25. Januar 2013, 6:40 Uhr
Nordwestradio Journal
In Niedersachsen soll der Schutz der Moore ausgebaut werden, wenn es nach dem scheidenden Umweltminister Stefan Birkner (FDP) geht. Das dürfte auch der "Bürgerinitiative zum Erhalt unserer Moore" in Gnarrenburg gefallen. Denn in der Gemeinde zwischen Bremen und Bremervörde gibt es jede Menge Moor und Betriebe, die Torf abbauen. Doch die sehen das Problem in der Landwirtschaft.
Industrieller Torfabbau schadet der Landschaft und dem Klima, so die Bürgerinitiative.
In Augustendorf bei Gnarrenburg stehen kleine Birkenwälder, Moorkaten und Bauernhöfe wie aufgefädelt entlang eines tief liegenden Grabens. Ringsherum ist überall Moorlandschaft. Riesige Berge von Torf, die täglich bis nach Südeuropa exportiert werden, sind zu sehen. Rund 270.000 Kubikmeter Fertigware wird hier produziert, sagt Manfred Bischoff, Geschäftsführer des Torf- und Humuswerks Gnarrenburg.
Fertigware ist Blumenerde aus Torf und diversen Beimischungen. Jährlich wird dem Moor um das Dörfchen Augustendorf so viel Torf entnommen, dass der Kölner Dom davon überquellen würde. Nun will sich noch ein weiteres Torfwerk ansiedeln. Dagegen setzt sich seit drei Monaten eine neu gegründete Bürgerinitiative zur Wehr. Schlimm sei für sie die Zerstörung der Landschaft, sagt Kerstin Klabunde. Außerdem kritisiert sie die Zerstörung des Torfs als Wasserspeicher und befürchtet Hochwasser. Damit Bauern ihr Land und somit ihre Lebensgrundlage nicht verlieren, fordert die Bürgerinitiative deshalb einen Stopp des industriellen Torfabbaus.
Außerdem weist Klabunde auf Moorboden als CO2-Speicher hin. "Das ist im Prinzip der Wert eines tropischen Regenwaldes, den wir hier haben", so die Moorschützerin. Manfred Bischoff sagt dagegen, dass es intakte Moore in Deutschland gar nicht mehr gebe. Abgebaut werde lediglich auf bereits degenerierten Flächen, die ökologisch kaum noch einen Wert hätten.
Vorgeschädigt seien diese Gebiete vor allem durch die Landwirtschaft. Denn Trockenlegung habe das Moor zersetzt – damit werde Jahr für Jahr auch CO2 freigesetzt, so Bischoff. Der Geschäftsführer des Torf- und Humuswerks sieht also in der Landwirtschaft das Problem. Er argumentiert außerdem, dass jede Torffläche nach ihrem Abbau, also nach rund 20 Jahren, renaturiert werde. Damit werde das Gebiet für die Ewigkeit unantastbar. Sehr langsam könne sich dann ein neues Moor mit neuem Leben entwickeln.
Auch Rotenburgs Landrat Hermann Luttmann kann das nachvollziehen. Er will jetzt ein Gutachten, ob der Torfabbau tatsächlich zu mehr Überflutungen führt, in Auftrag geben. Und er will, ganz im Sinne der Bürgerinitiative, einen runden Tisch, an dem sich Landwirte, Anwohner, Naturschützer und Vertreter der Torfindustrie treffen. Voraussetzung dafür sei aber, dass alle Beteiligten bereit sein müssen, von ihren Standpunkten abweichen zu können, so Luttmann. Nur so könne man eine Einbigung in der Torf-Frage in Gnarrenburg erreichen.
Streit um Auswirkungen von Torfabbau in Gnarrenburg, [3:31]
Eine Reportage von Jens Schellhass
Ende des Torfabbaus im Teufelsmoor
Torfabbau contra Landwirtschaft
Düstere Zukunft für Niedersachsens Moore?
Info: Nordwestradio Journal
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