29. Oktober 2012, 17:18 Uhr
Der Kommentar
Jochen Grabler
Achtung, Achtung! Das ist ein Aufruf! Liebe konservative Bremer und Bremerhavener! Liebe Freundinnen und Freunde der Kanzlerin! Engagieren Sie sich! Treten Sie ein in die CDU, spenden Sie ihren Grips und Ihre Zeit! Räumen Sie den Laden auf! Bitte! Denn ohne Oppositon wird die Regierung träge und faul. Das kann niemand wollen.
Nein, das ist kein Witz. Wenn sich eine einstmals bedeutende Partei derart nachhaltig ausschließlich mit sich selbst beschäftigt und alle Energie auf interne Grabenkämpfe lenkt, dann sind irgendwann alle Scherze aufgebraucht. Mittlerweile ist die Lage zu ernst. Mittlerweile lautet die Aufgabe: Gründet die Bremer CDU neu. Und nicht nur die Bremer. Die christdemokratischen Sandkastenkriege, die jetzt mit dem Rückzug der neuen Parteichefin nach nicht einmal einem Amtsjahr ihren vorläufigen Tiefpunkt erreicht haben, sind zwar eine besonders unappetitliche Bremensie, reihen sich aber ein in einen allgemeinen Trend, der für die Partei insgesamt brandgefährlich ist: Die CDU verliert die Großstädte.
Hamburg, Frankfurt, zuletzt Stuttgart – sieben einst CDU-regierte Großstädte sind in den vergangenen drei Jahren an die politische Konkurrenz gefallen. Die Partei ist nicht mehr in der Lage, gerade den großstädtischen Milieus attraktive Angebote zu machen. Landauf, landab haben sich die Christdemokraten in den Städten über Jahre denkfaul im provinziellen Muff eingerichtet, haben sich in den Stadtteilen der Besserverdiener verschanzt und politische Erbhöfe wie innere Sicherheit bewirtschaftet.
Zu wenig, wenn man die Fragen von heute beantworten will. Die zunehmende soziale Spaltung gerade in den Städten, zum Beispiel, ist für die CDU kein Thema. Und dieser Befund gilt beileibe nicht nur für die Partei selbst, sondern für das alte bürgerliche Milieu insgesamt. In Bremen war die CDU einst die politische Speerspitze der mächtigen Kaufmannschaft – diese Ära endete schlagartig, als 2005 die Milliardenhilfen des Bundes an Bremen nicht mehr flossen und keine Wohltaten an die Wirtschaftswelt mehr zu verteilen waren. Politik mit wenig und immer weniger werdendem Geld ist offenbar nicht so sehr die Sache der CDU und ihrer Klientel. Das aber ist Tagesaufgabe in allen finanziell darbenden Großstädten.
Eine moderne Großstadt-Partei – das ist die Aufgabe, für die zumindest in der Bremer CDU nach dem parteiinternen Zermürbungskrieg nur noch Unglaubwürdige und politisch Versehrte übrig sind. Mit den Röwekamps, den Mohr-Lüllmännern und all ihren Fußtruppen ist eine solche Modernisierung nicht zu machen. Darum, bitte, sollte sich doch jemand finden lassen, der den eigenen Laden umkrempelt und der Regierung Beine macht. Opposition ist nicht der tollste Job – aber ohne Opposition leidet das Land. Das kann niemand wollen.
Aufgabe: Gründet die Bremer CDU neu!, [2:49]
Ein Kommentar von Jochen Grabler
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