21. Mai 2013, 17:45 Uhr
Nordwestradio Journal
Sven Olaf Thater ist Steinmetz in Friedeburg, wo er in seinem Betrieb "Steingerecht" arbeitet. Der 45-jährige Ostfriese hat einen Traumjob, sagt er. Denn vor anderthalb Jahren hat ihn die griechisch-orthodoxe Kirche engagiert, um Teile der Grabeskirche Jesu in Jerusalem zu restaurieren. Von Ostfrieslands Weiten ging es für Thater an den heiligsten Ort der Welt.
Die Grabeskirche könnte Thaters Lebenswerk als Steinmetz werden.
Alltag ist für den weitgereisten Wahlostfriesen Sven Olaf Thater das Meißeln an einem Grabstein. Doch vor etwa anderthalb Jahren erreichte ihn plötzlich eine E-Mail, die diesen Alltag veränderte. "Da bin ich direkt angesprochen worden, das heißt, da muss man wohl etwas gehört haben von mir", so Thater. Genauer nachfragt hat er bis heute jedoch nicht.
Sein Auftrag ist jetzt die Restaurierung der griechisch-orthodoxen Kapelle der 12 Apostel in der Grabeskirche in Jerusalem. Der Zustand der Grabeskirche sei schon beklagenswert, sagt Thater. Der Steinmetz aus Ostfriesland darf sich ein Team zusammenstellen und fliegt nun regelmäßig nach Israel. Seine Freiluftwerkstatt hat er auf dem Ölberg. "Unsere Säge steht neben dem Raum, wo Jesus seinen Jüngern erschienen ist durch die geschlossene Tür und sich zurückgemeldet hat", erzählt Sven Olaf Thater.
Sechs Konfessionen teilen sich den heiligen Ort, der bereits dreimal in den vergangenen 1.000 Jahren durch Brände vernichtet wurde. Die griechisch-orthodoxe Gemeinde lässt von Thater und seinem Team die
nichtöffentliche Kapelle wieder herrichten. Diese bekommt eine neue Mauer, Steine werden ausgetauscht und eine Kuppel wird neu aufgebaut. Die Arbeit vor Ort ist nicht immer leicht. Alles müsse genau geplant werden, sonst funktioniert es nicht, sagt Thater. Die Steine kommen aus Bulgarien, der Sand aus Deutschland – denn in Israel ist vieles anders. "Es gibt in Israel keinen Baumarkt", sagt der Ostfriese. Gerade was professionelles Werkzeug betreffe sei es schwierig. Dies müsse vorher organisiert und nach Israel gebracht werden.
Thater wohnt direkt neben der Grabeskirche im Kloster. Und ab und zu besucht er auch das Jesugrab. Anfangs mit einem besonderen Gefühl an dem Heiligen Ort. Aber: "Dieses Heilige lässt irgendwann schon nach, denn es fängt morgens um sechs mit den ersten Pilgergruppen an", so Thater. "Die Pilger rauschen an und es summt". Dies dauere den ganzen Tag an bis die Tore geschlossen werden. "Irgendwann ist dann Schluss mit Heiligkeit."
Verewigt hat er sich auch schon, wie es Steinmetze tun. Sein Zeichen – seine Initialen aus germanischen Runen – hat er in von ihm restaurierte Fenstersimse gemeißelt. Und etwas von heute für nachfolgende Generationen hinhterlassen. "Wir haben in diesem Stein eine Zeitkapsel hinterlassen, mit einem Papierstück drin aus säurefreiem Papier", berichtet Thater von seiner Arbeit vor Ort. Darauf seien die Namen der Mitwirkenden mit Kohle geschrieben worden und mit aktuellen Geldmünzen und Kleinigkeiten zusammen in die Kapsel getan worden.
Thater ist sich sicher – der Zustand der Grabeskirche könnte seine Arbeit zur Lebensaufgabe machen. So viel wäre zu tun. Und das wird er auch seinem lieben Gott sicher auch mal sagen, wenn er im Herbst wieder für einige Wochen nach Jerusalem geht. "Ich bete da nicht, ich halte zwar meine Zwiegespräche mit dem lieben Gott, aber ansonsten bin ich halt Mensch". Wird er vor Ort nach seiner Religion gefragt antwortet er immer: "I am human" – ich bin Mensch.
Info: Nordwestradio Journal
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