17. April 2013, 15:05 Uhr
Nordwestradio unterwegs
Ein Exempel dafür, wie die "schöne neue Energiewelt von morgen" die Tierwelt von heute ganz schön alt aussehen lässt, gibt es in Goldenstedt an der Wildeshauser Geest. Dort soll ein Windpark mit sechs bis zu 135 Meter hohen Windrädern entstehen. In der Nähe rasten jedes Jahr 70.000 Kraniche. Dass sich das nicht verträgt, ist klar.
Vorbeifliegende Kraniche am Himmel
"Energiewende" das hörte sich nach "schöner neuer Welt" an, einer Welt, in der sauberer Strom für alle aus der Steckdose kommt. Ingenieuren, Physikern und Elektrotechnikern waren tatsächlich erneuerbare Energien bis dahin zwar nirgends begegnet, aber was zählt schon die naturwissenschaftliche Lehrmeinung, wenn Politik gemacht wird... Wo sich Windräder drehten, konnten nach dieser Logik alle den Strom, den sie benötigten, besten Gewissens verbrauchen.
Tatsächlich liegen die Dinge längst anders. Solartechnik, Biogasnutzung und Windstromerzeugung haben auf einzigartige Weise die Industrialisierung des ländlichen Raums vorangetrieben. Das Landschaftsbild der Zeit nach der Energiewende unterscheidet sich fundamental von dem zuvor. Die bäuerliche Welt von einst – ohnehin nur noch in Rudimenten vorhanden – droht vollends zu verschwinden. "Der Landwirt ist der Energiewirt der Zukunft", so formulierte es der grüne Bundesumweltminister Jürgen Trittin.
Ein Beispiel dafür, wie die Energiewelt von morgen die Tierwelt von heute beeinflusst, gibt es in Goldenstedt an der Wildeshauser Geest. Östlich des Goldenstedter Moors soll ein Windpark mit sechs bis zu 135 Meter hohen Windrädern entstehen. Das Vorhaben ist durchgeplant, es wird von der Gemeinde und von Anrainern favorisiert. Einziges Manko ist ein Kranichrastplatz in nächster Nähe, den jedes Jahr bis zu 70.000 Vögel anfliegen.
Die in Goldenstedt geplanten Windräder, tragen Naturschützer vor, würden direkt in der Flugroute der Kraniche liegen. Wegen der damit verbundenen Gefahren habe man schon das Projekt einer 380 KV-Freileitung an der Stelle in jüngster Vergangenheit nicht weiter verfolgt. Außerdem gingen der Vogelwelt, die am Moor rastet, wertvolle Nahrungsflächen verloren. Die Befürworter halten die Beeinträchtigungen für zumutbar, für sie steht ein Windpark aus sechs Einzelobjekten dem Vogelzug nicht wirklich im Wege.
Bilderstrecke zur Sendung:
Drüber haben wir am 17. April 2013 im Bürgersaal der Gemeide in Goldenstedt live diskutiert.
Moderation: Stephan Pulß - Redaktion: Brigitte Kammigan
Ein Vorbericht zum Anhören:
Kraniche oder Windräder? Streit in Goldenstedt, [3:09]
Ein Vorbericht von Thomas Schwierzi
Die ganze Diskussion zum Anhören:
Wo die Kraniche ziehen, [39:51]
Naturschutz und Energiewende im Konflikt
Ein Nachbericht zum Anhören:
Goldenstedt: Windkraft gegen Kraniche, [3:35]
Ein Nachbericht von Frank Jakobs
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