16. Mai 2013, 15:05 Uhr
Nordwestradio unterwegs
Die Krähe, ein Rabenvogel, hat nicht sehr viele Freunde. Die Rolle des Unglücksboten ist vom klassischen, um einiges größeren Raben besetzt, der sich auch, neben der Eule, als Symbol für Weisheit positionierte. Nach der Sintflut ließ Noah einen Raben aufsteigen, der das Terrain für ihn inspizierte. Der kleineren Krähe blieb so nur der Part der Spukgestalt, die Hexen und Zauberer annehmen, wenn ihnen daran liegt, in der Menschenwelt nicht gesehen zu werden.
Ein Schwarm Kähen
Was Raben wie Krähen auszeichnet, ist ihre hohe Intelligenz. Sie sind imstande, ihr Spiegelbild zu identifizieren, sie verfügen über ausgefeilte Techniken des Erbeutens und Versteckens und über Fähigkeiten der sozialen Organisation, die sich mit denen der Menschen überschneiden. Krähen sind klassische Kulturfolger, sie nisten im Umfeld der Menschen und schlagen aus deren Tun und Haben Gewinn.
Freunde machen sie sich damit nicht immer. Krähenkolonien in Städten wie im ländlichen Raum gelten als Belastung: Lärm, Verschmutzung durch Vogelkot, Verwüstung des Lebensraums, den sie besetzen. Wo Krähen nisten, ist es mit dem Frieden meistens vorbei.
In Jever und im Landkreis Friesland haben sich ungewöhnlich viele der rabenschwarzen Vögel niedergelassen. Als besonders problematisch gilt eine Kolonie im Umfeld des Nordwest-Krankenhauses Sanderbusch. Dort geht es, außer um Belästigungen, auch um Hygienestandards der Humanmedizin. Eine Krähenpopulation kann sich, was das angeht, nach Meinung von Experten nur nachteilig auf die ärztliche Betreuung und Krankenpflege auswirken. Auch in Jever ärgern sich viele Bürger über die Vögel.
Zahlreiche Versuche, die Krähen aus der Stadt zu vertreiben, sind bisher gescheitert. Das liegt zum einen an der sprichwörtlichen Intelligenz der Tiere, und zum anderen daran, dass Krähen unter Naturschützern eine Lobby gefunden haben, die sich für den Erhalt ihrer Lebensräume einsetzt. Krähen verdienen aus deren Sicht auch deswegen Beistand, weil mit der Industrialisierung der Landwirtschaft die traditionellen Aufenthaltsorte der Vögel verschwanden.
Vergrämungsmittel jeder Art haben sich im Fall der Jeverschen Saatkrähen bisher als unwirksam erwiesen. Der in der Stadt ansässigen Firma "nopaloma" scheint es jetzt allerdings zu gelingen, Krähen wie Tauben massiv abzuschrecken. Das Material dafür, eine Kittmasse, wird auf Fensterbänke und Dachsimse aufgetragen. 350 000 € hat das Unternehmen in eine Abfüllanlage investiert.
Den Streit um die Krähen haben diese Anfangserfolge eher verschärft. Natur gegen Menschenwelt, friedliche Koexistenz oder entschiedenes Gegeneinander nicht vereinbarer Lebensinteressen, darum ging es in dieser Diskussion.
Bilderatrecke zur Sendung:
Darüber haben wir am 16. Mai 2013 im Steinsaal im Schloss in Jever diskutiert.
Moderation: Otmar Willi Weber - Redaktion: Brigitte Kammigan
Ein Vorbericht zum Anhören:
Krähenplage in Jever, [3:36]
Ein Vorbericht von Mareike Lange
Die ganze Diskussion zum Anhören:
Die Krähen schrein..., [43:35]
Ein Nachbericht zum Anhören:
Streit um Krähenplage in Jever, [3:03]
Ein Nachbericht von Andreas Barnickel
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