13. Mai 2013, 7:20 Uhr
Nordwestradio Journal
Der soziale Wohnungsbau galt lange als eine Errungenschaft der 1950er Jahre. Heute gibt es ihn kaum noch. Bund und Länder haben ihre Förderung seit Jahren zurück gefahren. Gleichzeitig steigen die Mieten. Für Arbeitslose, Rentner und Studenten wird es eng am Wohnungsmarkt. Aktuell herrschen in Bremen prekäre Verhältnisse wie direkt nach der Wende.
Hochhäuser, wie dieses in der Bremer-Vahr, enstanden in der Hochzeit des sozialen Wohnungsbaus
In Internetforen häufen sich die Anzeigen wie Hilferufe: Bezahlbarer Wohnraum wird zum Luxusgut – ausgerechnet in Bremen, wo die Zahl der Hartz-4-Empfänger und Geringverdiener hoch ist. Reinhard Josties arbeitet seit mehr als 20 Jahren beim Mieterverein Bremen und kennt die Probleme. Die aktuelle Situation auf dem Bremer Mietmarkt erinnert ihn an die Zeit kurz nach der Wiedervereinigung: Es herrscht eine extreme Wohnungsknappheit, die Preise sind gestiegen.
Eine Studie des Pestel-Instituts aus Hannover zeigte erst kürzlich: Mehr als 80.000 Bremer Haushalte haben Anspruch auf eine Sozialwohnung. Doch nur für zehn Prozent steht eine zur Verfügung. Mit dieser Quote liegt Bremen weit unter dem Bundesdurchschnitt.
Im Oktober gründete der rot-grüne Senat deshalb das "Bündnis für Wohnen". Brigitte Köhnlein, Sprecherin im Bauressort, sagt, es gebe erste Erfolge: "Wir haben 30 Neubauflächen vorgestellt, die wir im Stadtgebiet entwickeln wollen. In den nächsten sieben Jahren sollen 14.000 neue Wohnungen in Bremen entstehen – ein Viertel davon Sozialwohnungen", so Köhnlein. Rund sechs Euro soll die Sozialmiete pro Quadratmeter betragen.
Der Wohnungsmarkt in Bremen, [3:23]
Die Bauwirtschaft schüttelt bei diesen Vorgaben den Kopf. David Jacob Huber vom Verband Freier Wohnungsunternehmer zum Beispiel: "Wünschen kann man sich viel, aber es ist wirtschaftlich einfach nicht möglich, eine so niedrige Kaltmiete anzubieten", so Huber. Denn: Nutzt ein Investor Kredite aus dem 40 Millionen Euro schweren Förderprogramm vom Land, verpflichtet er sich, auf Barrierefreiheit zu achten und bestimmte Energiestandards einzuhalten. Und das kostet Geld.
Ein Verbandsmitglied wolle in Bremen 30 neue Sozialwohnungen bauen, erzählt er. Doch das Angebot drohe derzeit an diesen hohen Anforderungen zu scheitern. Im Bauressort spielt man die Bedenken herunter: "Wir haben das nicht am grünen Tisch so festgelegt, sondern mit allen Beteiligten", sagt Brigitte Köhnlein. "Am Ende braucht das Land die private Bauwirtschaft. Nur so kann neuer, dringend benötigter Wohnraum entstehen. In Bremen sind von den ursprünglich 70.000 Wohnungen mit Mietpreisbindung nur 3.000 übrig geblieben".
Der Mieterverein hält dagegen: "Es gibt immer mehr Singlehaushalte, aber nicht genug Wohnungen. Früher hat man in Tenever Wohnungen abgerissen, um die restlichen Wohnungen besser zu vermieten. Jetzt hätte man sich gewünscht, dass man weniger abgerissen hätte", meint Reinhard Josties vom Bremer Mieterverein. Für ihn ist klar: Die Politik hat einen Trend verschlafen.
Der Wohnungsmarkt im Nordwesten
Info: Nordwestradio Journal
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