11. Januar 2013, 6:15 Uhr
Nordwestradio Journal
Die Zeit wird knapp für den insolventen Offshore-Anlagenbauer "Nordseewerke" in Emden. Ende Januar geht dem Betrieb das Geld aus. Die mehr als 700 Mitarbeiter können nicht mehr bezahlt werden. Ihnen droht die Entlassung. Seit Monaten suchen Geschäftsführung, Insolvenzverwalter, Gläubiger und das Land Niedersachsen händeringend einen Investor.
Die Stimmung der Werftarbeiter ist am Boden: Sie fürchten die Entlassung aus ihrem Betrienb
Der ist nun offenbar nun gefunden. Doch die Stimmung in Emden ist am Boden. Denn: Die Nordseewerke bleiben offenbar nur als Fragment erhalten.
Reportage:
Siag Nordseewerke: Neuer Investor, weniger Arbeitsplätze?, [3:36]
Ein Beitrag von Nordwestradio-Reporter Thomas Stahlberg
Eduard Dinkela, Pressesprecher der Stadt, steht im Nieselregen vor dem Werkstor der Nordseewerke, einst eine der größten Schiffswerften im Norden. Heute kämpfen die Nordseewerker um 700 Arbeitsplätze für die kriselnde Offshore-Branche. Doch die wochenlang das Bild beherrschende Mahnwache ist längst abgezogen. Die Feuertonne vor dem Tor brennt nicht mehr. Die Weihnachtswünsche der Nordseewerker, die sie an der großen Tanne aufgehängt haben, sind heruntergefallen. Es bleiben mehr als 700 Holzkreuze – für jeden Arbeitsplatz eines. Oder kurz gesagt: Totenstille und keine Hoffnung auf den Nordseewerken.
Die DSD Steelgroup aus Saarlouis ist der einzig verbliebene Interessent und wird auch wohl das Rennen ohne Gegner machen. Und sie hat angekündigt: 240 Mitarbeiter dürfen bleiben, 500 müssen gehen. DSD will erstmals Offshore bauen, kann aber auch Aufträge für Brücken, Wasserwehre oder Kranbau mitbringen. Die Stimmung auf der Werft ist entsprechend gedrückt. "Zwei von drei Männern, die in einer Reihe stehen, müssen gehen", sagt Nordseewerke Betriebsrat Heinz-Günter Schäfer. "Die 500, die nicht übernommen werden, kommen wohl in eine Transfergesellschaft. Das Land hat seine Unterstützung zugesagt".
Aufgabe der Gesellschaft soll es sein, die entlassenen Nordseewerker in neue Arbeit zu transferieren. "Ob das in Ostfriesland funktioniert, bleibt abzuwarten", sagt Michael Hehemann von der IG-Metall. Das heißt nichts anderes als: "Rette sich, wer kann", so der IG-Metall-Vertreter. Wobei: Noch ist nicht mal sicher, dass die DSD Steelgroup die Nordseewerke überhaupt übernimmt. Die Nord-LB muß noch zustimmen, und damit auch das Land, sagt die IG Metall. Aber mangels anderer Übernahmekandidaten – und damit das Thema endlich vom Tisch ist – wird der Verkauf wohl spätestens Mitte Januar verkündet, Hehemann resignierend.
Auf der Werft geht nun die Frage um, wer zu den glücklichen 240 gehört und wer in einen der 500 sauren Äpfel beißen muss. Welche bittere Pille die 240 verbleibenden vermeintlich Glücklichen dann schlucken müssen, lässt sich wohl nur erahnen, sagt Michael Hehemann von der IG-Metall: "Wir rechnen mit harten Verhandlungen: Der Lohn wird wohl stark sinken, die Anzahl der Urlaubstage auch und nicht wenige befürchten, das das endgültige Ende der ehemaligen Traditionswerft nur noch ein deutliches Stück näher rückt".
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Info: Nordwestradio Journal
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