25. Januar 2012, 7:20 Uhr
Nordwestradio Journal
Wer heute auf einer Landkarte nach einem Dorf namens "Wahn" sucht, der wird fündig im Emsland. Unweit der Transrapidteststrecke liegt der Ortsteil von Lathen. Doch dieses "Wahn" gibt es erst seit den 40er Jahren. Das ursprüngliche Dorf mit diesem Namen lag einige Kilomter weiter östlich und wurde 1942 auf Geheiß des Führers zunächst entvölkert und anschließend vollkommen zerstört.
Denn unweit des alten Dorfgeländes wurden seit 1877 die Kanonen aus dem Hause Krupp getestet. Schon im ersten Weltkrieg war deshalb im Gespräch, das Dorf aus der Schusslinie zu entfernen. Doch als der Krieg verloren ging, blieb Wahn zunächst erhalten. Bis das Dorf dann 1942 auf Anweisung des Führers aus dem Weg geräumt wurde, um Platz für einen "kriegswichtigen" Schießplatz zu schaffen. Die rund 1.000 Dorfbewohner mussten weichen.
Einige Dorfbewohner erhielten Hofstellen in anderen Orten im Emsland, andere gingen nach Mecklenburg oder Schlesien und verloren wenige Jahre später erneut ihre Heimat. Aus den Augen verloren haben sich die alten "Wahner" aber nie, schon bald gab es regelmäßige Treffen, jedes Jahr, bis heute.
In mühevoller Kleinarbeit wurde der Grundriss der Kirche freigelegt.
Das alte Dorfterrain ist heute ein Erinnerungsort. Ein Arbeitskreis hatte das Dorfgelände 2007 in mühsamer Eigenarbeit vom Schutt befreit. Inzwischen ist das alte Gelände so weit hergerichtet, dass die Positionen der alten Hofstellen, vor allem aber der Grundriss der Kirche, wieder erkennbar sind. Das alles kann man besichtigen - wenn nicht gerade geschossen wird. Denn der Schießplatz, Grund für die Vernichtung des Dorfes, ist noch immer in Betrieb, als Schießplatz der Bundeswehr. Nordwestradio-Reporter Gerhard Snitjer berichtet.
Info: Nordwestradio Journal
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