14. Februar 2013, 15:05 Uhr
Nordwestradio unterwegs
Seit dem 20. Januar 2013 ist in Ottersberg nichts mehr, wie es einmal war: Der Stadtrat ignorierte ein Anwohnervotum. Die Menschen werfen ihren Politikern nun mangelnden Respekt vor dem Bürgerwillen vor. Die Politiker kritisieren die Bürger, weil diese nur ihre persönlichen Interessen verfolgten, anstatt an das Gemeinwohl zu denken. Wir diskutierten live vor Ort.
Politiklehrer klagen in Leserbriefen, sie wüssten nicht mehr, wie sie ihre Schüler Demokratie lehren sollen, wenn die Politiker in Ottersberg diese nicht vorleben. Die wiederum halten den Bürgern vor, sie seien nicht in der Lage, sich umfassend genug zu informieren, um komplexe Entscheidungen zu treffen.
Was ist passiert? Seit knapp fünf Jahren streiten die Menschen in Ottersberg über ein modernes Biomasse-Heizkraftwerk. Die Argumente für das Werk haben viele überzeugt. Denn mit der Technik ließe sich weitgehend klimaneutral Strom für den ganzen Ort, Wärme für die Haushalte und einen größeren Industriebetrieb erzeugen. Mit 25 von 28 Mitgliedern stimmte der Ottersberger Stadtrat für das Projekt.
Dagegen war und ist nur die Freie Grüne Bürgerliste. Sie fürchtet wachsenden LKW-Verkehr, weite Anfahrtswege für die Biomasse, stinkende Emissionen und eine Gefahr für die Wälder. Ebenso zeigten sich viele Anwohner besorgt über die Auswirkungen des Kraftwerksbaus.
So beschloss der Stadtrat gegen die Stimmen der CDU eine Bürgerbefragung, um die Menschen bei der Entscheidung besser einzubinden. Über das Ergebnis waren die meisten Politiker entsetzt, denn die Bürger sahen die Sache ganz anders: Am Tag der Landtagswahl stimmten sie mit 52,2 Prozent gegen das Kraftwerk.
Die Mehrheit im Stadtrat machte sich mehr Sorgen um Ottersberg als Wirtschaftsstandort, als um die Meinung der Bürger, und stimmte trotz des klaren Votums Ende Januar erneut für den Kraftwerks-Bau. Das ließ die Wogen in Ottersberg hochschlagen. Inzwischen hat sich der Investor zurückgezogen, weil er die Anerkennung der Bürger für das innovative Projekt vermisst. Nun sind alle Beteiligten frustriert und ratlos.
Diskussionsrunde (v.l.:) Angela Hennings, Horst Hofmann, Prof. Dr. Beate Zimpelmann, Martin Busch, Stefan Bachmann und Tim Weber
Die Diskussion fand im Rathaus Ottersberg statt. Moderation: Martin Busch, Redaktion: Georg Bukes
Ein Vorbericht zum Anhören:
Demokratie auf dem Lande, [3:20]
Ein Bericht von Joachim Reinshagen
Die ganze Diskussion zum Anhören:
Entscheidung für ein Biokraftwerk gegen den Bürgerwillen in Ottersberg, [44:00]
Nachbericht: So verlief die Live-Diskussionm:
Fehlende demokratische Kultur in Ottersberg?, [3:36]
Ein Nachbericht von Jessica Holzhausen
Übersichts-Karte
Wir sind in der Nordwestregion unterwegs und greifen auf, was vielstimmig zur Sprache gebracht werden soll und die Menschen bewegt. Ob Energiepolitik oder Naturschutz, Industrieansiedlung oder Bildungspolitik – das Nordwestradio bietet allen, die von diesen und anderen Fragen betroffen sind und sich engagieren, ein offenes Forum.
Sendezeiten:
Mi., Do., Fr., 15:05 – 16 Uhr Mehr...
Service
Lesebuch: Anna Seghers
In den aktuellen Folgen des Lesebuchs hören Sie den Roman "Aufstand der Fischer von Sankt Barbara" von Anna Seghers. Mehr...
radiobremen.de nun auch mobil
Seit Februar 2013 ist der Radio-Bremen-Web-Auftritt unter der Adresse "m.radiobremen.de" auch mobil abrufbar. Das gilt natürlich auch für die Homepage des Nordwestradio. Mehr...
Info & Service
Plattdeutsches bei Radio Bremen
Mögen Sie Plattdeutsch? Oder wollen Sie es lernen? In unserem Plattdeutsch-Spezial bieten wir Ihnen einen Anfängerkurs mit den wichtigsten Regeln und vielen Übungen. Mehr...
Neues Digitalradio-Angebot
Radio Bremen hat ein neues Digitalradio-Angebot gestartet. Damit können Sie das Nordwestradio in rauschfreier Qualität empfangen. Mehr...
Jetzt auf radiobremen.de
Werder Bremen: Neuer Trainer Dutt wird heute vorgestellt
Bessere Arbeitsbedingungen: ENO-Mitarbeiter treffen sich zu Betriebsversammlung
Streit um Beratungsstelle: SPD-Fraktionschef will Rat und Tat-Zentrum erhalten
Böhrnsens Türkei-Reise: "Wichtig, sich mal sehen zu lassen"