12. August 2011, 7:05 Uhr
Projekt für Schiffahrtsmuseum
Überreste eines Schiffes im Schiffahrtmuseum Bremerhaven. Ein Forschungsprojekt soll neue Ausstellungsstücke bringen, die noch auf dem Boden der Nordsee liegen.
Das Schiffahrtsmuseum Bremerhaven hat vom Bundesforschungsministerium den Auftrag bekommen, den Meeresboden der Nordsee zu erforschen. 700.000 Euro bekommen das Team rund um Museumsdirektorin Ursula Warnke dafür. Die Archäologen erhoffen sich durch die Forschungen unter anderem Informationen über Kulturen aus der mittleren Steinzeit, die in der Nordsee versunken sind.
Bremerhavener Forscher begeben sich auf Suche nach versunkenen Schätzen: Historische Schiffswracks, Überreste von Siedlungen und Pflanzen wollen sie auf dem Boden der Nordsee finden. Bisher erstellt das Bundesamt für Seeschiffahrt und Hydrografie (BSH) zwar Karten, auf denen Schiffswracks und andere Hindernisse eingezeichnet sind. Doch ihre archäologische Bedeutung ist bisher nicht erschlossen. Mit den Geldern des Bundesforschungsministeriums wird die Direktorin des Schiffahrtsmuseums das mit ihrem Team jetzt ändern. "Der Bereich der Nordsee war zur mittleren Steinzeit festes Land", erklärt sie. "Es sind dort Menschen sesshaft gewesen, haben das Land durchstreift und auch ihre Hinterlassenschaften dort zurückgelassen." Diese Überreste sind auf dem Meeresboden gut geschützt: Sie sind von Sedimenten überlagert und es gibt keinen Sauerstoff, so dass Bakterien die Pflanzenreste und anderes organisches Material nicht zerstören.
Ursula Warnke im Gespräch, [5:03]
Direktorin des Deutschen Schiffahrtsmuseums Bremerhaven
Dort wo heute die Nordsee liegt, war vor rund 10.000 Jahren das Doggerland. Es verband das heutige europäische Festland mit dem heutigen Großbritannien. Durch den ansteigenden Meeresspiegel versank es in den Fluten. Mit ihm alle Hinweise auf die Jäger und Sammler, die dort lebten. Drei Jahre lang werden die Bremerhavener nun ihre archäologischen Spuren sammeln. Sie können Schiffe und Geräte des BSH benutzen und stellen einen Unterwasserarchäologen ein. Als speziell ausgebildeter Forschungstaucher soll er die Überreste der Siedlungen und Schiffswracks untersuchen können.
So funktioniert die Suche nach Schiffwracks
Das Schiffahrtsmuseum Bremerhaven untersucht den deutschen Teil der Nordsee, der nicht den Bundesländern zugeordnet ist und außerhalb der Zwölf-Seemeilen-Zone liegt (siehe Karte unten). Der Teil heißt offiziell "Ausschließliche Wirtschaftszone" und wird wegen seiner Form auch Entenschnabel genannt. Der Forschungsbereich ist umrahmt von den Gebieten der anderen europäischen Nordsee-Länder. Dort kümmern sich Archäologen bereits um den Meeresboden der Nordsee. Im deutschen Entenschnabel sind die Unterwasser-Schätze bisher nicht geschützt. Denn Denkmalschutz ist in Deutschland Sache der Bundesländer und deren Zuständigkeit endet an der Zwölf-Seemeilen-Grenze. "Das Bundesforschungsministerium hat ein großes Interesse, dass man jetzt im Rahmen dieses Projektes klärt, was eigentlich an archäologischer Substanz zu finden ist, damit man überlegen kann, wie weitere Schritte aussehen könnten", erklärt Warnke. Das könnte zum Beispiel bedeuten, dass die Funde als schützenswert eingestuft werden und so Plünderer von Schiffwracks zur Rechenschaft gezogen werden können.
Im Forschungsgebiet der Bremerhavener Archäologen liegen Offshore-Windparks, Erdgas-Förderplattformen, Rohrleitungen und Gebiete, in denen Kies abgebaut wird. Hier wird der Meeresboden bewegt und so werden möglicherweise archäologische Funde bedroht. Deswegen untersuchen die Forscher das ganze Gebiet. Die Ergebnisse könnten dann auch in die Genehmigungsverfahren für neue Bauvorhaben eingehen. Warnke möchte aber keine Bauvorhaben behindern: "Archäologen versuchen immer in Gesprächen aufzuklären: Den Menschen klar zu machen, dass es da womöglich etwas gibt. Man kann sich immer einigen." Sie hofft auf Kooperationen mit den Firmen, um die Flächen für geplante Bauvorhaben vorher zu untersuchen und die Schätze, die der Meeresboden versteckt hält, zu heben.
Hier forschen die Bremerhavener Archäologen:Info: Nordwestradio Journal
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