17. Januar 2012, 12:50 Uhr
Nordwestradio Journal
Zum "Unwort des Jahres 2011" ist der Begriff "Döner-Morde" gewählt worden. "Damit wurden von Polizei und Medien die von einer neonazistischen Terrorgruppe verübten Morde an zehn Menschen bezeichnet", sagte die Sprecherin der "Unwort"-Jury, Sprachwissenschaftlerin Nina Janich, am 17. Januar 2012 in Darmstadt.
Unwort des Jahres 2011: Döner-Morde
Das Schlagwort verharmlose und sei eine sachlich unangemessene, folkloristisch-stereotype Etikettierung. "Döner-Morde" waren 269 Mal eingereicht worden, der Begriff lag an der Spitze. Damit waren im vergangenen Jahr die Morde an acht türkischstämmigen und einem griechischen Kleinunternehmer bezeichnet worden, die später einem gemeinsamen rechtsextremen Hintergrund zugeordnet werden konnten. Janich zählte auch den Mord an einer Polizistin mit.
Unwort des Jahres 2011 ist "Döner-Mord", [2:30]
Ein Bericht von Nordwestradio-Reporter Stefan Willert
Das "Unwort des Jahres" wird seit 1991 jährlich gekürt. Bis einschließlich 1993 gab die Gesellschaft für Deutsche Sprache (GfdS) in Wiesbaden das "Unwort" bekannt. Dort wird auch bereits seit 1978 das Wort des Jahres gekürt. Bei der Wahl zum Unwort des Jahres 1993 gab es Streit, weil der vom damaligen Bundeskanzler Helmut Kohl geprägte "kollektive Freizeitpark" nur auf Platz zwei der Unwörter gelandet war. Unwort des Jahres" wurde damals "Überfremdung".
Der Initiator und Sprecher des "Unworts", der Frankfurter Professor Horst Dieter Schlosser, nahm den Streit zum Anlass, das Unwort künftig unabhängig von der GfdS zu verkünden, um vor dem Verdacht der Zensur geschützt zu sein. Ab 1994 wurde das Unwort des Jahres daher an der Goethe-Uni in Frankfurt verkündet. Nach Schlossers Ruhestand übernahm die Rolle als Jury-Vorsitzende die Darmstädter Professorin Nina Janich. Das "Unwort des Jahres 2010" war "alternativlos".
Info: Nordwestradio Journal
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