4. Dezember 2012, 8:20 Uhr
Serie im Nordwestradio
Weihnachtszeit – Geschenkezeit. Wir alle wollen ja mit Liebe, also mit dem Herzen schenken und mit den Geschenken Freude bescheren. Gute Vorsätze sind das, die aber viele von uns nicht so recht in die Tat umsetzen. Sie vergreifen sich, wenn sie Präsente einkaufen. Und so sorgen mit ihren weihnachtlichen Gaben eher für schlechte Laune als für festliche Dankbarkeit. Hans-Heinrich in unserer kleinen Serie über "Geschenke des Grauens" dieses Mal über Geschenkgutscheine.
Bei mir zuhause steht eine Schatulle, die macht mich zu einem wohlhabenden Menschen. Nicht die Schatulle selbst, sondern deren Inhalt. Wertpapiere, Aktien, kostbare Münzen oder wertvolle Briefmarken? Nein, Gutscheine. Geschenk-Gutscheine. Einladungen zu großartigen Menüs, zu Wochenendaufenthalten in Wellnesshotels, zu Kurztrips in europäische Metropolen, aber auch Gutscheine für Fußmassagen und Saunabesuche, Popkonzerte und Ballettabende. Würde ich die Gutscheine einmal nonstop abarbeiten, wäre ich auf einer halbjährigen Luxus-Event-Kultur-Gesundheitsreise. Ich würde zu einem neuen Menschen: gestartet als bleiches, kränkelndes und kulturell unterbelichtetes Wesen kehrte ich heim als braungebranntes, körperlich durchtrainiertes und kulturbeflissenes Mannsbild.
Die sich bei mir in der Schatulle türmenden Gutscheine bilden eigentlich ein Vermögen. Aber sie werfen trotzdem nichts, aber rein gar nichts ab, tragen nichts ein, bringen keinen Nutzen, geschweige denn Gewinn. All diese Gutscheine sind Muster ohne Wert. Ich werde sie niemals einlösen. Wie sollte ich denn auch? Ich würde viele Menschen, die mir irgendwann einmal in einer diffusen Geberlaune einen Gutschein überreichten, doch nur in Verlegenheit bringen, würde ich sie auf ihre Einladung ansprechen. Andere würde ich regelrecht brüskieren mit einer Erinnerung an ihre vermeintliche Großzügigkeit. Ich würde ja die Verwirklichung des Gutscheins einklagen. Und das wäre doch so richtig peinlich.
Denn mal im Ernst: Beim Gutschein geht es nicht um den Inhalt, die Tat, die konkrete Einladung. Beim Gutschein ist es allein die Geste, die zählt. Nicht die Tat. Gutscheine sind - meistens jedenfalls - verhuschte, schnell verteilte, flüchtig dahingeschrieben Papiere ohne echte Aussagekraft. Sie liegen wochen-, monate-, jahrelang herum, werden zu historischen Dokumenten des guten Willens, sie werden vergilbte Museumsstücke, mit denen man sein Leben dekorieren kann.
All die schön formulierten, blumig ausgeschmückten, rhetorisch ausgereiften Gutscheine mit dem Hinweis auf irgendein Datum in irgendeiner Zukunft, in der man mal irgendetwas Schönes machen kann, sind vergifte Nichtsnutz-Präsente. Sie liegen da als Absichtserklärungen ohne Chance auf Realisierung. Hände weg von Geschenk-Gutscheinen.
Vor welchen Geschenk-"Ideen" Hans-Heinrich Obuch sonst noch warnt, erfahren Sie auf der folgenden Seite:
Info: Nordwestradio Journal
![Globus mit Mikrofon davor [Quelle: Radio Bremen] Globus mit Mikrofon davor [Quelle: Radio Bremen]](/nordwestradio/sendungen/nordwestradio_journal/journal104_v-mediateaser.jpg)
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