse für Asylbewerber in Burgdorf. Durch das Schwimmenlernen ermöglicht Carmen Damker dort jungen Menschen, Kontakte zu knüpfen.
Organisiert werden die Kurse vom Mehrgenerationenhaus, die Stadtwerke sponsern den Eintritt, die Stadt stellt Belegungszeiten im Schwimmbad zur Verfügung und Ehrenamtliche wie Damker ihre Zeit. Mit ihrer lockeren Art half Schwimmlehrerin Damker den Teilnehmern, die anfänglichen Sprachhürden zu überwinden. "Generell habe ich alle als ganz freundlich, zuvorkommend, wissbegierig, lernwillig und total charmant erlebt", sagt Damker.
Schwimmkurs für Asylbewerber in Burgdorf, [3:18]
Ganz entscheidend für den Erfolg von Integration sei das Bildungssystem, sagt Harth. Ein Thema, das auch die Konferenz-Teilnehmer beschäftigt hat.
Meldungen über mangelnde Deutschkenntnisse von Migrantenkindern hatten die Politiker aufgeschreckt. In Bremen hat jedes dritte Kind Sprachförderungsbedarf, sagt Silke Harth. Allerdings würden zu dieser Gruppe auch Kinder deutschsprachiger Eltern gehören und selbstredend gebe es auch Kindern mit ausländischen Wurzeln, die keine Sprachförderung brauchen, so Harth.
"Wir brauchen eine Willkommenskultur", [5:17]
Gespräch mit Silke Harth, Integrationsbeauftragte des Landes Bremen
Silke Harth glaubt nicht, dass es bei mangelnden Sprachkenntnissen von Kindern darum geht, was Eltern versäumt haben. Man wolle eher das Bewusstsein dafür schaffen, dass Kinder in Gemeinschaft mit anderen Kindern frühstmöglich Sprache lernen. Das Land Bremen will deswegen bei Eltern dafür werben, dass Kinderbetreuungsangebote im frühen Alter genutzt werden. "Das ist uns sehr wichtig und da wollen wir noch mehr Familien erreichen", so Harth.
Politikwissenschaftler Stefan Luft ist dagegen der Meinung, dass eben doch viel von der Fähigkeit der Eltern, den Kindern zu helfen, abhänge. "Das deutsche Bildungssystem ist sehr stark darauf ausgelegt, dass Eltern Ressourcen haben, kultureller Art, sprachlicher Art, um sie den Kindern zu vermitteln", so der Wissenschaftler. Der Bildungsstand und der soziale Status der Eltern spiele eine große Rolle.
Außerdem hänge die Entwicklung von Kindern stark davon ab, wo diese aufwachsen. "Die Stadtteile in denen sich arme, randständige, zugewanderte Menschen konzentrieren, entwickeln sich immer stärker auseinander im Vergleich zu Stadtteilen mit Menschen mit hohem sozialen Status". Kindern würden nur dann motiviert sein, Deutsch zu lernen, wenn sie merken, dass sie es im Alltag brauchen. Es komme daher entscheidend darauf an, dass Kinder in vorschulischen und schulischen Einrichtungen aufwachsen, in denen eine soziale und ethnische Mischung gewährleistet sei.
Eltern und Wohnumfeld beeinflussen Sprachentwicklung von Kindern, [6:08]
Gespräch mit Stefan Luft, Politikwissenschaftler
In Kitas werde noch sehr viel gefördert, sagt auch Katja Koch, Professorin für Erziehungswissenschaften an der TU Braunschweig, aber ab der Grundschule und mit zunehmendem Kindesalter dünne die systematische Förderung aus. "Was man in der Schule braucht, ist ein bildungssprachliches Niveau. Die Schulsprache ist sehr kompliziert und die muss man erlernen und da braucht man Unterstützung", so die Erziehungswissenschaftlerin im Nordwestradio.
Schulsprache muss man erlernen, [5:24]
Gespräch mit Katja Koch, Erziehungswissenschaftlerin
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Interview mit Kirsten Wolf vom Landessportbund Bremen
Dritte Integrationswoche in Bremen
Info: Nordwestradio Journal
![Globus mit Mikrofon davor [Quelle: Radio Bremen] Globus mit Mikrofon davor [Quelle: Radio Bremen]](/nordwestradio/sendungen/nordwestradio_journal/journal104_v-mediateaser.jpg)
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