9. Februar 2012, 6:25 Uhr
Nordwestradio Journal
In Rom beraten hochrangige Geistliche aus aller Welt über die Missbrauchsfälle in der katholischen Kirche. Das Symposium an der päpstlichen Gregoriana-Universität trägt den Titel: "Auf dem Weg zu Heilung und Erneuerung".
Der vatikanische Chefermittler in Fragen sexuellen Kindesmissbrauchs, Charles Scicluna, rief Gemeinden und Bischöfe weltweit zur Weitergabe von Informationen an die Strafverfolgungsbehörden auf. Er erinnerte an die "Pflicht, im Rahmen unserer Antwort auf Kindsmissbrauch mit den staatlichen Behörden zusammenzuarbeiten". Ungeachtet der unterschiedlichen Beziehungen zwischen Staat und Kirche in den einzelnen Ländern sei eine Kooperation unerlässlich.
Das Treffen in Rom wird auch in Deutschland aufmerksam verfolgt. Vor allem die Reformbewegung "Wir sind Kirche" hatte immer wieder eine rückhaltlose Aufklärung gefordert und die bisherige Haltung des Vatikans kritisiert. Der Sprecher der Initiative "Wir sind Kirche", Christian Weisner, bezeichnete die neue Linie in Rom als epochale Kehrtwende.
Im Nordwestradio-Gespräch erinnerte Weisner daran, dass die katholische Kirche viele Jahre lang den sexuellen Missbrauch als innerkirchliche Angelegenheit betrachtet hat. Noch im Jahr 2001 habe der heutige Papst und damalige Chef der Glaubenskongregation, Joseph Ratzinger, Anweisung gegeben, das Thema mit größter Verschwiegenheit zu behandeln. Mit Christian Weisner sprach Nordwestradio-Moderator Tom Grote.
Missbrauch in der katholischen Kirche, [5:55]
Der vatikanische Chefermittler in Fragen sexuellen Kindesmissbrauchs, Charles Scicluna warnte in Rom vor einer "fehlgeleiteten Sorge um den guten Ruf der eigenen Institution, die auf Kosten der legitimen Anzeige von Verbrechen geht". In der Vergangenheit waren Missbrauchsfälle in der katholischen Kirche mit dieser Begründung vielfach vertuscht worden. Eine Kultur des Verschweigens sei falsch und ungerecht.
Vor dem Hintergrund der Verschärfung der kirchenrechtlichen Regeln im Umgang mit Missbrauch in den vergangenen Jahren drang Scicluna auf die Umsetzung bestehender Normen. "Ein klares Gesetz allein schafft nicht Frieden und Ordnung, unser Volk muss wissen, dass das Gesetz angewandt wird", sagte er im Hinblick auf Richtlinien zur Aufarbeitung und Vorbeugung sexueller Übergriffe auf Kinder und Jugendliche. Sicherheit von Kindern müsse in der Kirche Vorrang haben. Wenn das Kirchenrecht nicht der ehrlichen Suche nach Wahrheit und Gerechtigkeit diene, sondern im Dienst von Einzelinteressen missbraucht werde, schaffe es Misstrauen.
220 hochrangige Geistliche aus der ganzen Welt folgten der Einladung nach Rom. Zum Thema "Missbrauch in der Kirche", hatten die Bischofskonferenzen in einigen Ländern bereits strenge Leitlinien verabschiedet. Ein Bericht von Tilmann Kleinjung, ARD-Korrespondent in Rom.
Alte Reflexe, neue Hoffnungen: Missbrauchskongress in Rom, [3:35]
Deutschland, Irland und die USA haben bereits Richtlinien erarbeitet. Doch andere Bischofskonferenzen sind noch nicht soweit. Beim Kongress erfahren viele Bischöfe der Weltkirche zum ersten Mal, welche Dimensionen der Missbrauch von Kindern durch Geistliche hat. Bis Mai 2012 müssen alle Bischofskonferenzen eigene Richtlinien zur Prävention und Bestrafung von Missbrauch vorlegen. Die kulturellen Unterschiede und Rechtslagen in den Ländern erschweren es der katholischen Kirche, eine gemeinsame Rechtsposition zu finden und zu vermitteln.
Mit dem Symposium will die katholische Kirche Zeichen setzen. Das Signal nach außen: "Wir haben das Problem erkannt, wir nehmen es ernst und wir wollen vermeiden, dass sich derlei wiederholen kann". Das Signal nach innen: "Wir schauen hin und ergreifen Maßnahmen, um sexuellen Missbrauch zu verhindern". In Vorträgen und Diskussionen soll das Problembewusstsein der Teilnehmer geschärft werden. Die Bischofskonferenzen sollen Anleitungen bekommen, um Handlungsleitfäden und Richtlinien zu verfassen.
Nordwestradio-Moderatorin Gaby Schuylenburg sprach mit Tilmann Kleinjung über das Treffen in der päpstlichen Universität.
Info: Nordwestradio Journal
![Globus mit Mikrofon davor [Quelle: Radio Bremen] Globus mit Mikrofon davor [Quelle: Radio Bremen]](/nordwestradio/sendungen/nordwestradio_journal/journal104_v-mediateaser.jpg)
Sendezeit:
Mo., - Fr.,
6:05 - 9 Uhr
12:08 - 13 Uhr
17:08 - 18:30 Uhr
Sa.,
8:05 - 9 Uhr
12:05 - 13 Uhr
Aktuelle Beiträge zum Hören
Alle Audios
Alle Beiträge aus dem Nordwestradio Journal in unserer Mediathek. Mehr...
Pro musica antiqua 1985: Festliches Barock-Konzert
Für die "Pro musica antiqua" 1985 hatte Radio Bremen den Flötisten Hans-Martin Linde und sein in Basel ansässiges Linde-Consort zu einem Konzert mit festlicher Barockmusik in die Ansgariikirche in Bremen eingeladen. Mehr...
26. Mai, 17:05 Uhr | Nordwestradio
Fontane: Unterm Birnbaum
Der Roman "Unterm Birnbaum" erschien 1885. Das scheinbar abseitigste Werk des alten Fontane wurde kaum beachtet. In zwanzig Kapiteln erzählt Fontane eine Mordgeschichte aus dem Oderbruch, die an ein dörfliches Macbeth-Drama erinnert. Mehr...
Poetry on the Road 2012
Vom 30. Mai bis 4. Juni 2012 ist Bremen mit dem Internationalen Literaturfestival "Poetry on the Road“ kultureller Treffpunkt für 24 Dichter aus 15 Nationen. Etablierte Autoren der Weltliteratur Seite an Seite mit hoch interessanten Neuentdeckungen bringen auf Einladung von Radio Bremen und der Hochschule Bremen die Weltsprache Poesie an die Weser. Mehr...
Suche
Nordwestradio durchsuchen:
Info und Service