29. Januar 2013, 12:40 Uhr
Nordwestradio Journal
Der hohe Arbeitsstress in allen Branchen kostet die Wirtschaft pro Jahr zehn Milliarden Euro. Psychische Belastungen sind die Hauptursache dafür, dass Arbeitnehmer vorzeitig Rente beantragen müssen, jeder Zweite steht unter starkem Zeit- und Termindruck. Das sind Ergebnisse zum "Stressreport Deutschland 2012", der am 29. Januar 2013 in Berlin vorgestellt wurde.
Ein großer Teil der Arbeitnehmer verkraftet Dauerbelastungen zunehmend schlechter.
Ein großer Teil der Arbeitnehmer verkraftet die Dauerbelastungen durch Zeitdruck, ständige Unterbrechungen der Arbeit, Multitasking und Monotonie zunehmend schlechter. Dem Report zufolge müssen 58 Prozent der Arbeitnehmer dauernd mehrere Dinge gleichzeitig erledigen. 44 Prozent werden ständig unterbrochen, etwa durch E-Mails und Telefonate. Als belastend empfinden den Zeitdruck aber nur 34 Prozent der Befragten, die Arbeitsunterbrechungen jeder Vierte.
Jeder Zweite empfindet ständig wiederkehrende Arbeitsvorgänge als belastend. Nach Angaben der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin, die den Report erstellt, sind die psychischen Anforderungen und Belastungen seit 2006 unverändert.
Ausgleichend wirkt für die meisten die als gut empfundene Zusammenarbeit im Betrieb und die Hilfe von Kollegen. Ein Großteil der Arbeitnehmer können sich ihre Arbeit zumindest in Grenzen einteilen, fast 60 Prozent fühlen sich vom Chef unterstützt. Diese Faktoren sorgen dafür, dass der Stress unterschiedlich stark empfunden wird und nicht zwangsläufig zu Krankheiten führt.
Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) bilanzierte bei der Vorstellung des Reports, eine Folge des Drucks seien allein 2011 bundesweit 59 Millionen Fehltage aufgrund psychischer Erkrankungen. Das Thema psychischer Arbeitsschutz müsse aus der Tabuzone herausgeholt werden. Von der Leyen bedauerte, dass Arbeitgeber und Gewerkschaften sich nicht auf eine gemeinsame Strategie gegen zuviel Stress am Arbeitsplatz verständigen konnten. Eine "Anti-Stress-Verordnung" sei aber nur sinnvoll, wenn die Inhalte geklärt seien.
Zuvor waren die Verhandlungen über eine gemeinsame "Erklärung zur psychischen Gesundheit bei der Arbeit" zwischen Arbeitgebern, den Gewerkschaften und dem Bund gescheitert. Der Deutsche Gewerkschaftsbund und die IG Metall machten dafür die Arbeitgeber verantwortlich. Sie hätten auf der Zielgeraden einen Rückzieher gemacht, erklärte DGB-Vorstandsmitglied Annelie Buntenbach. Notwendig seien klare Regeln und Sanktionen für Unternehmen, die dagegen verstoßen.
Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt erklärte, man habe in vielen Punkten Einigkeit erzielt, insbesondere in Hinblick auf Verbesserungen am Arbeitsplatz. Die Gewerkschaften wollten aber eine neue Rechtsverordnung, während die Arbeitgeber dies für unnötig hielten. Man werde die Gespräche fortsetzen. Zum Stressreport sagte Hundt, psychische Störungen aufgrund von Arbeitsbelastungen hätten nicht zugenommen, würden aber häufiger diagnostiziert.
Der Stressreport wird von der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin erstellt. Er basiert auf einer repräsentativen Befragung von rund 17.600 Erwerbstätigen aus allen Branchen.
Der "Stressreport" 2012 ist da, [4:43]
Gespräch Kerstin Lohse
Arbeiten bis der Arzt kommt
Dazu die Arbeitsmedizinerin Bettina Stein.
Info: Nordwestradio Journal
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