20. November 2012, 8:10 Uhr
Nordwestradio Journal
Moeller-Maersk ist die größte Containerschiff-Reederei der Welt. Doch die Reederei will in den nächsten fünf Jahren nicht nennenswert in das defizitäre Containergeschäft investieren. Sie will sich lieber der Öl- und Gasförderung und dem Betrieb von Häfen widmen. Wirtschaftsjournalist Christoph Rasch erklärte im Nordwestradio, was das für die norddeutschen Häfen und Reedereien bedeutet.
Die "Emma Maersk" war bis November 2012 das größte Containerschiff der Welt
"Maersk hat im vergangenen Jahr mit seinen Schiffen einen dicken Verlust eingefahren", sagt Wirtschaftsjournalist Christoph Rasch. Im Containergeschäft habe es im letzten Jahr ein Minus von 500 Millionen Dollar gegeben. Dem gegenüber stünde ein Gewinn von zwei Milliarden Dollar im Ölgeschäft. Für 2013 rechnet Maersk mit einem weiteren Minus von drei Prozent im Containergeschäft.
Die gesamte Schifffahrtsbranche leide derzeit unter massiven Überkapazitäten. "Man hat zu lange zu große Schiffe gebaut", so Rasch. Hinzu komme, dass wegen der Konjunkturflaute in Asien und wegen der Eurokrise insgesamt weniger Container verschifft werden. Die Reeder bekommen ihre Schiffe derzeit nicht voll. Die Entscheidung von Maersk, den Containerschiffbau zu stoppen, ist für Rasch deswegen folgerichtig. "Man baut einfach keine Frachtkapazität aus, die man am Ende nicht braucht, eine Art Diät also."
Maersk könne sich diese "Verschnaufspause" leisten. "Die Schiffe von Maersk sind im Vergleich zu anderen Reedereien ziemlich modern". Und Maersks Baustopp für Containerschiffe könnte eine Signalwirkung für die gesamte Schifffahrtsbranche haben. "Wenn der Branchenprimus eine neue Strategie einschlägt, dann reagieren natürlich andere Reedereien darauf", sagt Christoph Rasch im Nordwestradio.
Maersk habe es seinen Konkurrenten voraus, dass man auf mehreren wirtschaftlichen Beinen stehe. Auf andere Wirtschaftszweige ausweichen könnten anderen Reedereien wie Hapag Lloud zwar nicht. Aber auch sie könnten sich entscheiden, weniger Schiffe zu bauen. "Die Entscheidung von Maersk nimmt da vielleicht ein wenig den Wachstumsdruck aus der Branche", spekuliert Rasch.
Für die Hafenlandschaft hierzulande sei die Ankündigung von Maersk "keine Jubelnachricht". Trotz des Investitionsstopps in die eigene Flotte will die dänische Reederei ihre Investitionen aber insgesamt deutlich erhöhen. Maersk will in den Hafenterminals, an denen man direkt beteiligt ist, zusätzlich investieren. Und das sei sowohl in Bremerhaven als auch in Wilhelmshaven der Fall, so Wirtschaftsjournalist Rasch. Das Nachsehen könnte ein Hafen wie Hamburg haben. "Maersk hat ja schon in den letzten Monaten mehr und mehr Verkehr nach Bremerhaven verlagert", so Rasch im Gespräch mit Nordwestradio-Moderatorin Nicole Nelhiebel.
Maersk stoppt Investitionen in Containerschiffe, [4:19]
Gespräch mit Wirtschaftsjournalist Christoph Rasch
Info: Nordwestradio Journal
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