6. August 2012, 7:50 Uhr
Der Kommentar
Im Jade-Weser-Port in Wilhelmshaven ist am Sonntag der Schlepperhafen eröffnet worden. Weder Niedersachsens Ministerpräsident David McAllister noch Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler waren dabei. Ein Kommentar von Radio-Bremen-Chefredakteur Martin Reckweg.
Der Schlepperhafen des Jade-Weser-Ports.
Es war ein Schmierentheater, das da am Sonntag in Wilhelmshaven veranstaltet wurde. In der Hauptrolle Wirtschaftsminister Bode aus Hannover. Irgendwas musste wohl an diesem 5. August eröffnet werden, denn dies war ja der mit Symbolik aufgeladene eigentliche Starttermin für den neuen Superhafen.
Bode muss bereits die Verschiebung in den September hinein als Niederlage aufgefasst haben. Da sollte es an diesem Tag wenigstens ein kleiner Schlepperhafen sein, ganz am Ende des riesigen Geländes. Weder Niedersachsens Ministerpräsident noch Bremens Regierungschef wollten da mitmachen, und am Ende fand sogar FDP-Parteifreund Philip Rösler noch eine gute Ausrede, um nicht dabei sein zu müssen. Damit Minister Bode nicht den Alleinunterhalter geben musste, schickte die CDU Staatssekretär Ferlemann aus Berlin – ein peinliches Spektakel an der Nordseeküste.
Wenn die Haupt-Aufführung am 21. September stattfindet, bleibt für Bode nur eine Nebenrolle, dann übernehmen McAllister und Böhrnsen. Die Chefs haben sich mühsam zusammengerauft und sind entschlossen, beim wichtigsten Bauprojekt im Norden Einigkeit zu demonstrieren. Darunter aber wird munter aufeinander eingedroschen. Die Posse um den Schlepperhafen ist nur ein weiterer Beleg für die herzliche Abneigung, die die Protagonisten hüben wie drüben gegeneinander pflegen.
Begonnen hat alles mit der umstrittenen Vergabe des Bauauftrages an das Unternehmen Bunte aus Papenburg, gegen den Widerstand aus Bremen. Seit diesem Streit vor 5 Jahren ziehen die Beteiligten nicht mehr an einem Strang. Längst wird auch auf niedersächsischer Seite angezweifelt, ob Bunte der richtige Bauherr war, allerdings nicht öffentlich. Die Auseinandersetzung schaukelte sich hoch, es wird jede sich bietende Gelegenheit genutzt, um der anderen Seite eins auszuwischen.
Streit, Intrigen, Rechthaberei, das sind die Zutaten zu diesem unappetitlichen Nachbarschaftsstreit. Längst ist der Hafen auch Zankapfel auf der politischen Ebene. Die Konfliktlinien verlaufen einerseits zwischen den jeweiligen Landesregierungen. Rot-Grün in Bremen hat kein Interesse, der CDU-FDP-Koalition In Hannover Erfolgsmeldungen zu überlassen. Erst recht nicht ein halbes Jahr vor der Landtagswahl in Niedersachsen.
Andererseits attackiert die jeweilige Opposition in beiden Ländern die Regierung. Es war der damalige SPD-Ministerpäsident Sigmar Gabriel, der das Projekt maßgeblich auf den Weg brachte. Kein Wunder, dass die Sozialdemokraten nun das miserable Krisenmanagement von Landespolitik und Realisierungsgesellschaft für ihre Zwecke nutzen, üblicher Theaterdonner auf der politischen Bühne.
Und wenn auf politischer Ebene mal Ruhe war, haben andere Öl ins Feuer gegossen. Der Chef der Realisierungsgesellschaft Kluth und Eurogate-Chef Schiffer für die Betreiberseite setzen die Rivalität auf der Management-Ebene fort. Eine Zweckgemeinschaft, mit ungleichen und streitlustigen Partnern, und das bei einem Projekt mit einer Investition von rund einer Milliarde.
Am Ende wird der Hafen kommen, die Regierungschefs werden am 21. September gute Worte zum bisher bösen Spiel machen, es werden Container abgeladen, der Betrieb wird laufen.
Denn: Natürlich macht der globale Containerverkehr keinen Bogen um den Jade-Weser-Port, nur weil sich hier ein Provinzstreit abspielt. Ob der Jade-Weser-Port ein Erfolg wird, das ist offen. Aber eines ist für mich gewiss. Die Streitereien werden mit der Eröffnung keinesfalls beendet sein. Stoff ist reichlich vorhanden. Schließlich ist noch die Rolle des Zahlmeisters für die Reparaturen zu klären. Das (Schmieren-)Theater an der Nordseeküste geht weiter.
Der Kommentar zum Anhören:
Kommentar: Teileröffnung Jade-Weser-Port, [3:39]
Schlepperhafen eröffnet
Erster Teilabschnitt des Jade-Weser-Ports eröffnet
Schlepperhafen wurde am Sonntag eröffnet
Der Hafenbetrieb soll am 21. September starten
Neue Schäden am Jade-Weser-Port?
Neue Betonwand offenbar auch schon kaputt
Info: Der Kommentar
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