2. Februar 2012, 8:10 Uhr
Serie im Nordwestradio
Die 48. Münchner Sicherheitskonferenz findet in diesem Jahr vom 3. bis 5. Februar statt. Hochrangige Teilnehmer aus aller Welt haben sich angesagt. Die Sicherheitskonferenz will ein Forum zur intensiven Diskussion der aktuellen und zukünftigen sicherheitspolitischen Herausforderungen bieten.
Im Vorfeld der Münchner Sicherheitskonferenz schauen wir auf die Machtzentren dieser Welt und fragen, wie sind die aktuellen Kräfteverhältnisse, wer sind zukünftige strategische Partner, wo gibt es die größten Verschiebungen?
Erst vor kurzem ist unter großer internationaler Aufmerksamkeit der amerikanische Flugzeugträger "Abraham Lincoln" durch die Straße von Hormus in den Persischen Golf eingefahren. Britische und französische Kriegsschiffe bildeten das Geleit, aber ohne auf Widerstand zu stoßen. Die Straße von Hormus gehört zu den wichtigsten Schifffahrtsrouten weltweit, bildet sie doch die Seeverbindung zu den Öllieferanten im Nahen Osten.
Einer der Anrainerstaaten ist der Iran, der mit den westlichen Nationen seit Jahren über das Atomprogramm streitet. Eine Konfrontation die, wenn sie sich im aktuellen Ausmaß weiter zuspitzt, zum Ende des Jahres erneut zu einem Krieg in der Region führen könne, sagt der Nahost-Korrespondent Ulrich Tilgner. Und der Iran ist nicht der einzige Unruheherd. Der weiterhin instabile Irak, der Bürgerkrieg in Syrien oder die ungelösten Probleme im Jemen - der persische Golf sei nach wie vor eine Region der Krise, so Tilgner. Mit dem in Bremen geborenen Nahost-Korrespondeten sprach Nordwestradio-Moderator Hans-Heinrich Obuch.
Sicherheit am persischen Golf, [5:59]
Neben der wachsenden politischen wie militärischen Macht Chinas verfügt das riesige Land auch über einen enormen wirtschaftlichen Einfluss. So verfügt China über die größten Vorkommen an "Seltenen Erden" weltweit. Zu den Metallen der Seltenen Erden gehören insgesamt 17 Elemente, die für die Produktion von Mobiltelefonen, Windkraftanlagen, Kernspintomografen oder Batterien für Hybridautos benötigt werden.
Mit ihrem Zugang zu den Seltenen Erden betreibt die chinesische Regierung Politik, verknappt das Angebot je nach Marktlage. Die westlichen Industriestaaten sind von der Versorgung aus China abhängig, galten die Umweltkosten bei der Gewinnung von Seltenen Erden doch lange als viel zu hoch. Und China produzierte konkurrenzlos günstig.
Die günstige Produktion Chinas hat aber auch ihren Preis. Die umweltpolitischen und gesundheitlichen Folgen des ungebremsten Wachstums zahlen die Menschen, die in den Minen arbeiten oder in den Abbaugebieten leben. China-Korrespondentin Ruth Kirchner berichtet.
Chinas Rohstoffpolitik: Ein hoher Preis für Abbau seltener Erden , [6:52]
Die ganz zentrale Rolle werde Europa nicht mehr spielen, sagt Herfried Münkler, Politikwissenschaftler an der Humboldt-Universität Berlin. Aber das sei ja eigentlich schon seit 1989 bzw. 1991 der Fall, als die zentrale Herausforderung mit dem Ende der Sowjetunion weggefallen sei.
Doch seien die Probleme insbesondere an der Peripherie Europas auch weiterhin zu groß, als dass die USA Europa nicht weiterhin im Auge behalten müssten, so Münkler. Allerdings würden an Europa nun größere Herausforderungen gestellt, sich um die Sicherheit seiner Peripherie verstärkt selbst zu kümmern. Eine Frage, in der speziell der Zusammenhalt Europas von großer Bedeutung sein werde, sagt Herfried Münkler im Gespräch mit Nordwestradio-Moderator Hans-Heinrich Obuch.
Welche Rolle spielt Europa?, [5:30]
China strebe keine Vormachtstellung an und werde das auch in Zukunft nicht tun, sagt der Verteidigungsminister des Landes. Allerdings rüstet China seit Jahren auf. Letzten Sommer brach der erste Flugzeugträger des Landes, gebaut aus den Restbeständen der Sowjetunion, zu seiner Jungfernfahrt auf. Darüber hinaus arbeitet das Land an der Entwicklung eines eigenen Tarnkappenbombers und verteidigt mit Nachdruck seine Ansprüche im südchinesischen und im gelben Meer.
Und China beobachtet mit Misstrauen, wie die Vereinigten Staaten ihre lange vernachlässigte Rolle im Pazifik wieder entdecken. Dem will China etwas entgegensetzen. Sicherheitspolitisch werde sich deshalb der Fokus verstärkt auf Asien richten, sagt Peking-Korrespondentin Ruth Kirchner. Mit ihr sprach Nordwestradio-Moderator Hans-Heinrich Obuch.
China und die globale Kräfteverschiebung nach Fernost, [3:12]
Julia Hummelsiep
Am militärischen Bündnis mit Europa wolle man festhalten, sagte US-Präsident Barack Obama. Dennoch werden die Amerikaner ihre militärische Präsenz in Europa reduzieren. Der künftige Schwerpunkt des US-Militärs wird in Asien und im Nahen Osten liegen. Ein Strategiewechsel, dem neben Sicherheitserwägungen auch Sparzwänge zugrunde liegen. Denn das US-Militär soll kleiner werden, knapp eine halbe Billion Dollar soll im Verlauf der nächsten zehn Jahre eingespart werden. Über die strategische Neuausrichtung der USA sprach Nordwestradio-Moderator Hans-Heinrich Obuch mit USA-Korrespondentin Julia Hummelsiep.
Asien statt Europa: Militärischer Strategiewechsel der USA, [3:07]
Wenn es um die Machtzentren dieser Welt geht, fällt immer häufiger der Name China. Ein Riesenreich mit 1,3 Milliarden Einwohnern. Wirtschaftlich hat China in den vergangenen Jahren stark aufgeholt und auch militärisch zeigt sich Peking mit gewachsenem Selbstbewusstsein. Muss das neue, starke China uns Europäern Angst machen? Über diese und weitere Fragen sprach Nordwestradio-Moderator Hans-Heinrich Obuch mit Eberhard Sandschneider, Politikwissenschaftler und Leiter des Forschungsinstitutes der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik in Berlin.
Info: Nordwestradio Journal
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