6. Februar 2012, 8:40 Uhr
Nordwestradio Journal
Der Winter 2011/12 war sehr mild im Nordwesten, doch Ende Januar gab es einen Kälteeinbruch: "Cooper" und "Dieter", die beiden Hochs, bescheren uns harten Frost bei strahlendem Sonnenschein und Minustemperaturen im zweistelligen Bereich. Haben die Tieftemperaturen mit dem Klimawandel zu tun?
Es ist kalt bei uns in Deutschland – aber das sind Wintertemperaturen und kein außergewöhnliches Wetter für die Jahreszeit, sagt der Meteorologe Sven Plöger im Gespräch mit Nordwestradio-Moderator Hans-Heinrich Obuch.
Der Grund für die Wetterlage ist ein riesiges Hochdruckgebiet mit einem extrem hohen Kerndruck, das über Russland liegt. Das Hoch schaufelt die Luft aus dem Osten nach Westen; ähnliches gab es in den Wintern der Jahre 2010 und 2011, die auch sehr kalt waren.
Die globale Erwärmung führt dazu, dass die Zirkulation der Luftmassen verändert wird. Die Lage der Hochs und Tiefs verändert sich.
Buchtipp
Sven Plöger
Gute Aussichten für Morgen
Westend Verlag, 17.99 Euro
Bestimmend für das mitteleuropäische Wetter sind das Azorenhoch und das Islandtief. Doch wenn diese Gebiete schwach augeprägt sind, setzen sich andere Luftströmungen – zum Beispiel aus dem Osten – durch.
Gespräch mit Sven Plöger, Meteorologe, [6:44]
Als Folge der langen Kältewelle ist der Vegesacker Museumshafen komplett zugeforen. In Deutschlands ältestem künstlich angelegten Hafenbecken geht seit Tagen gar nichts mehr. Insgesamt 23 Schiffe, und mit ihnen die Menschen, die dort wohnen, sitzen fest.
Der Museumshafen ist komplett zugefroren.
Doch was sich nach wunderschöner Winteratmosphäre anhört, ist für Mensch und Schiff nicht ungefährlich. Die Eisschollen im Hafen sind durch den Tiedehub kräftig in Bewegung geraten, und frieren fest, wenn das Wasser unter ihnen abfließt. Und wenn sie sich lösen und herunterfallen, bedrohen sie die Sicherheit der Schiffe und machen einen höllischen Lärm. Unsere Reporterin Stephanie Giese hat den Vegesacker Hafen besucht.
Vegesacker Schiffer in Nöten, [3:52]
Impressionen vom eingefrorenen Vegesacker Hafen
Impressionen von unserer Reporterin Stephanie Giese.
Der Winter ist da, und endlich ist möglich, was sich viele sehnsüchtig gewünscht haben: Bei Sonnenschein und Kälte übers Eis flitzen oder gemächlich dahin gleiten oder auch eine Partie Hockey spielen. Rund um Bremerhaven geht das zum Beispiel in Schiffdorf und Brame. Auch wenn nirgends eine Fläche offiziell freigegeben wurde: ein überfluteter Acker oder eine große Pfütze reichen aus. Nordwestradio-Moderator Mario Neumann hat es ausprobiert.
Eislaufen im Umland von Bremerhaven, [2:02]
Ostfriesland:
Trotz dauerhafter Minusgrade warnen offizielle Stellen noch vor dem Betreten von Seen, Gräben und Kanälen. Sicher aufs Eis können aber schon die Eisläufer in Ostfriesland. Zahlreiche Wiesen sind geflutet, in Neermoor bei Leer, in Bagband im Landkreis Aurich und in Filsum nahe der A 28. Warum es in Ostfriesland selbstverständlich ist, dass Wiesen zu Eisflächen gemacht werden, das erklärt sich aus ihrer Liebe zum Schöfeln. So heißt der Wintersport Nr. 1 der Ostfriesen. Stefanie Riepe war in Filsum.
Eislaufen in Ostfriesland, [3:39]
Die Eislaufflächen der "Semkenfahrt" in Bremen sind ab Donnerstag, 2. Februar, freigegeben. Das gilt allerdings ausdrücklich noch nicht für die tieferen Gewässer in der Region. Informationen über die Eisflächen in Bremen und im Umland von Nordwestradio-Reporter Cengiz Tarhan:
Semkenfahrt: Eislaufen erlaubt , [4:18]
Dass die Weser allerdings noch zufriert, ist in diesem Jahr kaum noch zu erwarten. Zwar schwimmen schon einige große Eisschollen auf der Wasseroberfläche, aber der Fluss fließt immer noch. Denn die Weser ist mit einem stehenden Gewässer nicht zu vergleichen. Bis die Weser zufriert, muss es deshalb noch längere Zeit so richtig kalt sein. Außerdem gibt es noch weitere Faktoren, die ein Zufrieren verhindern können. Unser Reporter Sven Weingärtner berichtet.
Warum friert die Weser nicht zu?, [2:35]
Die Kälte macht den Menschen zu schaffen, besonders für Obdachlose wird sie zur Gefahr. Die Bremer Straßenbahn AG bietet deshalb Obdachlosen einen besonderen Service an: Um sich aufzuwärmen, dürfen sie kostenlos im hinteren Teil in Bussen und Bahnen mitfahren – unter bestimmten Bedingungen. Nordwestradio-Reporter Michael Kück berichtet.
Obdachlose in Bremen können kostenlos Bus und Bahn nutzen, [2:31]
Niemand weiß genau, wie viele Menschen in Bremen und im Umland auf der Straße leben. Bundesweit gibt es keine verlässlichen Zahlen dazu. Erfasst werden nur Menschen, die kommunale Leistungen nutzen. Viele Obdachlose leben allerdings ohne öffentliche Unterstützung und beantragen diese auch nicht. Der Verein für Innere Mission, der sich in Bremen um solche Menschen kümmert, geht von bis zu 200 Betroffenen aus.
Für diese Menschen wird vor allem die nächtliche Kälte zunehmend gefährlich. Doch längst nicht alle Obdachlosen suchen in diesen Tagen Notunterkünfte auf. Die Gründe dafür sind sehr unterschiedlich. Fünf Fragen dazu an Bertold Reetz, Koordinator Wohnungslosenhilfe Innere Mission Bremen:
Sicherster Ort sind Notunterkünfte
Die Innere Mission bittet alle, die Obdachlose auf der Straße treffen, sie anzusprechen und gegebenenfalls Kontakt zu Helfern zu vermitteln. Dringend benötigen die Betroffenen dicke Schlafsäcke, Decken, Mäntel, Pullover, Handschuhe oder warme Hosen. Auch Geldspenden sind ausdrücklich erwünscht. Wer helfen möchte findet hier nähere Informationen.
Gleich morgens beim Start in den Tag fluchen viele über die Kälte. Oft springt das Auto nicht an, schlappe Batterien, eingefrorene Türen und andere Probleme machen Pendlern das Leben schwer. Hilfe in solchen Situationen gibt es vom Pannendienst. Reporter Cengiz Tarhan hat sich warm angezogen und einen Pannenhelfer vom ADAC begleitet.
Info: Nordwestradio Journal
![Globus mit Mikrofon davor [Quelle: Radio Bremen] Globus mit Mikrofon davor [Quelle: Radio Bremen]](/nordwestradio/sendungen/nordwestradio_journal/journal104_v-mediateaser.jpg)
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