30. Juli 2012, 7:45 Uhr
Nordwestradio Journal
Die sogenannte Y-Trasse soll den Güterverkehr zwischen Hamburg, Bremen und Hannover abwickeln. Gegen die Pläne der Deutschen Bahn für den Bau der Trasse gibt es seit Jahren Widerstand. Bahnchef Rüdiger Grube hat nun die Gegner der Y-Trasse in Visselhövede besucht.
Ursprünglich geplanter Verlauf der Y-Trasse
Der Güterverkehr auf der Schiene steigt seit Jahren an. Um die Seehäfen zu entlasten, plant die Deutsche Bahn den Neubau von Gleisen zwischen Hamburg, Bremen und Hannover. Bürgerinitiativen wie der Umweltschutzverband Bothel / Brockel (BBU) organisieren seitdem Widerstand gegen die Y-Trasse. Sie befürchten eine Zerschneidung der Region und fordern Alternativen.
Rüdiger Grube informierte sich nun in Visselhövede über den Widerstand vor Ort. Zugleich warb er für den Neubau der Strecke. Der Bahnmanager sieht neben der Y-Trasse zwei weitere Möglichkeiten, dem stärker werdenden Güterverkehr gerecht zu werden. Der Ausbau bestehender Strecken und ein östlicher Korridor zwischen Uelzen, Stendal und Passau sollen geprüft werden.
Die Deutsche Bahn suche den Dialog mit den örtlichen Bürgerinitiativen, so Grube. "Ohne Zugehen auf die Bevölkerung läuft nichts mehr", sagte der Bahnchef bei seinem Besuch in Visselhövede. Man habe auch aus den Problemen mit Stuttgart 21 gelernt. "Ohne diesen Dialog werden wir auch keine Infrastrukturprojekte mehr realisieren können", so Grube.
Derzeit werden die Möglichkeiten, den Güterverkehr im Norden zu entlasten, geprüft. Ende November will sich Grube erneut mit den Gegnern der Y-Trasse treffen. Die Bürgerinitiativen begrüßen die Möglichkeit, sich dann zu den Planungen der Deutschen Bahn äußern zu dürfen. Im Frühjahr 2013 soll ein Vergleich der möglichen Strecken präsentiert werden.
Um die Akzeptanz für das Projekt zu erhöhen, hat auch das Land ein eigenes Kommunikationskonzept in der Schublade. Dazu zählen laut Wirtschaftsministerium" verbindliche und sprechfähige Ansprechpartner der Deutschen Bahn, verständliche Argumentationsgrundlagen, ein optimal besetztes Dialogforum und die Schaffung einer Wissensbasis für eben diese Dialogprozesse".
Wirtschaftsminister Bode (FDP) zeigte sich vom Engagement des Bahnchefs erfreut. "Dass Herr Grube sich persönlich des Themas annimmt zeigt, mit welcher Ernsthaftigkeit man sich bei der Bahn den Themen Transparenz und Bürgerbeteiligung widmen will",sagte Bode. Dies schaffe die große Chance, die Akzeptanz auch bei umstrittenen Projekten nachhaltig zu erhöhen.
Wegen zahlreicher Planungsverzögerungen wird ein Baustart des Milliardenprojekts frühestens für 2017 und eine Inbetriebnahme für 2022 erwartet.
Erste Planungen für die umstrittene Y-Trasse begannen in den 90er Jahren, damals sollte sie primär dem schnellen ICE-Verkehr in den Norden dienen. Ein alternativer Ausbau der bestehenden Strecken von Hannover nach Bremen und Hamburg war bereits damals als ungeeignet verworfen worden.
Die Bahn prüft das nun erneut, im Fokus steht inzwischen der wachsende Güterverkehr. Kritiker sagen gestützt auf Gutachten, die Y-Trasse sei viel zu teuer und komme zu spät, um die Häfen entlasten zu können. Um dem Güterverkehr zu nutzen, muss die Trasse um einen Abzweig Richtung Lehrte ergänzt werden.
Info: Nordwestradio Journal
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