21. November 2012, 15:05 Uhr
Nordwestradio unterwegs
Als Schiedsrichter im Bremer Amateurfußball kann man was erleben – fast jedes Wochenende: Prügeleien, Pöbeleien, handfeste Auseinandersetzungen. In den vergangenen Monaten gab es mehrfach Spielabbrüche, weil Spieler oder Fans aufeinander losgegangen sind. Es gab sogar schon Verhandlungen vor dem Sportgericht. In Nordwestradio unterwegs sprach Moderator Stefan Pulß mit dem Bremer Fußball-Verband (BFV), Vereinen und Uwe Harttgen von Werder Bremen. Unsere Reporterin war dabei und zieht ein Fazit.
Ja, es gibt in Bremen mehr Gewalt auf den Fußballplätzen der Amateurklasse. Das bestreitet auf dem Podium niemand. Doch das allein ist nicht das Problem, sagt Oliver Baumgart. Er ist Lehrreferent für Schiedsrichter beim Bremer Fußballverband: "Wir haben bis jetzt 16 Spielabbrüche gehabt, das ist ein bisschen mehr, als wir in der letzten Saison zum selben Zeitpunkt hatten. Was uns noch viel mehr Sorge macht, ist, dass es auch qualitativ schlimmer geworden ist, Wo früher mal Worte flogen, fliegen heute schneller mal die Fäuste, das ist das, was uns Sorge macht."
Früher wurde auf dem Platz geschimpft, heute gedroht
Interview mit Oliver Baumgart vom Bremer Fußball-Verband
Es wird gespuckt, geschlagen, geschubst – erzählt Wolfgang Kasper, der Vizepräsident des Bremer Fußball-Verbandes. Es streiten sich Fans oder die Spieler untereinander. Und, wenn die Spieler auf dem Platz zu Kindern werden, mischen sich auch immer häufiger die Angehörigen handfest ein, beklagt Kasper: "Wir haben allein vier Spielabbrüche gehabt nur wegen Einflussnahme von Außen: Eltern, Oma, Opa und und und. Es kam sofort zu Rudelbildungen auf den Plätzen und der Schiedsrichter nicht mehr klar. Das hat eine Form angenommen, die wir nicht mehr dulden können. Wir überlegen auch, dass man die Spiele absperrt und dass die Eltern sechs Meter entfernt zugucken können".
In anderen Landesverbänden sei das schon so, ergänzt Kasper. Dort werde das Spielfeld mit rotem Flatterband abgesperrt, um den Angehörigen die Grenze aufzuzeigen.
Die Unruhestifter ganz vom Platz zu schmeißen, gehe aber nicht. Anders bei den Spielern: Hier kann der Bremer Fußballbund Sperren aussprechen – zum Beispiel wenn ein Spieler den Schiedsrichter angegriffen hat. Auch die Vereine selbst können handeln. Die eigenen Spieler auszuschließen, falle den Clubs jedoch schwer, sagt Murat Orta vom Fußballclub Vatan Sport aus dem Bremer Westen: "Wir distanzieren uns von solchen Leuten, aber wir müssen natürlich auch unsere Verantwortung der Gesellschaft gegenüber und dem Stadtteil gegenüber wahren."
Wie kann ein Verein seine Spieler also bändigen? Wie kann den Spielern vermittelt werden, dass der Schiedsrichter das "Sagen"hat und der gegnerische Spieler nur durch Tore-Schießen bezwungen werden kann? Uwe Harttgen, Leiter des Leistungszentrums bei Werder Bremen, hat hier ein Rezept. Die Spieler bei Werder müssen alle einem Codex zustimmen und das auch unterschreiben. Sie verpflichten sich damit auf Fairness und Gewaltlosigkeit.
Auch die Eltern werden in die Pflicht genommen, diesen Codex zu befolgen. Entscheidend sei, dass Vereine ihre eigenen Regeln dann aber auch konsequent durchsetzen: "Und, wenn da Spieler dabei sind, die Schiedsrichter angreifen, dann muss das im Verein auch Folgen haben. Nicht nur durch den Fußballverband, sondern auch durch den Verein. Und der Verein weiß doch am besten, welche Strafen sinnvoll sind." Im schlimmsten Falle hieße das, einen Spieler auch auszuschließen.
Damit es gar nicht soweit kommt – und hier ist sich das Podium bei Nordwestradio unterwegs wieder einig – muss mehr mit den Spielern geredet werden. Das sei immer noch die beste Prävention gegen Gewalt auf dem Fußballplatz.
Gesprächsrunde (v.l.:) Wolfgang Kasper, Heinz-Jürgen Pusch, Oliver Baumgart, Stefan Pulß, Murat Orta und Uwe Harttgen
Moderation: Stefan Pulß, Redaktion: Peter Meier-Hüsing. Die Live-Diskussion fand in der Gaststätte "Platz 11" am Bremer Weserstadion statt.
Ein Vorbericht zum Anhören:
Randale im Amateurfußball, [3:09]
Die ganze Diskussion zum Anhören:
Randale im Amateurfußball, [36:23]
Ein Nachbericht zum Anhören:
Gewalt im Amateurfußball, [2:55]
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