23. August 2012, 7:50 Uhr
Der Kommentar
Maritime Logistik: Im Nordwesten, mit den bremischen und niedersächsischen Weserhäfen, dem Jade-Weser-Port und den Kajen in Emden und Leer boomt das Geschäft. Containerumschlag hier, Stückgut und Massenware dort, Autotransporte von und nach Übersee: Alles scheint bestens gerichtet. Mehr als verdreifacht hat sich der Warenumschlag in der Küstenregion in drei Jahrzehnten. Dienstleistungen aus einer Hand, vom Anfangs- zum Endpunkt der Transportkette, darauf verstehen sich die Logistiker aus der Küstenregion.
Wenn jetzt in Bremen die Weltelite des Transportgewerbes sich zu einer Konferenz zum Thema maritime Logistik versammelt, könnten die Gastgeber sich zurücklehnen. Alle Zahlen, mit denen sie jonglieren, sprechen für sie. Die Häfen wurden erweitert, den globalen Warenströmen angepasst, umstrukturiert und ertüchtigt. Selbst Krisen wie derzeit in der deutschen Reedereibranche werden sich auf die Erfolgsbilanz nicht auswirken. Sie verschieben nur Akzente in der Geschäftstätigkeit.
Schaut man sich die Sache freilich nicht zur See hin, sondern mit Blick auf das Hinterland an, verschiebt sich das Bild. Die Weserhäfen, ob in Bremen und Bremerhaven, Nordenham oder Brake, traditionell Eisenbahnhäfen, haben längst den Anschluss verpasst. Die Schieneninfrastruktur stammt durchweg aus den 60er-Jahren des 20. Jahrhunderts, Rückbau inklusive. Die letzte große Innovation war die Elektrifizierung. Das Ende der Dampfeisenbahn. Es liegt fünfzig Jahre zurück.
Mit der Inbetriebnahme des Jade-Weser-Ports wird die Infrastruktur im Nordwesten an ihre Kapazitätsgrenzen geraten. Der naheliegende Gedanke, Schienen und Straßen zeitgleich dem Bedarf anzupassen, blieb irgendwo liegen. Auf den Gleisen zwischen Wilhelmshaven, Oldenburg, Bremerhaven, Bremen, Hannover und Osnabrück kommen sich Fernverkehr, Regionalzüge, S-Bahnen und der Gütertransport massiv in die Quere. Jedem Logistiker mit einem Blick für mehr als das Tagesgeschäft an der Pier hätte das frühzeitig auffallen müssen.
Die Logistik, kann man daraus nur lernen, ist ein vertracktes Geschäft. Keiner hat das schöner formuliert als Willy Herlin, vormals Pressesprecher des EU-Kommissars Karel van Miert. "Ihr seid Bremer", begrüßte er 1996 in Brüssel eine aus der Hansestadt angereiste Delegation. "Ihr seid diejenigen, die das modernste Güterverkehrszentrum Europas errichten und darüber vergessen, für einen funktionsgerechten Autobahn- und Eisenbahnanschluss zu sorgen." Die A 281, auf die er damit anspielte, ist bis heute nicht fertig.
Viel Schulterklopfen werden sich auf ihrer Konferenz in Bremen die Logistiker gönnen. So lange sie dafür im Tagungsraum bleiben, geht das in Ordnung. Nur ins Freie führen sollte sie keiner. Die Infrastruktur, der sie sich dort ausgesetzt sähen, dürfte Zweifel wecken an dem, worauf sich das Transportgewerbe im Nordwesten angeblich versteht. Nirgends ein Gedanke an den großen Wurf, den man eigentlich bräuchte.
Logistiker mit großen Visionen und einer fatalen Neigung zum Flickwerk bei der Infrastruktur, so steht die Branche da. Ein Wirtschaftszweig, der sich so positioniert, hat keine große Zukunft vor sich, es sei denn als Seminarthema für den nächsten Kongress. Bei dem wird es dann möglicherweise nur noch darum gehen, was man mit den vom Hafen- und Verkehrsgewerbe hinterlassenen Brachflächen noch anfangen könnte.
Kommentar: Transportlogistik im Nordwesten liegt im Argen , [3:27]
Info: Der Kommentar
Hier finden Sie ausgewählte Kommentare des Nordwestradios.
Sendezeit:
Mo. - Fr., 7:50 Uhr
Zwischen Mythos und Moderne
Das 1990 gegründete Ensemble möchte altbekannte Hörgewohnheiten verändern und sie auch konservativerem Publikum nahe bringen. Dabei hilft die Verflechtung mit anderen Künsten wie Tanz, Schauspiel, Film oder Malkunst. Wir präsentieren einen Mitschnitt vom Januar in der St. Ansgari-Kirche in Oldenburg. Mehr...
5. Juni, 20:05 Uhr | Nordwestradio
Lesebuch: Anna Seghers
In den aktuellen Folgen des Lesebuchs hören Sie den Roman "Aufstand der Fischer von Sankt Barbara" von Anna Seghers. Mehr...
radiobremen.de nun auch mobil
Seit Februar 2013 ist der Radio-Bremen-Web-Auftritt unter der Adresse "m.radiobremen.de" auch mobil abrufbar. Das gilt natürlich auch für die Homepage des Nordwestradio. Mehr...
Info & Service
Plattdeutsches bei Radio Bremen
Mögen Sie Plattdeutsch? Oder wollen Sie es lernen? In unserem Plattdeutsch-Spezial bieten wir Ihnen einen Anfängerkurs mit den wichtigsten Regeln und vielen Übungen. Mehr...
Neues Digitalradio-Angebot
Radio Bremen hat ein neues Digitalradio-Angebot gestartet. Damit können Sie das Nordwestradio in rauschfreier Qualität empfangen. Mehr...
Jetzt auf radiobremen.de
Werder Bremen: Neuer Trainer Dutt wird heute vorgestellt
Bessere Arbeitsbedingungen: ENO-Mitarbeiter treffen sich zu Betriebsversammlung
Streit um Beratungsstelle: SPD-Fraktionschef will Rat und Tat-Zentrum erhalten
Böhrnsens Türkei-Reise: "Wichtig, sich mal sehen zu lassen"