15. Mai 2013, 15:05 Uhr
Nordwestradio unterwegs
Der 1867 bei Zeven geborene Heimatforscher Hans Müller-Brauel sammelte Trachten und Bauernmöbel, besang in Versen die niedersächsische Landschaft, pflegte gute Kontakte zur Worpsweder Künstlerkolonie und zu Dichtern, malte, fotografierte und grub im Geestboden nach prähistorischen Funden. Doch er hatte auch eine rassistisch-dunkle Seite. Wer war Hans Müller-Brauel wirklich?
Museum Kloster Zeven
Das Erbe des Zevener Heimatforschers begegnet einem vornehmlich im Museum Kloster Zeven, das einen Teil seiner Hinterlassenschaft übernommen hat und ausstellt. Der rührige Volkskundler und Kenner niedersächsischer Bauernkultur begründete sein Tun teilweise eindeutig politisch:
"Die Völker selbst sind es, die sich ihr Schicksal bereiten. Wenn sie nicht erkennen, dass es darauf ankommt, sich rein zu erhalten und seine Art nicht zu mischen mit minderwertigem Blut."
War Hans Müller-Brauel ein völkisch-rassistischer Ideologe, oder sind solche Sätze "nur" ein gängiger Ausdruck des politischen Mainstreams im Deutschland jener Jahre?
Hans Müller-Brauel
Diese "andere Seite" des Heimatforschers wurde jetzt unter anderem im Bremer Focke-Museum beleuchtet. Dort ist derzeit die Ausstellung "Graben für Germanien – Archäologie unterm Hakenkreuz" zu sehen.
Gezeigt wird, wie viele deutsche Archäologen und Volkskundler ihre Arbeit sehr bereitwillig in den Dienst der NS-Ideologie stellten, vor allem für die völlig unwissenschaftliche Idealisierung der "Germanen" als Träger einer frühen Hochkultur. Gepaart war diese Haltung oft mit Antisemitismus und Rassismus.
Ein wichtiger Bremer Vertreter dieser völkischen Ideologie war der vermögende Kaffeekaufmann und Hitler-Verehrer Ludwig Roselius. Einen öffentlichen Ort für seine germanophilen Schwärmereien wollte Roselius mit seinem Bremer Projekt des Böttcherstraßenbaus schaffen. Dort, im Haus Atlantis, eröffnete Roselius 1933 sein "Museum Väterkunde".
Ludwig Roselius (1874 -1943) um 1924, Kaffeehändler, Gründer der Firma Kaffee Hag, Kunst-Mäzen
Mehrere tausend archäologische Artefakte sollten in der Ausstellung belegen, dass die imaginierte germanische Hochkultur ein ferner Nachhall des untergegangenen Atlantis sei. Damals keine esoterische Spinnerei, sondern fester Bestandteil völkisch-rassistischer Weltanschauung. Ein unermüdlicher Artefakte-Sammler für Roselius und Leiter des "Museums Väterkunde" war der Zevener Heimatforscher Hans Müller-Brauel.
Moderation: Otmar Willi Weber, Redaktion: Peter Meier-Hüsing
Darüber haben wir am 15. Mai 2013 im Museum Kloster Zeven diskutiert.
Ein Vorbericht zum Anhören:
Hans Müller-Brauel: Heimatforscher oder Ideologe? , [3:48]
Ein Vorbericht von Jens Schellhass
Die ganze Diskussion zum Anhören:
Hans Müller-Brauel ? ein völkischer Ideologe?, [42:12]
Ein Nachbericht zum Anhören:
Hans Müller-Brauel, [3:40]
Ein Nachbericht von Jasmin Schönberger
Nordwestradio unterwegs zur Sonderausstellung "Graben für Germanien"
Focke-Museum: Graben für Germanien
Archäologie unterm Hakenkreuz
Video: Graben für Germanien, [4:33]
Podiumsdiskussion in Berlin zur Ausstellung "Graben für Germanien"
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