20. August 2012, 7:50 Uhr
Der Kommentar
Einem Bundespräsidenten stehen nur in Ausnahmefällen Machtworte zu. Einer, der das begriffen hat, ist der amtierende Bundespräsident Joachim Gauck. Er weiß um die Beschränkungen, die ihm von Amts wegen auferlegt sind. Den Spielraum, über den er auf dem Gebiet auch verfügt, schöpft er fast immer mit wünschenswerter Deutlichkeit aus.
Gauck hat sich jetzt dem von einigen Ländern forcierten neuerlichen Vorstoß für ein Verbot der NPD zugewandt. Man sollte auf dem Gebiet, gibt er zu erkennen, Augenmaß wahren. Die Partei ist derzeit legal. Dass sie, ihrer Wahlerfolge wegen, vom Staat finanziert wird, mag den Befürwortern eines NPD-Verbots missfallen. Für ein Verbot reicht das nicht aus.
Gauck ist einer, der es mit der Wirklichkeit hält. Die Wirklichkeit ist in diesem Fall eine des Rechts. Das kann man nicht ohne weiteres beugen. Auch nicht zur Abwehr rechter Gefahr. Eine Partei, die sich gegen die Rechtsstaatlichkeit stellt, verwirkt nicht allein deswegen ihren Anspruch auf diese.
Der Bundespräsident hat erkannt, was auch andere vorgetragen haben: Ein neuerlicher Antrag auf ein NPD-Verbot, allein vom Bundesrat gestellt und weder vom Bundestag noch von der Bundesregierung gestützt, das wäre eine Steilvorlage für eine Gruppierung, die parlamentarische Demokratie und Gewaltenteilung ohnehin für eine Lachnummer hält.
Es gibt, und da kann man dem Bundespräsidenten nur zustimmen, ja längst einen anderen Weg. Es ist der von tausenden Bürgern, die, wo immer sich die NPD in der Öffentlichkeit zeigt, ihrerseits an die Öffentlichkeit gehen und Widerstand leisten. An diesem Bürgersinn liegt Gauck sehr viel mehr als an folgenloser Verbotsakrobatik.
Gauck gibt ein Beispiel mit dieser Haltung. Es ist seine Art, auf der Klaviatur des bürgerlichen Freiheitswillens zu spielen. Seine Position kommt von den Erfahrungen her, die er und viele seiner Weggefährten im Widerstand gegen das DDR-Unrechtsregime gemacht haben. Man braucht beides, einen Weg und ein Ziel.
Vor allem aber muss man etwas wollen und dafür dann auch Verantwortung tragen. Feiertagsantifaschismus, der nur der Beruhigung des eigenen Gewissens dient, wird keinen der rechtsradikalen Triebtäter beunruhigen. Der stete Tropfen höhlt den braunen Stein. Dafür setzt Gauck sich ein.
Es ist eine dieser kleinen Lektionen, die der Präsident dem Land immer wieder erteilt. Bürgerwut, die bloß verraucht, schafft Freiräume für diejenigen, denen einzig daran liegt, eines Tages die Machtfrage zu stellen. Bürgersinn, als Gegenentwurf, sichert gegen solche Bestrebungen die Demokratie. Wer die NPD verbieten will, tut gut daran, wie der Bundespräsident erst einmal diese Haltung zu stärken.
Kommentar von Gerald Sammet:
Bundespräsident fordert Bürgersinn gegen NPD, [2:48]
Info: Der Kommentar
Hier finden Sie ausgewählte Kommentare des Nordwestradios.
Sendezeit:
Mo. - Fr., 7:50 Uhr
Zwischen Mythos und Moderne
Das 1990 gegründete Ensemble möchte altbekannte Hörgewohnheiten verändern und sie auch konservativerem Publikum nahe bringen. Dabei hilft die Verflechtung mit anderen Künsten wie Tanz, Schauspiel, Film oder Malkunst. Wir präsentieren einen Mitschnitt vom Januar in der St. Ansgari-Kirche in Oldenburg. Mehr...
5. Juni, 20:05 Uhr | Nordwestradio
Lesebuch: Anna Seghers
In den aktuellen Folgen des Lesebuchs hören Sie den Roman "Aufstand der Fischer von Sankt Barbara" von Anna Seghers. Mehr...
radiobremen.de nun auch mobil
Seit Februar 2013 ist der Radio-Bremen-Web-Auftritt unter der Adresse "m.radiobremen.de" auch mobil abrufbar. Das gilt natürlich auch für die Homepage des Nordwestradio. Mehr...
Info & Service
Plattdeutsches bei Radio Bremen
Mögen Sie Plattdeutsch? Oder wollen Sie es lernen? In unserem Plattdeutsch-Spezial bieten wir Ihnen einen Anfängerkurs mit den wichtigsten Regeln und vielen Übungen. Mehr...
Neues Digitalradio-Angebot
Radio Bremen hat ein neues Digitalradio-Angebot gestartet. Damit können Sie das Nordwestradio in rauschfreier Qualität empfangen. Mehr...
Jetzt auf radiobremen.de
Werder Bremen: Neuer Trainer Dutt wird heute vorgestellt
Bessere Arbeitsbedingungen: ENO-Mitarbeiter treffen sich zu Betriebsversammlung
Streit um Beratungsstelle: SPD-Fraktionschef will Rat und Tat-Zentrum erhalten
Böhrnsens Türkei-Reise: "Wichtig, sich mal sehen zu lassen"