20. Dezember 2012, 12:38 Uhr
Nordwestradio Journal
Es gibt es eine ganze Reihe von Studien, die untersucht, wie die Jugend von heute lebt und welche Sorgen sie hat. Kaum detailliert untersucht ist jedoch, welche Unterschiede es dabei zwischen Stadt und Land gibt. Möglicherweise kann hier eine neue Befragung unter der niedersächsischen Landjugend Aufschluss geben. Die Studie wird derzeit an der Universität Vechta erstellt. Nordwestradio-Reporter Thomas Schwierzi stellt die ersten Ergebnisse vor.
Jugendliche leben nicht nur gern in der Stadt, sondern auch auf dem Land
Die zentrale Aussage der Studie ist: Fast alle der befragten Jugendlichen leben gern auf dem Land. Fast alle würden in ihrem Ort oder zumindest in der Region bleiben, wenn das möglich wäre. Dabei hat das Leben auf dem Lande so seine eigenen Probleme, berichtet die Autorin der Studie, die Pädagogik-Professorin Margit Stein.
Entfernungen spielen eine große Rolle auf dem Land. Der durchschnittliche Jugendliche zwischen 12 und 25 würde am Wochenende rund 30 Kilometer für die Freizeitgestaltung zurücklegen, sagt Margit Stein. Und so erklärt sich wohl auch, dass die Schule bei vielen überraschenderweise recht beliebt ist. Schule oder Ganztagsschule sei von großer Bedeutung, um Freunde zu treffen, Sport zu treiben oder Freizeit zu gestalten, so die Wissenschaftlerin.
Das Internet hat für die Landjugendlichen eine besonders hohe Bedeutung. Sie nutzen es weit mehr für soziale Kontakte und zum Einkaufen als ihre Altersgenossen ist der Stadt. Kreatives oder bloßes Rumhängen sei bei der Landjugend weniger angesagt. Beliebter als im Durchschnitt sind dagegen Partys, aber auch Organisationen wie Schützenverein und Feuerwehr.
Wegen der oft fehlenden und ungenügenden Angebote für Jugendliche, sammeln sich die Jugendlichen in einzelnen Vereinen. In machen Dörfern sind hundert Prozent der Jugendlichen Mitglied in der Jugendgruppe des örtlichen Schützenvereins, obwohl inhaltlich gar nicht mal das Interesse an dem Verein besteht. "Die haben uns oft gesagt, das wäre die einzige organisierte Jugendgruppe im Ort", berichtet Stein von den Gesprächen mit den jungen Menschen.
Die demografische Entwicklung zeige, dass die Zahl an jungen Menschen auf dem Land stark abnehme, so Stein weiter. Es gebe eine starke Landflucht. Auch aus beruflichen Gründen zweifelt zumindest ein Viertel der Landjugendlichen, dass es für sie eine Perspektive in der Region gibt. Da immer weitere Wege zu Schule, Arbeitsplatz und Freizeiteinrichtungen zurückgelegt werden müssten, sei politisches Handeln nötig. Die Ganztagsschulen könnten zum Beispiel mit Jugendzentren gekoppelt werden oder die mobile Jugendarbeit gestärkt werden. Andernfalls, so Stein, würde das Land immer unattraktiver für junge Leute, und die Abwanderung immer weiter verstärkt.
Jugendliche leben gern auf dem Land, [2:55]
Landjugend-Studie der Universität Vechta
Info: Nordwestradio Journal
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