9. November 2012, 7:50 Uhr
Der Kommentar
Bund und Länder wollen die Energiewende gemeinsam vorantreiben. doch konkrete Beschlüsse fehlen bislang. Probleme bereitet vor allem die Offshore-Windenergie. Der Aufbau der Windparks geht nur schleppend voran, Investoren springen ab und es fehlt an leistungsfähigen Stromnetzen. Die Offshore-Windenergie ist ein Sprengsatz für die Energiewende, meint Jürgen Döschner.
Die Probleme mit der Offshore-Windenergie gefährden die Akzeptanz der Energiewende, meint Jürgen Döschner.
Allen Unkenrufen zum Trotz: Die Energiewende geht voran! Und zwar schneller, als viele gehofft - und manche befürchtet hatten. Inzwischen liefern Wind und Sonne gut ein Viertel unseres Stroms. Tendenz steigend. Und das bei fallenden Börsenpreisen und ohne die befürchteten massiven Stromimporte aus dem Ausland.
Dass trotz all dieser Erfolge und positiven Zahlen in der Öffentlichkeit der Eindruck vorherrscht, die Energiewende käme zu schleppend, zu zögerlich voran, das hat vor allem einen Grund: Die Offshore-Windkraft!
Denn beim Ausbau der Stromerzeugung auf hoher See gibt es in der Tat kaum Fortschritte. Von den bis 2020 von der Bundesregierung eingeplanten 10.000 Megawatt installierter Offshore-Windkraft-Leistung sind derzeit gerade einmal 200 angeschlossen. Der von Politik und Medien immer wieder beschworene Stau beim Netzausbau bezieht sich vor allem auf die Verkabelung der projektierten Offshore-Windparks und den Transport des dort einmal zu erzeugenden Stroms nach Süd- und Westdeutschland.
Mit anderen Worten: Die Offshore-Windkraft ist nicht, wie von Bundeskanzlerin Merkel oft und gern betont, das Rückgrat, sondern die Achillesverse der Energiewende, sie ist kein Eckpfeiler, sondern ein Sprengsatz für die Energiewende! Denn zu den Verzögerungen und unerfüllbaren Zielen kommen fast täglich neue Kosten hinzu, die immer nach dem selben Muster vor allem den Verbrauchern aufgebürdet werden – und so die gesellschaftliche Akzeptanz des gesamten Projekts Energiewende gefährden.
Jüngstes Beispiel: Der Offshore-Terminal in Bremerhaven, dessen Bau nun möglicherweise mit 250 Millionen Euro aus öffentlichen Kassen finanziert werden soll – nachdem private Geldgeber wegen der hohen Risiken einen Bogen um das Projekt gemacht haben.
Ein Muster, das übrigens für fast alle Ebenen der Offshore-Windkraft gilt: Weil die Risiken unüberschaubar, die Wirtschaftlichkeit kaum erreichbar ist, versucht die Politik private Investoren mit immer neuen Vergünstigungen und Versprechen zu locken, von der besonders hohen Einspeisevergütung bis hin zur Übernahme der Haftungsrisiken für Netzbetreiber und Zuschüssen für die Infrastruktur.
Doch allen Milliardenversprechen und -geschenken zum Trotz: Die Investoren bleiben zurückhaltend, wie zuletzt das Beispiel der Stadtwerke Südweststrom gezeigt hat: Weil das Projekt nicht mehr wirtschaftlich sei, ziehen sich die Schwaben aus dem Milliarden schweren Windkraftprojekt "Bard Offshore1" zurück.
Die Politik sollte diese eindeutigen Signale aus der Wirtschaft endlich zur Kenntnis nehmen und die Konsequenzen ziehen: Strom aus Offshore-Windkraftanlagen ist keine Option für die nähere Zukunft. Die 10.000-Megawatt-Pläne des Bundes sollten sofort eingestampft, zumindest aber stark eingedampft werden – nicht nur, um wertvolle Milliarden zu sparen, sondern vor allem, um das Gesamtprojekt Energiewende zu retten.
Info: Der Kommentar
Hier finden Sie ausgewählte Kommentare des Nordwestradios.
Sendezeit:
Mo. - Fr., 7:50 Uhr
Zwischen Mythos und Moderne
Das 1990 gegründete Ensemble möchte altbekannte Hörgewohnheiten verändern und sie auch konservativerem Publikum nahe bringen. Dabei hilft die Verflechtung mit anderen Künsten wie Tanz, Schauspiel, Film oder Malkunst. Wir präsentieren einen Mitschnitt vom Januar in der St. Ansgari-Kirche in Oldenburg. Mehr...
5. Juni, 20:05 Uhr | Nordwestradio
Lesebuch: Anna Seghers
In den aktuellen Folgen des Lesebuchs hören Sie den Roman "Aufstand der Fischer von Sankt Barbara" von Anna Seghers. Mehr...
radiobremen.de nun auch mobil
Seit Februar 2013 ist der Radio-Bremen-Web-Auftritt unter der Adresse "m.radiobremen.de" auch mobil abrufbar. Das gilt natürlich auch für die Homepage des Nordwestradio. Mehr...
Info & Service
Plattdeutsches bei Radio Bremen
Mögen Sie Plattdeutsch? Oder wollen Sie es lernen? In unserem Plattdeutsch-Spezial bieten wir Ihnen einen Anfängerkurs mit den wichtigsten Regeln und vielen Übungen. Mehr...
Neues Digitalradio-Angebot
Radio Bremen hat ein neues Digitalradio-Angebot gestartet. Damit können Sie das Nordwestradio in rauschfreier Qualität empfangen. Mehr...
Jetzt auf radiobremen.de
Werder Bremen: Neuer Trainer Dutt wird heute vorgestellt
Bessere Arbeitsbedingungen: ENO-Mitarbeiter treffen sich zu Betriebsversammlung
Streit um Beratungsstelle: SPD-Fraktionschef will Rat und Tat-Zentrum erhalten
Böhrnsens Türkei-Reise: "Wichtig, sich mal sehen zu lassen"