25. Januar 2012, 6:25 Uhr
Bremer Literaturpreis
In der Theaterszene ist der Schauspieler Joachim Meyerhoff ein Star. Auch im Kino ist er zu sehen, zum Beispiel in dem Film "Rubbeldiekatz" von Detlev Buck. Als Roman-Autor war er bis vor Kurzem noch völlig unbekannt. 2011 erschien sein erstes Buch: "Alle Toten fliegen hoch. Amerika". Für diesen unterhaltsamen Erinnerungsroman über sein Jahr als Austauschschüler in der amerikanischen Provinz wurde Joachim Meyerhoff mit dem Franz-Tumler-Literaturpreis ausgezeichnet. Am 26. Januar 2012 wurde ihm der Förderpreis des Bremer Literaturpreises verliehen. Esther Willbrandt hat ihn vorab getroffen.
Der Förderpreisträger Joachim Meyerhoff , [3:39]
Porträt von Esther Willbrandt
Alles an diesem Mann ist Sturm und Drang: Beim Erzählen gestikuliert er gern, spricht schnell, wirkt auf freundliche Art gehetzt. Und er erzählt, dass gerade die vielen Ortswechsel den Beruf des Theaterschauspielers für ihn reizvoll machen. Einer der meistbeschäftigten Darsteller im deutschsprachigen Raum, Familienvater, Marathonläufer, jetzt auch noch Romanautor: So ein Programm bleibt eine Herausforderung - auch für das Energiebündel Joachim Meyerhoff.
Joachim Meyerhoff: Athletisch, fast zwei Meter groß, über der hohen Stirn das Haar millimeterkurz geschoren. "Markant" ist wohl die übliche Vokabel für so ein Gesicht, darin ein Hauch von John Malkovich. Gefeierter Theaterstar, Schauspieler des Jahres 2007, gehört Meyerhoff seit Jahren zur ersten Riege am renommierten Wiener Burgtheater. Auf der Bühne raumgreifend, laut, irrsinnig präsent, zeigt er sich im Gespräch über seinen Roman bescheiden.
Die "sechs Theaterteile" sind autobiografische Soloprogramme, die Joachim Meyerhoff unter der Überschrift "Alle Toten fliegen hoch" aufgeführt hat, und die sehr schnell Kultstatus erreichten. Sie bescherten ihm sogar die Ehre einer Einladung zum Berliner Theatertreffen. Jeder Teil hat einen eigenen Untertitel, der erste, "Amerika", bildet die Basis für Meyerhoffs gleichnamigen Debütroman. Der Schauspieler lässt darin sein Austauschjahr als Schüler in der amerikanischen Provinz Revue passieren. Der zweite Teil der geplanten Romantrilogie ist in Arbeit, Titel: "Zuhause in der Psychiatrie".
Die Schauspielerei liegt in Meyerhoffs Familie: Seine Großmutter mütterlicherseits war die Darstellerin Inge Birkmann. Kaum zu glauben, dass Joachim Meyerhoff, der Bühnenberserker, dessen Auftritte als Hamlet oder Mephisto zu den Höhepunkten der Theatersaison zählen, dass diesem Joachim Meyerhoff eigentlich eine ganz andere Karriere vorschwebte. Dem Basketball - in der holsteinischen Provinz der 80erjahre eine skurrile Randsportart - galt seine Leidenschaft. Mehr durch Zufall kam er zu seinem Beruf, und lange habe er gebraucht, um sich damit zu identifizieren, sagt Meyerhoff. Mit dem Schreiben geht es ihm – noch – ähnlich.
"Bei mir sind das immer nicht so "lange schon… das war schon immer mein Wunsch zu Schreiben… ", sondern es ist alles so langsam immer! Und ich hätte es auch gerne so viel schneller. Ich hätte sehr viel schneller auch diesen Weg im Theater zurückgelegt, hätte sehr viel schneller gesagt: Jetzt schreibe ich. Aber ich musste wirklich erst 40 werden, um kontinuierlich zu schreiben. Und das ist jetzt das tatsächlich erste Buch. Ist für mich auch gar nicht so einfach, das aus der Hand zu geben. Es ist ein ganz anderer Vorgang des "Sich-Preisgebens". Auf der Bühne ist man ja eigentlich immer geschützt durch seine Figur. Aber jetzt bin ich eigentlich sehr glücklich damit und mache das hoffentlich auch weiter."
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