7. Februar 2012, 7:50 Uhr
Der Kommentar
Dass deutsche Politiker für ihre ausländischen Gesinnungsgenossen Wahlkampf machen, ist nicht neu. Da steigen Christdemokraten gern mal für Konservative in die Bütt, Sozialdemokraten trommeln für ihre sozialistischen Brüder und Schwestern, Freidemokraten für Liberale, Grüne für Greens usw. Aber so offensiv, wie Angela Merkel gerade für Nicolas Sarkozy?! Die Bundeskanzlerin hat angekündigt, dass sie ihrer französischen Gipfel-Liaison tatkräftig unter die Arme greifen will – obwohl Monsieur le Président noch gar nicht offiziell kundgetan hat, ob er sich Ende April überhaupt wiederwählen lassen will.
Aber gehen wir mal davon aus, dass er will, dann ist da das Problem, dass sein Volk ihn nicht mehr will: Sarkozys Umfragewerte im eigenen Land sind bescheiden – und zwar derart, dass seine Parteifreunde von der UMP inzwischen nach jedem Strohhalm greifen, auch wenn er aus Deutschland gereicht wird. So wurde etwa der Auftritt von Merkels farblosem Generalsekretär Hermann Gröhe neulich in Paris lautstark bejubelt. Ausgerechnet Hermann Gröhe, für den hierzulande nur selten jemand klatscht – aus dem einfachen Grund, weil man sich ja eine Hand immer vor den Mund halten soll, wenn man gähnt…
Die Kanzlerin hat jetzt schon Panik, dass tatsächlich der Sozialist François Hollande neuer Hausherr im Elysée-Palast werden könnte. Sie kann sich partout nicht vorstellen, wie aus "Merkozy" "Merlande" oder so ähnlich werden soll… Deshalb lädt sie den Herausforderer auch nicht zu sich ins Kanzleramt ein und setzt sich stattdessen lieber mit dem angeschlagenen Noch-Präsidenten zur besten Sendezeit vor die Kameras, zu ihrem ersten gemeinsamen Fernsehinterview.
Wenn es dabei doch nur wahrhaftig um ein viel höheres, honorigeres Ziel gehen würde: die Rettung des Euro. Die nämlich, meint Merkel, bekommt niemand besser hin, als sie und ihr „Ami aus Paris“. François Hollande dagegen? Mon Dieu – Gott bewahre! Der Sozialisten-Kandidat will nur alles wieder einreißen, was der "liebe Nicolas" und die "chère Angela" bei ihren Strandspaziergängen so mühsam auf Sand gebaut haben.
Darum geht es aber eben nicht, wie die CDU-Chefin gerade heute in der französischen Hauptstadt nochmals klargestellt hat: "Ich unterstütze Nicolas Sarkozy in jeder Fasson, weil wir zu befreundeten Parteien gehören. Egal, was er tut!"
Das hat sie wirklich gesagt: "Egal, was er tut!" Da könnte Sarkozy morgen also auch wieder ausländische Jugendliche aus den Pariser Vorstädten "hinauskärchern", wie er es als Innenminister gerne tat; er könnte, wenn er denn wollte, die Wiedereinführung der Guillotine fordern; er hat sogar Atombomben und könnte mit denen tun, was er will… Den Segen der Kanzlerin hätte er, denn ihre Parteien gehören ja zum selben Club!
Das ist auch der Grund, weshalb Merkel ihre konservativen Freunde in Griechenland oder Ungarn nicht zur Räson ruft. Die ruinieren zwar ihre jeweiligen Länder, aber – Hey! Sie sind aus derselben Parteienfamilie. Die CDU-Kanzlerin unterstützt sie, egal was sie tun! Und deshalb hält sie auch ihrem fragwürdigen Bundespräsidenten die Stange: Christian Wulff ist aus ihrem Stall. Da ist es doch egal, was er tut!
Liebe Frau Merkel, Ihnen sollte klar sein, dass in der Politik NIE egal sein darf, was jemand tut! Wenn das wirklich Ihr Ansatz ist, kann ich nur hoffen, dass kein einziger ausländischer Staatsmann Sie im Bundestagswahlkampf 2013 unterstützt. Denn eine Regierungschefin, die so gedankenlos und leichtfertig daher redet, muss weg – egal, was sie sonst noch alles tut!
Kommentar zu Merkozy: "Egal, was er tut" geht gar nicht!, [3:09]
Ein Beitrag von unserem Redakteur Robert Kiendl.
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