14. Januar 2013, 6:45 Uhr
Nordwestradio Journal
Wer seinen Kummer nicht mehr aushält, ruft vielleicht die Telefonseelsorge an, um Trost zu finden. Was aber, wenn die Probleme so sehr mit einem ganz speziellen Berufsbereich verknüpft sind, dass jeder Außenstehende ratlos davorsteht? So ein spezieller Bereich ist die Landwirtschaft. Die Eigenheiten dieser Branche beeinflussen Familienleben, Liebesbeziehungen und Generationskonflikte. Seit rund 20 Jahren gibt es deshalb in Niedersachsen das "Landwirtschaftliche Sorgentelefon".
Die Landwirtschaft spielt eine starke Rolle auch im Familienleben der Landwirte
Eine Anruferin klagt über ihre Mehrfachbelastung in ihrem bäuerlichen Haushalt und Betrieb. Sie muss nicht zuletzt auch ihre chronisch kranken Kinder pflegen. Es dauert eine gewisse Zeit in diesem anonymen Telefongespräch, bis die Mitarbeiterin des Landwirtschaftlichen Sorgentelefons dahinter kommt, was der Anruferin eigentlich auf der Seele brennt: Sie erhält überhaupt keinen Rückhalt von ihrem Ehemann. "Der Mann hat sich in die betriebliche Arbeit geflüchtet", sagt die Mitarbeiterin der Telefonseelsorge.
Die Anruferin mag geahnt haben, wo ihr seelischer Druck herkam. Nun hat sie es aber einmal gehört, hat es selbst endlich mutig aussprechen dürfen und hat ein offenes Ohr gefunden. Ihr gute Ratschläge zu geben, ist nicht das Ziel des Sorgentelefons. Aber die Frau verspürt deutliche Erleichterung. Sie hat ihre beklemmende Situation einmal in Worte fassen können – vielleicht sogar als Vorbereitung auf ein dringend notwendiges Gespräch mit ihrem Mann.
Kontakt
Der Standort Rastede des Landwirtschaftlichen Sorgentelefons ist unter 04402- 84488 zu erreichen. Von einem Anrufbeantworter erfährt man die Zeiten, wann man anrufen kann.
Henning Hölscher leitet das Landwirtschaftliche Sorgentelefon, das seit 20 Jahren in Rastede angesiedelt ist. Drei Standorte gibt es insgesamt in Niedersachsen. Die typischen Problemfelder haben fast immer mit der Landwirtschaft zu tun, sagt der Leiter, aber sie reichen emotional weit ins Miteinander der Großfamilie hinein. Manchmal verstünden sich Vater und Sohn nicht, manchmal sei die eingeheiratete Schwiegertochter ein Problem oder die jüngere Familie sei sich mit der älteren Familie uneins, berichtet Hölscher. "Wer gibt die Richtung vor, was können wir uns noch leisten im Betrieb?", seien die Fragen, um die es immer wieder gehe.
Die ehrenamtlichen Mitarbeiter des Sorgentelefons kommen selbst aus der Landwirtschaft und haben Erfahrung mit den typischen Problemen. Sie haben eine Ausbildung in Gesprächsführung und sind durch Selbsterfahrungsseminare aufgeschlossen und einfühlsam. Ganz wichtig: Alle Gespräche sind vertraulich und anonym. Darauf muss sich jeder Anrufer absolut verlassen können. Auf dem Land ist es nämlich schwierig, Geheimnisse zu haben.
Freigeschaltet war das Landwirtschaftliche Sorgentelefon bisher stundenweise jeweils montags. Nun wurde aber der Zeitplan auf weitere Tage und Tageszeiten erweitert, denn es kommen landesweit immerhin bis zu 180 Anrufe jährlich herein. "Es ist gut, dass die Standorte auf die Niedersächsischen Regionen verteilt sind", sagt Geschäftsführer Hölscher in Rastede. Die erdverbundene Landbevölkerung möge die Nähe. Neben dem Standort Rastede gibt es noch den Standort Oesede bei Osnabrück und den Standort Barendorf bei Lüneburg.
Landwirtschaftliches Sorgentelefon, [3:25]
Hilfe für einen speziellen Berufsbereich
Landwirtschaftliches Sorgentelefon Niedersachsen
Info: Nordwestradio Journal
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