20. Januar 2013, 21:55 Uhr
Der Kommentar
Niedersachsen hat gewählt. Schwarz-Gelb und Rot-Grün liegen gleichauf; auch vier Stunden nach Schließung der Wahllokale steht noch nicht fest, wer in Niedersachsen in den kommenden vier Jahren die Regierung stellt. Ein Krimi -, dieser Wahlabend, meint Holger Ahäuser (NDR). Hier sein Kommentar.
Was für ein Krimi, dieser Wahlabend. Ein Krimi, der noch läuft, und bei dem man – wie das bei guten Krimis so ist – die Lösung erst ganz am Ende präsentiert bekommt.
Wenn diese Lösung Schwarz-Gelb heißt – und das könnte so sein - dann hätten es Ministerpräsident McAllister und seine CDU richtig gemacht – trotz kräftiger Stimmverluste. Dann hätte die Aufholjagd funktioniert, nachdem das Regierungslager wegen der schwächelnden FDP in Umfragen schon scheinbar aussichtslos zurücklag. Vor allem aber hätten die über 100.000 Zweitstimmen gezogen, die die CDU den Liberalen quasi überlassen und ihr damit zum Rekordergebnis verholfen hat.
Nein, eine offizielle Leihstimmenkampagne war das nicht. David McAllister hat immer wieder erklärt, dass seine Partei BEIDE Stimmen wollte und brauchte. Im gleichen Atemzug aber hat er betont, wie wichtig starke Liberale seien und dass es ohne sie nicht gehe. Gemeinsame Wahlkampf-Auftritte taten ein Übriges. Viele CDU-Wähler haben verstanden und die FDP deutlich über die Fünf-Prozent-Hürde gehievt. Vielleicht auch zu viele – denn wenn Schwarz-Gelb am Ende des Tages doch in die Opposition muss, dann hätten die Christdemokraten sich selbst umsonst geschwächt.
Die FDP im Siegestaumel, noch nie war sie so stark im Niedersächsischen Landtag, fraglos DIE Überraschung dieser Wahl. Da kümmert es die Liberalen heute abend sicher wenig, dass der Erfolg nur auf taktischen Stimmen von CDU-Anhängern beruht. Und doch muss sich die Partei für die Zukunft die Frage stellen, wofür sie inhaltlich beim Wähler stehen will. Besondere Kompetenz schreibt der den Liberalen nach allen Umfragen auf keinem Politikfeld zu – die bloße Rolle des Mehrheitsbeschaffers dürfte auf Dauer nicht ausreichen.
Und die jetzige Opposition? Die Grünen haben alles richtig gemacht, ein solider inhaltlicher Wahlkampf, keine Personalquerelen, mit weit mehr als 13 Prozent werden auch sie ein Rekordergebnis einfahren.
Die SPD um Spitzenkandidat Stephan Weil dürfte noch nicht so recht wissen, ob sie jubeln oder Trübsal blasen soll. Etwas zugelegt gegenüber der letzten Landtagswahl, aber das deutliche Umfrage-Hoch in den Wochen vor der heutigen Wahl noch verspielt. Regierungsübernahme zusammen mit den Grünen immer noch möglich – aber keine klare Wechselmehrheit erreicht, kein großes Wendethema gefunden. Einen fairen, engagierten Wahlkampf geführt, den Steinbrück-Malus weggesteckt – aber den populären Ministerpräsidenten McAllister wenig aggressiv und effektiv angegriffen.
Schwamm drüber, wenn´s am Ende reicht – aber wie gesagt: Der Krimi läuft noch, die Lösung zeigt sich ganz zum Schluss. Bei einem Patt könnte sie übrigens auch immer noch große Koalition heißen. Das wäre dann eine, die eigentlich keiner will. Man darf gespannt sein.
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