6. Dezember 2012, 15:05 Uhr
Nordwestradio unterwegs
Bundesweit die niedrigsten Arbeitslosenzahlen, bienenfleißige Arbeiter, eine Vorzeige-Sozialstruktur – so präsentiert sich die Region um Vechta und Cloppenburg am liebsten. Doch dieses Bild der Vorzeigeregion erhält zunehmend Risse. Unhaltbare Zustände in der Fleischindustrie sind der Grund.
Leiharbeiter in der Fleischindustrie arbeiten für geringen Lohn.
Die Arbeiter aus Osteuropa werden oft mit falschen Versprechungen nach Deutschland gelockt und dann regelrecht ausgebeutet. Eine harte und schmutzige Arbeit für einen Hungerlohn, kaum soziale Absicherung, dafür aber beengte Unterkünfte zu überhöhten Preisen.
Manche polnischen Arbeiter bekommen nur 3,50 Euro oder weniger pro Stunde – bei Sieben-Tage-Wochen und Nachtschichten. Oder sie werden nicht nach Stunden, sondern nach Stückzahl vergütet, zum Beispiel pro geschlachtetes Tier. Die Konsequenz aus diesen Werkverträgen: Die deutsche Arbeitsgesetzgebung, etwa in Bezug auf die Krankenversicherung, greift nicht mehr wie üblich.
Im Publikum waren auch Arbeiter aus den Fleischfabriken.
Gegen diese Zustände regt sich zunehmend Widerstand. Denn auch die Gemeindekassen werden durch solche Arbeitsverhältnisse gebeutelt. Bis knapp 50 Prozent des Nettolohns müssen an staatlichen Hilfen gezahlt werden, damit die Familien genug Geld zum Leben haben. Das bedeutet, dass der Steuerzahler die Dumpinglöhne subventionieren muss.
Wie kann das deutsche Arbeitsrecht durch Werkverträge ausgehebelt werden?
Wie können die unwürdigen Arbeits- und Lebensbedingungen verbessert werden?
Welche Folgen haben die Dumpinglöhne in der Fleischindustrie für die kommunalen Kassen?
Gesprächsrunde (v.l.) Olaf Lies, Peter Kossen, Clemens Große-Macke, Martin Busch, Mathias Brümmer und Klaus Rieckert
Veranstaltungsadresse:
Gasthaus Kellermann
Beverner Straße 5
49632 Essen
Moderation: Martin Busch
Redaktion: Hilke Theessen
Ein Vorbericht zum Anhören:
Leiharbeit in der Fleischwirtschaft?, [2:47]
Die ganze Diskussion zum Anhören:
Schlachten für einen Hungerlohn? , [42:06]
Ein Nachbericht zum Anhören:
Dumpinglöhne in der Fleischindustrie, [3:44]
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