30. Januar 2012, 7:20 Uhr
Nordwestradio Journal
Razzia am Sitz des Bundespräsidenten: Staatsanwaltschaft und Beamte des Landeskriminalamts Niedersachsen haben das Büro des ehemaligen Sprechers von Bundespräsident Wulff, Glaeseker, im Bundespräsidialamt durchsucht. Hintergrund sind Ermittlungen wegen Bestechlichkeit.
Oberstaatsanwalt Lendeckel sagte, die Durchsuchung habe mehrere Stunden gedauert. Mitgenommen worden seien schriftliche Unterlagen und Computerdateien, die nun ausgewertet würden. Ermittelt wird gegen Glaeseker sowie gegen den Partymanager Manfred Schmidt wegen des Verdachts der Bestechlichkeit im Zusammenhang mit der Dialogreihe Nord-Süd-Dialog.
Wulff hatte am 22. Dezember mitgeteilt, dass er sich von Glaeseker getrennt habe. Ermittler hatten Mitte Januar Glaesekers und Schmidts Büros und Privathäuser durchsucht. Das Büro im Bundespräsidialamt war damals nicht betroffen. Die Sprecherin des Bundespräsidialamts, Diroll, sagte, das Bundespräsidialamt habe der Staatsanwaltschaft Hannover nach Bekanntwerden der Ermittlungen gegen Glaeseker mitgeteilt, dass der Ex-Sprecher sein Dienstzimmer im Präsidialamt nach der Entbindung von seinen Aufgaben noch nicht aufgelöst habe. Nordwestradio-Moderator Hans-Heinrich Obuch sprach mit unserem landespolitischen Korrespondenten, Ludger Fertmann.
Durchsuchung Glaeseker-Büro, [4:36]
Der "Spiegel" berichtet unterdessen, dass der Partymanager Schmidt eingeräumt habe, dass ihm die niedersächsische Staatskanzlei bei der Suche nach Geldgebern für den Nord-Süd-Dialog geholfen hat. Ohne die Kontakte und Empfehlungen des damaligen niedersächsischen Ministerpräsidenten Wulff und seines Sprechers wäre die Organisation des Events kaum möglich gewesen. Zugleich wies Schmidt den Vorwurf der Staatsanwaltschaft zurück, Glaeseker mit kostenlosen Urlaubsreisen bestochen zu haben.
In der Lobby-Affäre um den ehemaligen Wulff-Sprecher Glaeseker hat der Fraktionschef der Grünen im Landtag ein Machtwort von Ministerpräsident McAllister (CDU) gefordert. "Wir erwarten, dass der Ministerpräsident die Aufklärung der Affäre zur Chefsache macht und sich mit allen ihm zur Verfügung stehenden Mitteln dafür einsetzt, dass alle Fakten auf den Tisch kommen", sagte Stefan Wenzel. Mit Wenzel sprach Nordwestradio-Moderator Hans-Heinrich Obuch.
Grüne zu Durchsuchung im Bundespräsidialamt, [5:45]
Bundeskanzlerin Merkel hatte Wulff am Wochenende den Rücken gestärkt. Der "Bild am Sonntag", sagte Merkel auf die Frage, wie viel Zukunft Wulff habe: "Unser Bundespräsident wird viele weitere wichtige Akzente für unser Land und unser Zusammenleben setzen." Dagegen legte die SPD in ihrer Kritik an Wulffs Verhalten in der Kreditaffäre nach und befürchtet einen Imageschaden für Deutschland.
Info: Nordwestradio Journal
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