29. September 2009, 19:05 Uhr
Religion und Gesellschaft
"Sie konnte weder von den Frommen noch von den Politischen, weder von den Konservativen noch von den Aufklärern ganz eingefangen werden. Sie erlaubte sich, die jeweils andere zu sein – den Frommen die Politische, den Politischen die Fromme, den Bischöfen die Kirchenstörerin und den Entkirchlichten die Kirchenliebende." Besser als Ihr Mann – der Theologe Fulbert Steffensky - kann man die Vordenkerin der evangelischen feministischen Theologie, die Schriftstellerin und Friedensaktivistin Dorothee Sölle (1929-2003), wohl kaum beschreiben. Die Sendung widmet sich ihr zum 80. Geburtstag.
"Theologie zu treiben", sagte sie einmal, "war geprägt von dem Bewusstsein, nach Auschwitz zu leben". Ihr Einfluss vor allem auf das evangelische Kirchenvolk ist nach wie vor ungebrochen. Aussagen wie "die Kirchen, die mir manchmal wie das Grab Christi vorkommen", zeigen wie provokant Dorothee Sölle sein konnte. Ihr hing ein Hauch von Anarchismus an. So nahm sie etwa an Sitzblockaden teil und wurde sogar einmal wegen versuchter Nötigung verurteilt. Sie bereiste Dritte Welt Länder und litt mit den Menschen, um darüber zu schreiben. Sie lobte ihr Credo aus: "Gott hat keine anderen Hände als unsere". Damit forderte sie die Menschen auf, ihr Schicksal nicht zu erleiden, sondern aktiv in die Hand zu nehmen.
Dorothee Sölle war eine hervorragende Rednerin. In ihren Vorträgen kam sie den Zuhörern ganz nah, indem sie ihre eigenen Erfahrungen in das Gesagte miteinfließen ließ. So auch bei ihrem Vortrag "Theologie der Freundschaft", den sie 1992 in Bad Segeberg hielt.
Dorothee Sölle: "Theologie der Freundschaft", [23:12]
Dorothee Sölle, 1929 in Köln geboren, studierte Theologie, Philosophie und Literaturwissenschaften in Köln, Freiburg und Göttingen. 1954 heiratete sie ihren ersten Mann, den Maler Dietrich Sölle. Sie wurde 1971 habilitiert, bekam allerdings nie eine Professur. Dorothee Sölle arbeitete als Lehrerin, Privatdozentin, im Rundfunk und als Schriftstellerin. 1962 heiratete sie ihren zweiten Mann, den ehemaligen Benediktinermönch Fulbert Steffensky. Sie war Mutter von vier Kindern. Im Jahr 2003 ist Dorothee Sölle in Göppingen gestorben. Sie gilt noch immer als eine der weltweit bekanntesten und umstrittensten Theologinnen des 20. Jahrhunderts.
Redaktion und Moderation: Thorsten Jantschek
Religion und Gesellschaft
Info: Religion und Gesellschaft
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Hören, wo es lang gehen kann, und erfahren, was Menschen glauben und denken, darum geht es in dieser Sendung, die im Leben so wirken soll wie ein Navigationssystem im Straßenverkehr: Orientierung stiften in einer immer unübersichtlicher werdenden Welt.
Sendezeit:
Di., 19:05 - 20 Uhr
Wiederholung:
Sa. 17:05 - 18 Uhr
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