16. April 2013, 7:20 Uhr
Nordwestradio Journal
Mehr als 20 Windparks sollen in der deutschen Nordsee entstehen. Dazu gehört auch "Global Tech 1", ein Park mit 80 Anlagen, 180 Kilometer vor Bremerhaven. Dafür müssen Stahl-Fundamente für die Windkraft-Anlagen, sogenannte Tripoden, fest im Meeresboden verankert worden. An einem Schwerlastkai in Bremerhaven werden sie auf ein Spezialschiff verladen.
Tripoden sind riesige dreibeinige Stahlfundamente für Offshore-Windkraftanlagen.
Der gewaltige Kran des Offshore-Bauschiffes "Innovation" fährt aus, Stahlseile surren über Laufräder hinweg und der metergroße Haken rastet ein. Das Stahl-Fundament einer Windkraftanlage soll an Bord gehievt werden. Es ist der Moment, in dem absolut nichts schiefgehen darf. Hier werden 900 Tonnen gehoben – so viel wie 900 Autos. Bislang ist immer alles gut gegangen, keine Komplikationen, versichert Bettina Schwarz, Pressesprecherin von "Global Tech 1".
Tripod-Verladung für Windparks in Bremerhaven, [3:32]
Fundamente für Offshore-Windparks
Eine Tour mit drei Fundamenten, inklusive Fahrtzeit hin und zurück, schaffen die Fachleute in etwa zwölf Tagen, sagt Schwarz. Aber erst einmal müssen die Stahl-Ungetüme von Land auf das Schiff des Baukonzerns "Hochtief" gehoben werden. Unter jedem der drei Stahlbeine des Fundaments steht am Kai ein spezielles Raupenfahrzeug. Mit diesen funkgesteuerten Transportern manövrieren Mitarbeiter des Hafenunternehmens BLG das Schwergewicht in die richtige Position.
Innerhalb kurzer Zeit ist der Stahl-Koloss mehrere Meter angehoben. Die Raupenfahrzeuge können zur Seite gefahren werden.
Die Abläufe sind schon gut eingespielt, findet Annette Schimmel, Leiterin "Strategische Projekte" beim Hafenunternehmen BLG. "Da ist ein Wissen entstanden, das es ja vorher so gar nicht gab. Da hat man sich zusammengesetzt und überlegt, wie packen wir das an", erzählt sie. Inzwischen würden zunehmend auch andere Länder von dem Bremerhavener Wissen profitieren. Man überlege nun, wie man dieses Know-how weiter ins Ausland exportieren könne, sagt Schimmel. Offshore-Logistik soll also vermarktet werden.
Drei der riesigen Fundamente, gebaut bei der Firma "Weserwind" in Bremerhaven, werden nun an Bord der "Innovation" gehoben. Verantwortlich für den Aufbau der Stahl-Fundamente im Meer ist Olaf Braun. Auch da draußen ist Maßarbeit gefordert, sagt er. "Wenn wir den Tripod absetzen, ist es für uns absolut notwendig, dass er gerade abgesetzt wird". 0,5 Prozent Schräglage in einer Achse sei der Toleranzbereich. Um die Maße zu kontrollieren, werden auch Tauchroboter eingesetzt. In einer Wassertiefe von 40 Metern wird der Tripod mit Stahlrohren verankert, die zuvor in den Boden gerammt wurden.
Trotz aller Kritik an der Offshore-Windkraft halten die "Global Tech"-Gesellschafter, darunter die Stadtwerke München und die "Windreich AG", an ihren Plänen für die neue Industrie fest. Die hohen Investitionen würden sich auszahlen. Ohne Windkrafterzeugung auf hoher See sei die Energiewende nicht zu schaffen, sagt Bettina Schwarz von der Projektgesellschaft. Sie fordert mehr Unterstützung von der Bundesregierung.
Es sei wenig hilfreich, wenn Äußerungen kämen, dass Vergütungen rückwirkend gekürzt werden sollen. Für die Wirtschaftlichkeit eines Projektes sei so etwas schwierig.
Von einer Offshore-Flaute mag auch BLG-Managerin Annette Schimmel nicht sprechen. Die Industrie werde wachsen, und deshalb muss ihrer Ansicht nach auch so ein Projekt wie der geplante Offshore-Schwerlasthafen nach Bremerhaven kommen. Ansonsten sehe sie ein immer wiederkehrendes deutsches Problem: "Man ist halt recht gut am Anfang, man hat Know-how. Und das Geschäft machen dann am Ende wieder die anderen, weil man zu zögerlich ist oder sich nicht traut", so Schimmel.
Hubschiff "Innovation" wird in Bremerhaven getauft
Info: Nordwestradio Journal
![Globus mit Mikrofon davor [Quelle: Radio Bremen] Globus mit Mikrofon davor [Quelle: Radio Bremen]](/nordwestradio/sendungen/nordwestradio_journal/journal104_v-mediateaser.jpg)
Sendezeit:
Mo., - Fr.,
6:05 - 9 Uhr
12:08 - 13 Uhr
17:08 - 18:30 Uhr
Sa.,
8:05 - 9 Uhr
12:05 - 13 Uhr
Alle Audios
Alle Beiträge aus dem Nordwestradio Journal in unserer Mediathek. Mehr...
Zwischen Mythos und Moderne
Das 1990 gegründete Ensemble möchte altbekannte Hörgewohnheiten verändern und sie auch konservativerem Publikum nahe bringen. Dabei hilft die Verflechtung mit anderen Künsten wie Tanz, Schauspiel, Film oder Malkunst. Wir präsentieren einen Mitschnitt vom Januar in der St. Ansgari-Kirche in Oldenburg. Mehr...
5. Juni, 20:05 Uhr | Nordwestradio
Lesebuch: Anna Seghers
In den aktuellen Folgen des Lesebuchs hören Sie den Roman "Aufstand der Fischer von Sankt Barbara" von Anna Seghers. Mehr...
radiobremen.de nun auch mobil
Seit Februar 2013 ist der Radio-Bremen-Web-Auftritt unter der Adresse "m.radiobremen.de" auch mobil abrufbar. Das gilt natürlich auch für die Homepage des Nordwestradio. Mehr...
Info & Service
Plattdeutsches bei Radio Bremen
Mögen Sie Plattdeutsch? Oder wollen Sie es lernen? In unserem Plattdeutsch-Spezial bieten wir Ihnen einen Anfängerkurs mit den wichtigsten Regeln und vielen Übungen. Mehr...
Neues Digitalradio-Angebot
Radio Bremen hat ein neues Digitalradio-Angebot gestartet. Damit können Sie das Nordwestradio in rauschfreier Qualität empfangen. Mehr...
Jetzt auf radiobremen.de
Werder Bremen: Neuer Trainer Dutt wird heute vorgestellt
Bessere Arbeitsbedingungen: ENO-Mitarbeiter treffen sich zu Betriebsversammlung
Streit um Beratungsstelle: SPD-Fraktionschef will Rat und Tat-Zentrum erhalten
Böhrnsens Türkei-Reise: "Wichtig, sich mal sehen zu lassen"