11. April 2013, 15:05 Uhr
Nordwestradio unterwegs
Die Gewalttat von Kirchweyhe hat Bestürzung ausgelöst – und eine beispiellose Kampagne im Internet. Rechtsextreme versuchten, die Tat zu instrumentalisieren, und auch das Opfer selbst wurde als Nazi diffamiert. Ist das Netz ein rechtsfreier Raum? Und welche Folgen hat das für unsere Gesellschaft? Wir haben live in Weyhe darüber diskutiert.
Ein Bilderstrecke zu der Live-Sendung:
Er wollte helfen und hat seinen Einsatz mit dem Leben bezahlt. Der 25-jährige Daniel S. ist am 11. März, nach einem brutalen Angriff in Kirchweyhe (Kreis Diepholz) seinen schweren Kopfverletzungen erlegen. Der junge Mann hatte nach den bisherigen Erkenntnissen der Verdener Staatsanwaltschaft versucht, einen Streit zu schlichten, und die Zivilcourage mit seinem Leben bezahlt.
In Kirchweyhe ist seither nichts mehr, wie es war. Zum einen sind da die Trauer und die Fassungslosigkeit in Anbetracht der brutalen Tat. Der mutmaßliche Haupttäter, ein 20-jähriger Jugendlicher türkischer Abstammung, sitzt in Untersuchungshaft. Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen ihn wegen Mordverdacht. Zum anderen nutzen Rechtsextreme diese Tragödie für eine beispiellose Kampagne.
Ob im Internet oder auf der Straße, Parolen gegen Ausländer und eine zu zahme Justiz machen die Runde. Der niedersächsische Innenminister Boris Pistorius (SPD) empörte sich vor Ort, dass "rechtsextreme Gruppierungen auf der Welle gesellschaftlicher Entrüstung mitschwimmen, indem sie versuchen diese Gewalttat für ihre Zwecke zu instrumentalisieren."
Hetzkampagnen brechen sich längst im Internet Bahn. In den sozialen Netzwerken melden sich auch junge Türken und verhöhnen das Opfer. "Ein Bastard Nazi weniger in Weyhe", heißt es zum Beispiel. Kirchweyhes Bürgermeister Frank Lemmermann findet auf der Trauerkundgebung klare Worte in beide Richtungen. "Es ist abscheulich, wenn man das Opfer auch noch in übelster Weise verunglimpft. Aber ebenfalls abscheulich ist es, wenn alle Menschen mit Migrationshintergrund in einen Topf geworfen werden."
Der 25-Jährige sei ein Zufallsopfer, sagt Bernd Kittelmann, Leiter der Polizeidirektion Diepholz. Der mutmaßliche Täter war bereits früher mit Gewalttaten aufgefallen. Pastor Holger Tietz betonte, das Verbrechen habe nichts mit der Herkunft von Opfer und Täter zu tun: "Es ist abscheulich, wie man das Opfer verunglimpft in übelster Art und Weise." Mehr als 2.000 Menschen haben sich eine Woche nach der Tat in Kirchweyhe zu Trauerkundgebungen versammelt. Gleichzeitig setzten sie in der Gemeinde bei Bremen ein Zeichen gegen den Versuch der rechten Szene, das Verbrechen ausländerfeindlich zu instrumentalisieren.
Drüber haben wir am 11. April 2013 im Ratssaal der Gemeinde Weyhe live diskutiert.
Moderation: Martin Busch, Redaktion: Hilke Theessen
Ein Vorbericht zum Anhören:
Der Tod eines jungen Mannes in Weyhe und die Folgen, [3:27]
Ein Vorbericht von Jens Schellhass
Die ganze Diskussion zum Anhören:
Der Tod eines jungen Mannes in Weyhe und die Folgen , [44:18]
Hetze, Vorurteile, Netzkampagnen: Ein Ort kämpft um Normalität
Ein Nachbericht zum Anhören:
Der Tod eines jungen Mannes in Weyhe und die Folgen , [3:36]
Ein Nachbericht von Jessica Holzhausen
Gewalttat mit zwiespältigem Echo im Internet
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